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Politik

09. Dezember 2016 | 22:22 Uhr

Flüchtlingskrise in Europa : Francois Hollande: „Dschungel von Calais“ wird endgültig geräumt

vom

Seit Monaten sorgt das Flüchtlingscamp von Calais für politischen Zündstoff - und kratzt am Image Frankreichs. Nun versichert Präsident Hollande: Die Tage des „Dschungels“ sind gezählt.

Calais | Frankreichs Präsident François Hollande hat bei einem Besuch in Calais die endgültige Schließung des Flüchtlingscamps zugesichert. Die Regierung werde „diesen Weg zu Ende gehen“, sagte Hollande am Montag. In dem als „Dschungel von Calais“ bekannten Lager in der Nähe des Hafens am Ärmelkanal leben etwa 7000 Menschen in Hütten und Zelten. Immer wieder versuchen Migranten, auf Lastwagen in Richtung Großbritannien zu gelangen.

In Calais sammeln sich schon seit Jahren Migranten, die illegal nach Großbritannien gelangen wollen. Im Zuge der internationalen Flüchtlingskrise spitzte sich die Situation aber zu. Seit dem Frühjahr 2015 entstand auf einem Brachland ein Lager aus Zelten, Hütten und inzwischen auch vom Staat finanzierten Containern.

Die Stimmung brodelt in der Stadt am Ärmelkanal, wo Tausende Migranten in einer Art Slum ausharren, obwohl die Fähren und Züge nach Großbritannien längst mit kilometerlangen Zäunen und Hunderten Polizisten abgeschirmt werden. Wo Händler über Geschäftseinbrüche stöhnen und Lastwagenfahrer über nächtliche Straßenblockaden durch Migranten, die auf die Fahrzeuge klettern wollen.

Um Flüchtlinge davon abzuhalten, auf Lastwagen nach Großbritannien zu gelangen, baut Großbritannien eine Mauer am Zubringer.
Um Flüchtlinge davon abzuhalten, auf Lastwagen nach Großbritannien zu gelangen, baut Großbritannien eine Mauer am Zubringer. Foto: Thibault Vandermersch
 

Seit Jahren sammeln sich Menschen in Calais, die illegal auf die andere Seite des Ärmelkanals gelangen wollen. Doch im letzten Jahr nahm der Andrang rapide zu, im Frühjahr 2015 entstand auf einem Brachland in der Nähe des Hafens die Zelt- und Hüttensiedlung, die als „Dschungel von Calais“ bekannt ist.

Foto: dpa-Infografik

Nicht nur, dass die Bilder von den erbärmlichen Lebensbedingungen der Migranten am Image kratzen. Wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl ist die dramatische Lage zur politischen Zeitbombe geworden: Die Rechtsaußen-Partei Front National nutzt jeden neuen Anstieg der Zahlen aus, um ihre pauschale Einwanderungskritik an den Mann zu bringen. Und auch Ex-Präsident Nicolas Sarkozy hat im Vorwahlkampf um eine erneute Präsidentschaftskandidatur schon Revier in Calais markiert. Ein paar Tage vor Hollande besuchte er die Stadt und empörte sich über die „Abwesenheit staatlicher Autorität“.

Die Situation ist politisch brisant, auch mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr. Die Räumung wurde Anfang September angekündigt, die Menschen sollen auf Aufnahmezentren im ganzen Land verteilt werden. Ein Datum ist noch nicht bekannt, Hollande hatte am Samstag aber von den „kommenden Wochen“ gesprochen. Wer kein Recht auf Asyl hat, soll ausgewiesen werden.

Der sozialistische Präsident begründete die Pläne in einer Rede vor Polizisten auch mit humanitären Gesichtspunkten. „Wenn wir Würde, Solidarität und Schutz sicherstellen wollen, müssen wir das Heideland von Calais räumen“, betonte er. Es war sein erster Besuch als Staatschef in Calais, zum „Dschungel“-Gelände begab er sich nicht.

Er warnte davor, die Situation zu instrumentalisieren - eine Anspielung auf konservative Oppositionspolitiker, die angesichts der Regierungspläne vor vielen „Mini-Calais“ in ganz Frankreich gewarnt hatten. Zugleich äußerte Hollande Verständnis für Unmut in der Region Calais.

Obwohl die Behörden einen Teil des Geländes im März räumten, leben dort aktuell 6500 bis 7500 Menschen. Hilfsorganisationen sprechen sogar von mehr als 10.000 Migranten. Der Hafen und der Tunnel unter dem Ärmelkanal werden inzwischen streng abgeschirmt. „Die Grenze ist komplett dicht“, sagte Hollande.

 

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erstellt am 26.Sep.2016 | 13:30 Uhr

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