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Politik

08. Dezember 2016 | 19:14 Uhr

Entwertung des Abiturs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Notendurchschnitt wird immer besser

Deutschland, einig Bildungsland? Von wegen. Wer in Thüringen sein Abitur macht, dessen Chance ist etwa doppelt so hoch wie in Schleswig-Holstein, mit einem Einser-Schnitt durchs Ziel zu gehen. Eine Frage der Intelligenz? Mitnichten! Eine Frage der Ungerechtigkeit, wenn es um den Hochschulzugang für

Numerus-Clausus-Fächer geht? Dies auf jeden Fall. Wer schlechter abschneidet, guckt bei seinem favorisierten Studienplatz spätestens dann in die Röhre, wenn die Länderquote ausgeschöpft ist.

Immerhin, im kommenden Jahr soll es ein bisschen besser werden und vielleicht auch gerechter. Die Konferenz der

Kultusminister hat einen gemeinsamen Aufgabenpool für die Prüfungen

entwickelt. Allerdings nur in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und

Französich. Schleswig-Holstein hat das mit fünf anderen Bundesländern schon versucht. Wirklich vergleichbar werden die Abiturnoten auch danach nicht sein. Welches Bundesland nämlich wird im Wettlauf um die höchste Abiturientenquote mit dem möglichst besten Notendurchschnitt schon klein beigeben?

Nun ist Wettbewerb, und zwar auch im Bildungswesen, nichts Negatives. Stutzig machen sollte aber, dass inzwischen über 50 Prozent eines Jahrganges das Abitur macht und der Notendurchschnitt der Prüflinge seit Jahren kontinuierlich besser geworden ist – als ob die Menschen so viel klüger wären. Kritiker sehen darin eher einen Trend zur Entwertung des Abiturs. Den wird die Kultusministerkonferenz auch durch eine Vereinheitlichung der Prüfungen weder aufhalten können noch wird sie ihn aufhalten wollen.

Dahinter steckt ein von Teilen der Wirtschaft nicht zu Unrecht beklagter „Akademinisierungswahn “. Als wenn Abitur und Studium mehr wert seien als eine berufliche Ausbildung. Letztere

hätte mehr gesellschaftliche Anerkennung verdient, als dies der Fall ist.

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