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Politik

09. Dezember 2016 | 08:55 Uhr

Windkraft und Energiewende : Erdkabel ab Brunsbüttel und Wilster: Südlink wird konkret

vom
Aus der Onlineredaktion

Erdkabel statt „Monstertrassen“, lautet die Formel. Die neuen Leitungen sind dringend nötig, um die deutsche Energiewende voranzubringen.

Berlin/Brunsbüttel | Der Bau gigantischer unterirdischer Stromtrassen quer durch Deutschland für die Energiewende nimmt konkrete Formen an. Die Stromnetzbetreiber Tennet, TransnetBW und 50Hertz haben am Dienstag Vorschläge für mögliche Erdkabel-Korridore vom Norden in den verbraucherreichen Süden vorgelegt. Das betrifft die sogenannte SüdLink-Trasse sowie die „SüdOstLink“-Trasse, die vorrangig als Erdkabel verlegt werden sollen. Die Vorschläge für diese Stromautobahnen werden ab Frühjahr 2017 von der Bundesnetzagentur geprüft. Auch Bürger können sich an dem Verfahren beteiligen.

Der Ausbau der post-fossilen Energiegewinnung in Deutschland stößt an seine Grenzen. Im Norden produzierter Windstrom muss in den industriereichen Süden transportiert werden. Die Überproduktion von Windstrom am 8. Mai 2016 machte deutlich, dass die Netze und Marktmechanismen für die Gegenwart nicht gerüstet sind.

Die Hochspannungsgleichstromübertragungs- (HGÜ)-Leitung SuedLink wird mit vier Gigawatt Übertragungsleistung eine der zentralen Nord-Süd-Verbindungen der Energiewende. Der exakte Verlauf der Stromautobahnen soll erst in einigen Jahren festgelegt werden. Netzverknüpfungspunkte in Schleswig-Holstein werden Brunsbüttel und Wilster. 2017 werden zunächst die Anträge erwartet. Die Leitungen sollen nicht vor 2025 in Betrieb genommen werden. Die Trassen - je einmal von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg und nach Bayern sowie eine aus Sachsen-Anhalt nach Bayern - sollen Strom aus erneuerbaren Energien, vor allem aus Windparks, im Norden und Osten gen Süden transportieren.

Mit den Stromautobahnen primär unter der Erde soll der stockende Ausbau der Stromnetze vorangetrieben werden. Bürgerproteste gegen die ursprünglich meist als Freileitungen mit Masten geplanten Stromautobahnen sollen verringert werden. Das hat allerdings seinen Preis: Die Bundesregierung ging in der Vergangenheit davon aus, dass die vorrangige Erdverkabelung der beiden Gleichstrom-Trassen „S+dLink“ und „SüdOstLink“ die Kosten um drei bis acht Milliarden Euro in die Höhe treibt. Das müssen private Kunden und die Industrie über höhere Netzentgelte bezahlen.

„SüdLink ist entscheidend für den Erfolg der Energiewende“, sagt Energiewendeminister Robert Habeck. „Die Leitung muss schnell kommen und gut geplant sein. Das beste Mittel ist dafür ein intensiver Bürgerdialog, damit hat Schleswig-Holstein gute Erfahrungen gemacht. Bürgerinnen und Bürger, Kommunen und Verbände sollten nun das Angebot der Netzbetreiber nutzen und sich im Planungsdialog engagieren“.

Mit dem Vorrang für die Erdverkabelung kam die Bundesregierung dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) entgegen. Der hatte gegen die großen Freilufttrassen gekämpft, weil der Widerstand in Bayern gegen vermeintliche „Monstertrassen“ groß sei. Kritik wegen der Milliarden-Zusatzkosten wies Seehofer stets zurück. Diese verteilten sich auf 30 Jahre.

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer kritisierte, der Populismus der CSU habe den Netzausbau um Jahre zurückgeworfen und um Milliarden teurer gemacht. Dafür zahlen müssten alle Stromkunden. „Es ist ein Stück aus dem Tollhaus dieser Bundesregierung, dass diejenigen, die den Netzbau gestoppt und teurer gemacht haben, Verzögerungen und Kostensteigerungen kritisieren“, sagte Krischer: „Wir erwarten von der CSU, dass sie sich angesichts der neuen Vorschläge ... für den Netzausbau im Dialog mit den Bürgern einsetzt - und nicht wieder populistisch den Netzausbau zu verhindern versucht.“

„Der Bau von SüdLink ist ohne Frage ein Eingriff in Umwelt und Landschaft. Das gilt auch, wenn SüdLink als Erdkabel errichtet wird. Nun gilt es, möglichst verträgliche Lösungen zu finden. Dabei ist das Engagement aller betroffenen Regionen gefragt. Kommunalvertreter und Interessengruppen sollten sich nun direkt mit den neuen Plänen beschäftigen und sich bestmöglich in die jetzt beginnende informelle Konsultation mit ihren Belangen einbringen“, sagte Habeck.

Als „SüdLink“ von Tennet und TransnetBW werden die Stromleitungen von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Großgartach in Baden-Württemberg sowie von Wilster in Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld in Bayern bezeichnet. Die 800 Kilometer lange Trasse soll die „Hauptschlagader“ der Energiewende werden und mit dem Jahr 2025 drei Jahre später als geplant fertig sein. Im Jahr 2022 geht in Deutschland das letzte Atomkraftwerk vom Netz.

Der „SüdOstLink“ der Netzbetreiber Tennet und 50Hertz soll zwischen Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt und Isar bei Landshut in Bayern verlaufen. Auch diese Leitung ist nötig, um den im Norden und Osten erzeugten Öko-Strom in den Süden zu transportieren. Zudem soll „SüdOstLink“ verhindern, dass wegen der bisher fehlenden direkten Leitungsverbindung Strom aus „Erneuerbaren“ durch Polen und Tschechien fließen muss.

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erstellt am 27.Sep.2016 | 15:43 Uhr

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