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Politik

03. Dezember 2016 | 05:47 Uhr

Frankreichs Konservative : François Fillon wird Präsidentschaftskandidat: „Frankreich will die Wahrheit“

vom

Für die Konservativen tritt Fillon bei der Präsidentschaftswahl an. Lob kommt aus Russland.

Paris | Noch vor wenigen Wochen war François Fillon „Mister Nobody“ oder einfach nur der „dritte Mann“. Am Sonntag triumphiert der frühere Premierminister bei der Vorwahl der französischen Konservativen - und macht sich auf den steinigen Weg zum Élyséepalast. Der 62 Jahre alte Überraschungssieger der langen Kandidatenkür bleibt trotz seines Traumergebnisses von rund 67 Prozent der Stimmen beherrscht und ernst. „Frankreich will die Wahrheit und Taten“, rief er am Sonntagabend aus.

Der neue Präsident in Frankreich muss Antworten auf viele Probleme finden. Die Verunsicherung in der französischen Bevölkerung ist groß. Etwa nach einer beispiellosen Terrorserie mit vielen Toten. Zudem belasten eine hohe Arbeitslosigkeit und eine schwächelnde Wirtschaft das traditionsreiche Land, das eine Atommacht und ständiges Mitglied im Weltsicherheitsrat ist.

Der wertkonservative Fillon schmiss gleich zwei Schwergewichte seines politischen Lagers aus dem Rennen für die Präsidentschaftswahl 2017 - was einer Sensation gleichkommt. Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy, unter dem Fillon von 2007 und 2012 als Regierungschef diente, war vor einer Woche im ersten Wahlgang Opfer Nummer Eins. Manche spöttelten über den spektakulären „Sark-Exit“.

Und dann Opfer Nummer Zwei: Alain Juppé, 71-jähriger, weiser Polit-Veteran der bürgerlichen Rechten, der über Monate die Umfragen anführte. Die Enttäuschung für den Premier des damaligen Staatschefs Jacques Chirac ist riesig. Der als gemäßigt geltende Top-Konservative sieht sich als „freier Mann“, der nun ins schöne Bordeaux zurückkehrt und dort sein Bürgermeister-Amt fortführt.

Dem Sieger Fillon gehen Worte wie „Werte“ und „Stolz“ leicht über die Lippen. „Ich will den Franzosen ihr Vertrauen wiedergeben“, lautet das Credo des Notars-Sohn aus dem abgeschiedenen Nordwesten des Landes. Er macht keinen Hehl daraus, katholische Wähler anzusprechen.

Fillons Programm für die Wirtschaft ist liberal und radikal: Weniger Staatsbedienstete und längere Arbeitszeiten, lautet die Ansage. In der Außenpolitik setzt er auf ein verbessertes Verhältnis zu Russland. Kreml-Chef Wladimir Putin lobte ihn bereits als „anständigen Mann“.

Frankreichs Rechte ließ sich erstmals auf eine für alle Anhänger offene Vorwahl ein. So richtig lag es nicht in der Tradition der konservativen Republikaner, einen Hoffnungsträger an der Wahlurne auszusuchen.

Das Klischee laute eher, dass sich in diesem politischen Lager der Chef selbst kraft seiner Autorität durchsetzen müsse, sagen politische Kommentatoren. Hätte sich der von zahlreichen Konservativen immer noch als Idol verehrte Weltkriegsheld Charles de Gaulle (1890 bis 1970) einer solchen Prozedur gestellt? Daran gibt es in der Tat berechtigte Zweifel.

Trotz anfänglicher Zweifel ist die offene Kandidatenkür ein Erfolg, über vier Millionen Franzosen beteiligten sich daran. Der Ton der Kandidaten war zwar lebhaft, blieb aber höflich. Der Polit-Wettkampf geriet nicht zur Schlammschlacht, wie es manche befürchtet hatten. Am Ende des Duells schüttelten sich Fillon und Juppé im Scheinwerferlicht die Hände.

Angesichts der - zumindest nach außen - geeinten bürgerlichen Rechten geraten die regierenden Sozialisten erheblich unter Druck. „Eine Frage wird sich sehr schnell stellen: Welche wird die erste Kraft sein, die sich gegen (die Konservativen) stellt?“, fragte Regierungschef Manuel Valls am Sonntag im „Journal de Dimanche“.

Den Namen nennt er nicht, aber Valls hat natürlich Marine Le Pen im Blick. Die mächtige Chefin der Rechtsaußen-Partei Front National (FN) dürfte laut Umfragen im Mai kommenden Jahres in die entscheidende Stichwahl der Präsidentenwahl gelangen.

François Hollande (62) muss als Herr des Élyséepalastes bald erklären, ob er für eine zweite Amtszeit antreten wird. Valls lässt überhaupt keinen Zweifel daran, dass auch er selbst ein potenzieller Kandidat ist. Die Linke plant ihre Vorwahl im Januar kommenden Jahres. Sie hat Erfahrung damit, es gab schon eine im Jahr 2011.

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erstellt am 28.Nov.2016 | 08:12 Uhr

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