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Politik

07. Dezember 2016 | 21:22 Uhr

US-Wahl 2016 : E-Mail-Affäre um Clinton: CNN trennt sich von Demokraten-Chefin Donna Brazile

vom

Brazile soll Clinton Fragen eines TV-Duells zugespielt haben. Der Sender zieht Konsequenzen und Trump freut es.

Mehrere Affären um E-Mails bringen Hillary Clinton und die US-Demokraten wenige Tage vor der Präsidentenwahl noch einmal in die Defensive. Während eine Untersuchung neu entdeckter Mails durch die US-Bundespolizei FBI über der Kandidatin schwebt, verlor die Übergangs-Parteichefin Donna Brazile wegen Enthüllungen gehackter E-Mails ihren Job als Expertin beim Nachrichtensender CNN.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichte am Montag erneut gehackte E-Mails, darunter eine, bei der es sich um eine Nachricht von Brazile an das Wahlkampfteam der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton handeln soll. In der Mail vom März, wird eine Frage verraten, die Clinton später bei einer Debatte gegen den Parteilinken Bernie Sanders im parteiinternen Vorwahlkampf gestellt wurde. Vor Wochen war bereits eine ähnliche Nachricht unter den „Podesta-E-Mails“ gewesen, die Wikileaks nach und nach veröffentlicht.

Umfragen sehen Hillary Clinton überwiegend vor Donald Trump, wenn auch - nicht zuletzt durch die Wikileaks-Enthüllungen - mit schwankendem Abstand. Am 8. November wählen die Amerikaner ihren neuen Präsidenten - und es wird nochmal spannend.

Laut US-Medienberichten hat CNN bereits am 14. Oktober den Rücktritt Braziles angenommen. „Was wir über ihren Austausch mit Clintons Wahlkampfteam während ihrer Zeit als CNN-Mitarbeiterin erfahren haben, ist uns total unangenehm“, wurde eine CNN-Sprecherin zitiert. Der Sender habe Brazile vor Debatten keine Fragen zugänglich gemacht.

Im Porträt: Hillary Clinton

Hillary Clinton war First Lady, Senatorin, Außenministerin. Sie steht seit fast 25 Jahren im Licht der Öffentlichkeit. Längst hat jeder eine Meinung zu ihr - vielleicht ist das ihr größtes Problem.

Bei Mitstreitern gilt sie als ein wenig arrogant. Ehemalige Mitarbeiter aus dem Außenministerium beschreiben sie als herrisch, in ihrem Arbeitseifer und Perfektionsdrang soll sie manchmal auch ungerecht und beratungsresistent sein.

Hillary Diane Rodham wurde am 26. Oktober 1947 in Chicago geboren. Ihr Vater Hugh Rodham war Textilunternehmer und Republikaner. Er soll in der Familie wie ein Militärausbilder geherrscht haben.

Ihren späteren Ehemann Bill lernte Hillary 1971 an der Elite-Universität Yale kennen. Beide studierten Jura, beide waren politisch aktiv.

Einige Beobachter sind überzeugt, dass er es ohne sie nie ins ranghöchste Amt der USA geschafft hätte. Durch ihre acht Jahre als First Lady (1993-2001) kennt sie das Weiße Haus aus nächster Nähe. Einen Tiefpunkt markierte Bill Clintons Sex-Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky - doch Hillary hielt zu ihm.

2008 unterlag sie Barack Obama in den innerparteilichen Vorwahlen. Der machte sie später zur Außenministerin. Von 2009 bis 2013 bereiste sie in diesem Amt 112 Länder und soll über eine Million Kilometer zurückgelegt haben.

Nach dem Ausscheiden aus dem Amt hielt sie viele gut dotierte Reden, weswegen ihr Kritiker eine zu große Nähe zur Wirtschaft vorwerfen. Die Affäre um ihre E-Mails kratzt ebenso am Image der Staatsfrau.

 

Wikileaks veröffentlicht bereits seit mehreren Wochen nach und nach eine große Sammlung an Dokumenten, bei denen es sich um E-Mails von und an Clintons Wahlkampfchef John Podesta handeln soll. Zuvor war schon eine Mail mit einer Frage aus einer bevorstehenden Debatte dabei gewesen, die ihm ebenfalls von Brazile gesteckt worden sein soll.

 

Die langjährige CNN-Analystin und Parteifunktionärin war Übergangschefin der Demokraten geworden, nachdem ihre Vorgängerin Debbie Wasserman Schultz wegen weiterer Wikileaks-Enthüllungen vom August hatte zurücktreten müssen.

Indes stand FBI-Direktor James Comey weiter in der Kritik. Dieser hatte am Freitag in einem Brief an Kongressabgeordnete erklärt, seine Behörde werde neu entdeckte E-Mails prüfen. Sie seien möglicherweise für eine bereits abgeschlossene FBI-Untersuchung von Clintons Nutzung eines privaten Servers für dienstliche Korrespondenz als Außenministerin von Bedeutung. Alberto Gonzales, Justizminister unter dem früheren republikanischen Präsidenten George W. Bush, sagte am Montag bei CNN, er sei „ratlos, was der Direktor damit erreichen wollte“.

Grund für die Kritik ist vor allem der Zeitpunkt von Comeys Bekanntgabe – nur elf Tage vor der Präsidentenwahl am 8. November. Sein Schritt war ein Bruch mit der langjährigen Praxis, kurz vor Wahlen keine Informationen über Ermittlungen zu veröffentlichen, die sich auf das Wahlergebnis auswirken könnten. Comey setzte sich damit auch über den ausdrücklichen Wunsch seiner Chefin, der Justizministerin Loretta Lynch, hinweg.

Die neu aufgetauchten E-Mails stammen vom Konto von Clintons Beraterin Huma Abedin und wurden auf einem Laptop ihres früheren Ehemannes und Ex-Abgeordneten Anthony Weiner entdeckt. Völlig unklar blieb der Inhalt der Mails. Es kann sein, dass sie sich zumindest zum Teil mit denen decken, die das FBI bereits untersuchte.

In den Umfragen musste Clinton leichte Einbußen hinnehmen. Mehr Bundesstaaten als noch Ende vergangener Woche wurden von Meinungsforschern als umkämpft eingestuft, landesweit beträgt Clintons Vorsprung im Durchschnitt aller wesentlichen Umfragen nur noch 2,5 Prozentpunkte. Die neuen Affären könnten die Demokraten aber auch Sitze im Senat und im Repräsentantenhaus kosten.

Clintons Konkurrent Donald Trump zeigte sich erfreut. „Danke, Huma; danke, Anthony Weiner“, sagte er am Montag bei einem Wahlkampfauftritt in der Stadt Grand Rapids. Comey, von dem er bislang „kein Fan“ gewesen sei, habe Mut bewiesen.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 07:38 Uhr

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