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Politik

25. März 2017 | 18:33 Uhr

Clinton vs. Trump : Ein Tag vor der US-Wahl: Das sagen die aktuellen Prognosen

vom

Nach der Entlastung durch das FBI gilt Clinton als Favoritin – aber sicher ist noch gar nichts.

Washington | Die US-Demokratin Hillary Clinton geht als Favoritin ins Wahlkampffinale - aber einen Sieg über ihren republikanischen Rivalen Donald Trump am 8. November hat sie nicht sicher in der Tasche. Möglichen neuen Rückenwind erhielt Clinton am Sonntag durch die Mitteilung der Bundespolizei FBI, nach der auch eine zweite Runde von Ermittlungen in der E-Mail-Affäre keine Anhaltspunkte für kriminelles Verhalten ergeben hat.

Die E-Mail-Affäre hatte im gesamten Wahlkampf wie eine dunke Wolke über Clinton gehangen. Der Hintergrund: In ihrer Zeit als Außenministerin hat sie auch dienstliche Korrespondenzen über einen privaten Server in ihrem Haus laufen lassen. Trump nutzte das im Wahlkampf immer wieder als massive Munition - als Beweis dafür, dass Clinton nicht vertrauenswürdig sei, immer wieder versuche, etwas zu verbergen.

Viele Experten bezweifelten aber, dass sich das in dieser späten Wahlkampfphase noch in einem deutlichen Stimmenschub widerspiegeln wird. Wahlberechtigt sind von den 322 Millionen US-Bürgern theoretisch alle, die mindestens 18 Jahre alt sind. Das sind etwa 219 Millionen. Voraussetzung ist, dass sich ein Wähler registrieren lässt und nicht von der Wahl ausgeschlossen wird - beispielsweise wegen einer kriminellen Vergangenheit. Über 41 Millionen Amerikaner haben bereits frühzeitig abgestimmt.

In drei wichtigen Bundesstaaten deutete sich eine hohe Beteiligung hispanischer Wähler an, darunter in Florida. Das ist für Clinton Anlass zur Hoffnung: Diese Gruppe neigt dazu, eher demokratisch zu wählen. Zudem sind viele Latinos abgeschreckt von Trumps feindlicher Rhetorik gegen Einwanderer aus Mexiko

Trump selber erneuerte am Sonntagabend (Ortszeit) bei einem Wahlkampfauftritt in Michigan seinen Vorwurf eines „total manipulierten Systems“. Clinton sei „schuldig, sie weiß es, das FBI weiß es, die Leute wissen es. Nun ist es in den Händen des amerikanischen Volkes, am 8. November an den Wahlurnen der Gerechtigkeit Genüge zu tun“.

Umfragen am Montag zeigten Clinton landesweit vorne. Das Portal RealClearPolitics, das seit Monaten einen Querschnitt aller Umfragen erhebt, sah die 69-Jährige mit zwei Punkten in Front. Letztendlich kommt es aber auf eine Reihe von besonders umkämpften Staaten an, darunter Florida, Pennsylvania und New Hampshire. In einigen wenigen Staaten hatte sich das Gewicht zuletzt etwas zugunsten von Trump verschoben. Entscheidend ist am Ende nicht die absolute Stimmenzahl, sondern die Zahl der Wahlmänner. Die Mehrheit liegt bei 270. Clinton habe 203 sicher, Trump 164, und 171 seien noch nicht zuzuordnen, errechnete RealClearPolitics am Montag.

Die Wahlmänner wählen im Dezember stellvertretend für das amerikanische Volk den Präsidenten. Der Kandidat, der am Wahltag einen Staat gewinnt, erhält nach dem in den meisten Staaten geltenden Mehrheitswahlrecht alle Wahlmänner dieses Staates zugesprochen.

Trump will auch am letzten Tag vor der Wahl noch einmal durch mindestens fünf Staaten spurten, Clinton plant Auftritte in mindestens drei - darunter einen mit Präsident Barack Obama und First Lady Michelle in Pennsylvania und einen weiteren in North Carolina um Punkt Mitternacht, wenn der offizielle Wahltag in den USA anbricht.

FBI-Chef James Comey hatte Clinton im Sommer zum Abschluss von Ermittlungen zwar extrem sorgloses Verhalten bescheinigt, aber nichts, was strafrechtliche Folgen rechtfertige. Am 28. Oktober löste er dann einen Feuersturm der Entrüstung aus, als er publik machte, dass FBI-Ermittler neue E-Mails von Clinton oder an ihre Adresse gefunden hätten, die noch nicht untersucht worden seien - und nun geprüft würden. Das Rennen zwischen ihr und Trump wurde seitdem enger.

Am Sonntag teilte Comey nun in einem Brief an Kongressmitglieder mit, dass die neuen Ermittlungen abgeschlossen seien und sich nichts an der Einschätzung vom Sommer geändert habe. Um wie viele E-Mails es sich handelte, sagte Comey nicht. Aber Trump sprach in Michigan von 650.000 und äußerte Zweifel daran, dass das FBI in den vergangenen Tagen wirklich alle untersucht habe.

Trumps Vize-Kandidat Mike Pence erklärte bei einem Auftritt in North Carolina, es sei nicht an der Tatsache zu rütteln, dass Clinton ein Verbrechen begangen habe. Jason Miller, ein enger Kommunikationsberater Trumps, sagte dem Sender CNN, vieles um Clinton stinke zum Himmel.

Rückblick auf einen Wahlkampf der Extreme:

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erstellt am 07.Nov.2016 | 10:13 Uhr

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