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Politik

06. Dezember 2016 | 11:16 Uhr

Abrechnungen für Finanzamt : Es gibt mehr Zeit für Steuererklärungen

vom

Die Koalition will Erleichterungen für Steuerzahler. Doch es gibt auch härtere Strafen für eine verspätete Abgabe.

Berlin | Künftig sollen Steuerzahler mehr Zeit bekommen, um ihre Erklärungen beim Finanzamt vorzulegen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Wer seine Formulare selbst ausfüllt, soll diese bis Ende Juli einreichen können statt wie bisher Ende Mai. Für Steuerzahler, die Unterstützung von einem Berater oder einem Hilfeverein erhalten, soll die Frist zur Einreichung von zwölf auf 14 Monate verlängert werden. Der neue Gesetzentwurf von CDU und SPD sieht jedoch nicht nur Erleichterungen vor.

Nach dem Bericht der Süddeutschen Zeitung sollen die Änderungen am Steuerrecht in den Gesetzesentwurf zur Modernisierung des Steuerverfahrens eingefügt werden. Es gäbe aber nicht nur Verbesserungen. Denn im Gegenzug für die Fristverlängerung will die Koalition die Strafen für eine verspätete Abgabe verschärfen. Am Donnerstag soll der Bundestag darüber entscheiden.

Die wichtigsten Fragen dazu im Überblick:

Ab wann sollen die längeren Fristen in Kraft treten?

Die um zwei Monate verlängerte Frist sollen erstmals im kommenden Jahr gelten. Die Steuererklärung für 2016 wäre dann erst Ende Juli 2017 fällig. Steuerzahler, deren Abgabefrist sich von zwölf auf 14 Monate verlängern würde, weil sie sich helfen lassen, hätten bis Ende Februar 2018 Zeit um ihre Unterlagen für 2016 einzureichen.

Was passiert, wenn eine Steuererklärung zu spät abgegeben wird?

Für Steuerpflichtige, die sich bei ihrer Erklärung beraten lassen, soll pro Monat, den sie Steuererklärung zu spät abgeben, automatisch ein Zuschlag von 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer berechnet werden, mindestens aber 25 Euro. Für Selbstausfüller, die über das Zeitlimit hinausgehen, müssen hingegen nicht unbedingt mit einer Strafe rechnen. In diesen Fällen bleibt den Behörden ein Ermessensspielraum. Auch soll ein Fristverlängerung weiterhin möglich sein.

Was ändert sich noch?

Durch die Fristverlängerungen könnte es passieren, dass Steuerzahler länger auf ihre Bescheiden warten müssen, fürchten Steuerexperten. Denn mit der Erleichterung für Zahler ginge eine zeitlich versetzte Arbeitsbelastung der Finanzbeamten einher.

Durch den neuen Gesetzesentwurf soll das Steuerverfahren insgesamt digitaler werden. Immer mehr Erklärungen sollen nur noch vom Computer bearbeitet werden. Der Steuerzahler soll künftig auch so gut wie keine Belege mehr an das Finanzamt schicken. Zudem sollen die Bescheinigungen für Kapitalerträge nur noch per E-Mail und nicht mehr als Brief verschickt werden. Wem das alles nicht zusagt, der kann seine Steuererklärung aber auch weiter handschriftlich ausfüllen.

Wer muss überhaupt eine Steuerklärung abgeben?

Für Arbeitnehmer besteht eine Abgabepflicht per Gesetz, wenn

  • Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug oder Lohnersatzleistungen (zum Beispiel Arbeitslosen-, Kurzarbeiter- oder Elterngeld) von mehr als 410 Euro vorliegen
  • mehrere Arbeitslöhne nebeneinander bestehen, wenn also nach Lohnsteuerklasse VI abgerechnet wurde
  • die bei der Lohnsteuerberechnung berücksichtigte Vorsorgepauschale höher ist als der tatsächlich mögliche Abzug für Vorsorgeaufwendungen
  • beide Ehegatten Arbeitslohn bezogen haben und die Steuerklassenkombination III/V oder IV mit einem eingetragenen Faktor hatten
  • Freibeträge in Anspruch genommen werden
  • Ehegatten nicht die Zusammenveranlagung wählen und nicht die standardmäßige hälftige Aufteilung für den Ausbildungsfreibetrag oder den Behindertenpauschbetrag wollen; in diesem Fall müssen beide Ehepartner eine Steuererklärung abgeben
  • spezielle Fälle von Sonderzahlungen vorliegen; in diesem Fall ist die Lohnsteuerbescheinigung mit einem Kennbuchstaben markiert
  • Sonderzahlungen vorliegen, im selben Jahr der Arbeitgeber gewechselt wird und der neue Arbeitgeber bei der Lohnsteuerberechnung die Werte der vorherigen Arbeitgeber nicht berücksichtigt hat
  • die Ehe geschieden wird oder ein Partner verstirbt und einer der Ehegatten im selben Jahr wieder heiratet
  • auf der Lohnsteuerkarte ein Ehegatte berücksichtigt wurde, der im EU-Ausland lebt
  • der Wohnsitz im Ausland ist und unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland beantragt wurde

Abgabepflichtig sind Arbeitnehmer auch, wenn

  • Einkünfte über dem Grundfreibetrag liegen. Er beträgt für 2015 8.472 Euro (2016: 8.652 Euro) im Jahr. Selbstständige, deren Einkünfte darüber liegen, müssen also eine Einkommensteuererklärung abgeben.
  • Ehe- oder Lebenspartner Arbeitnehmer ist und eine der oben genannten Voraussetzungen erfüllt oder
  • ein Verlustvortrag vorhanden ist.

Außerdem muss eine Einkommenssteuererklärung abgegeben werden, wenn das Finanzamt dazu auffordert – selbst wenn die oben genannten Voraussetzungen nicht erfüllt sind.

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erstellt am 11.Mai.2016 | 10:38 Uhr

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