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Politik

09. Dezember 2016 | 01:08 Uhr

Cyber-Angriff aus Russland : Experte: Russen könnten Donald Trump ins Weiße Haus hacken

vom

Artikel in der „Washington Post“: Russland ist Cyber-Angriff auf die unsicheren Wahlmaschinen zuzutrauen.

Die These klingt abenteuerlich und reichlich verschwörungstheoretisch: Die elektronischen Wahlmaschinen in den USA sind so verwundbar, dass sie Opfer einer Cyber-Attacke werden könnten, vornehmlich aus Russland. Im Klartext: Wladimir Putin könnte die US-Wahl durch elektronische Angriffe so manipulieren, dass sein Bruder im Geiste, Donald Trump, ins Weiße Haus einzieht.

Nach den Nominierungs-Parteitagen von Republikanern und Demokraten liegen Donald Trump und Hillary Clinton laut Umfragen Kopf an Kopf. Nun beginnt üblicherweise die „schmutzige“ Phase, in der die Kandidaten versuchen, sich gegenseitig zu diskreditieren. Die These, dass Russland auf Wahlkampf und Wahlausgang Einfluss nehmen könnte, wirft ein neues Licht auf das Thema. Trump hatte am Mittwoch Russland explizit aufgefordert, ihm zu helfen.

Verrückt? DieThese wird immerhin in der renommierten „Washington Post“ verbreitet. Noch interessanter ist der Autor: Es handelt sich um Bruce Schneier, einen der sachkundigsten Experten für Internet-Sicherheit. Einem deutschen Publikum wurde er im vergangenen Jahr bekannt, als sein jüngstes Buch „Data und Goliath“ auch auf deutsch erschien. Er ist anerkannter Experte für Kryptographie und berät große Unternehmen. Der „Guardian“ holte ihn ins Redaktionsteam, um die Informationen, die über Edward Snowden an die Öffentlichkeit kamen, zu beurteilen und einzuordnen. Schneier gilt als sehr sachkundiger, bedächtiger und unideologischer Mahner vor den Gefahren durch das Internet, insbesondere bei den Themen Überwachung und Datenklau.

Der Experte für Internet-Sicherheit Bruce Schneier.

Der Experte für Internet-Sicherheit Bruce Schneier.

Foto: Imago/Xinhua
 

Schneiers Argumentation beginnt bei einem Datendiebstahl beim Democratic National Committee. Das ist die Dachorganisation der Demokratischen Partei. Seit April waren Unbekannte in deren Datennetz eingedrungen. Sie hatten Daten über Donald Trump gestohlen, die die Demokraten im Wahlkampf gegen den Kandidaten der Republikaner verwenden wollten. Es gibt keine direkten Beweise, aber Experten gehen inzwischen davon aus, dass der Angriff von einer Gruppe ausgeführt wurde, die dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB zugerechnet wird, dem Nachfolger des berüchtrigten KGB (mehr Details hier in einem Artikel der „New York Times“). Das FBI untersucht den Fall.

Für Bruce Schneier ist diese Attacke in klares Warnsignal. Die USA müssten reagieren. „Vergeltungsschläge sind politisch heikel und könnten ernsthafte Konsequenzen haben“, schreibt Schneier in der „Washington Post“. Er rät zu Verteidigung statt Angriff. Und aus seiner Sicht sind die elektronischen Wahlmaschinen ein mögliches und lukratives Ziel.

Schneier weist darauf hin, dass Trump am Mittwoch ausdrücklich die Russen um Unterstützung gebeten hat. Trump nahm Bezug auf 30.000 E-Mails, die in der Zeit von Hillary Clinton als Außenministerin auf ihrem privaten Server lagen. „Russland, hör zu, ich hoffe, ihr seid in der Lage, die 30.000 E-Mails zu finden, die fehlen“, hatte er bei einer Pressekonferenz gesagt. „Vielleicht haben sie (die Russen; Anm. d. Red.) sie. Ich möchte, dass sie veröffentlicht werden.“

Schneier macht die elektronischen Wahlmaschinen als leichtes Ziel der Russen aus: „Diese Systeme sind unsicher und verwundbar für Angriffe.“ Die Hersteller der Maschinen, etwa Diebold, hätte lange beschworen, sie seien sicher. Aber das sei falsch.  Abstimmungen per Internet lehnt Schneier vehement ab. „Ich weiß, dass der altmodische Weg langsamer und umständlicher ist, aber die Sicherheitsrisiken sind einfach zu groß.“ Er schließt seinen Beitrag in der „Washington Post“ so: „Sicherheit bei der Wahl ist ein Thema der nationalen Sicherheit. Bundesbehörden müssen die Sache in die Hand nehmen, und sie müssen es schnell tun.“

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erstellt am 29.Jul.2016 | 10:52 Uhr

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