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Politik

05. Dezember 2016 | 21:37 Uhr

„Erhalten“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Landeskonservator Michael Paarmann will die Brücke retten

Herr Paarmann, wann waren Sie das letzte Mal auf Fehmarn?
Ende Juli, da habe ich mir das Ferienzentrum Burgtiefe angesehen, das wir 2016 in Gänze in den Denkmalschutz aufgenommen haben.

Und was hatten Sie für einen Eindruck von der Fehmarnsundbrücke?
Für mich ist schon der Blick einzigartig, wenn man bei Heiligenhafen auf die Brücke zufährt – der große Bogen am Horizont hinter dem Graswarder. Und wenn man durch die Konstruktion fährt, dann ist das ein besonderes Erlebnis. Und da ich in Ostholstein aufgewachsen bin muss ich immer an die Zeit vor über 50 Jahren denken, als viele riesige Baumaschinen dieses Bauwerk geschaffen haben. Das ist ein Kunstwerk, das bis ins Detail durchdacht ist und eine besondere Ästhetik hat. Und ich persönlich finde sie einfach schön.

Was macht die Brücke so einzigartig?
Sie hat sowohl geschichtlich, künstlerisch und wissenschaftlich eine Bedeutung und prägt nachhaltig die Kulturlandschaft. Das sind alles Gründe für einen Erhalt im Sinne des Denkmalschutzgesetzes – die Fehmarnsundbrücke erfüllt sie alle. Und deswegen haben wir sie 1999 ins Denkmalbuch aufgenommen und wollen sie an die nächste Generation weitergegeben – auch weil sie ein Zeichen der Überwindung von Grenzen in Europa ist.

Die feste Fehmarnbeltquerung ist das auch. Und wenn sie kommt, wird die alte Brücke den zunehmenden Verkehr nicht mehr aufnehmen können.
Stimmt. Aber deswegen kann der Schluss daraus nicht sein, dass man die Brücke abreißt. Der Denkmalschutz verbietet ja nicht, dass man die Brücke umbaut – etwa die Gleise herausnimmt. So ließe sich das Bauwerk weiter nutzen.

Das wird aber nicht für den gesamten Verkehr reichen.
Dann muss man prüfen, wie man die Brücke in eine neue Lösung mit einbezieht. Ich könnte mir etwa eine zweite Brücke neben der alten vorstellen, welche den Schienenverkehr aufnimmt.

Würde das nicht das Bild der Fehmarnsundbrücke zerstören?
Das glaube ich nicht. Nur einige Kilometer entfernt verbindet die Storstrømbrücke die dänischen Inseln Falster und Seeland. Die ist auch in Sichtweite zur alten Brücke entstanden – und ich finde das sehr gelungen.

Und die neue Fehmarnsundbrücke soll aussehen wie die alte?
Muss sie nicht. Ich wäre schon zufrieden, wenn die Fahrbahnen auf einer Höhe sind, das würde optisch harmonieren.

Und warum nicht ein Ersatzbau, der aussieht wie die jetzige Brücke?
Man wird die Brücke nie kopieren können, dafür ist sie zu detailliert auf diese Größe geplant worden. Und als Denkmalschützer ist man nun mal auf das Original fixiert.

Ist der Erhalt nicht zu teuer?
Über Jahre hat die Bahn zu wenig Geld in die Unterhaltung gesteckt, dabei hat die Brücke bei richtiger Pflege eine nahezu unbeschränkte Lebensdauer. Es ist rechtlich nicht möglich, sie aus dem Denkmalschutz herauszunehmen und zu entsorgen. Hand aufs Herz: Der Bund hat genug Geld, um so ein Bauwerk zu erhalten. Und wenn wir immer nur allein auf den ökonomischen Nutzen schauen, wäre es ein verheerendes Signal für den Denkmalschutz. Es ist aber unsere Aufgabe als Kulturnation, Schützenswertes zu erhalten. Und die Fehmarnsundbrücke gehört noch längst nicht auf den Schrotthaufen der Geschichte.

Weil sie ein Wahrzeichen Schleswig-Holsteins ist?
Ja, das sehen bestimmt die meisten Bürger so wie ich. Die Brücke ist identitätsstiftend für Einheimische und Touristen – genauso wie der Westerhever Leuchtturm oder die Marienkirche in Lübeck Und die will ja auch keiner abreißen.


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erstellt am 18.Okt.2016 | 12:39 Uhr

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