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Politik

07. Dezember 2016 | 09:48 Uhr

Donald Trump versus Hillary Clinton : „Duell ums Weiße Haus“: Eine kleine Geschichte der US-Wahlkämpfe

vom

Wahlkämpfe in den USA gelten als aufwendige Inszenierungen - schmutzige Tricks inklusive.

Bei den US-Präsidentschaftswahlkämpfen geht es zur Sache. Den eigenen Kandidaten möglichst gut und den Gegner so unglaubwürdig wie möglich aussehen zu lassen, war schon immer ein zentrales Ziel der Wahlkampf-Teams. Die Mittel haben sich geändert, die Wahlkämpfe sind aufwendiger geworden, die Tricks aber nicht unbedingt schmutziger, wie die Dokumentation „Duell ums Weiße Haus“ (Regie: Ingo Helm) zeigt, die am Dienstag auf Arte (22.30 Uhr) läuft.

Historiker kommen da zu Wort, ehemalige Wahlkampfhelfer, Politikberater und Journalisten. Viele Originalaufnahmen aus zahlreichen US-Wahlkämpfen aus den Zeiten vor Hillary Clinton und Donald Trump gibt es auch.

John F. Kennedy und die Coolness

Richard Nixon (r) und sein demokratischer Kontrahent John F. Kennedy (l) nach ihrem Fernsehduell 1960.
Richard Nixon (re.) und sein demokratischer Kontrahent John F. Kennedy (li.) nach ihrem Fernsehduell 1960. Foto: DB
 

John F. Kennedy ist 1960 der erste Kandidat, der mit Hilfe des Fernsehens ins Amt kommt. Zu seiner Kampagne gehört erstmals in großem Stil TV-Werbung. Seine Wahlkämpfer holen dafür seine Familie vor die Kamera - und lassen den demokratischen Kandidaten damit umso sympathischer rüberkommen. Das Fernsehduell zwischen Kennedy und seinem Konkurrenten Richard Nixon sehen 70 Millionen Amerikaner. Kennedy wirkt jung, cool und elegant, Nixon in erster Linie unrasiert. Radiozuhörer finden zwar, er habe sich besser geschlagen. Aber die 70 Millionen vor den Fernsehern sind ganz anderer Ansicht - Kennedy gewinnt.

Nixon und die Jugend

Nixon mit seiner Frau und den Töchtern 1968 in Miami.
Nixon mit seiner Frau und den Töchtern 1968 in Miami. Foto: imago/United Archives international
 

Acht Jahre später tritt Nixon 1968 noch einmal an. Auf ein Fernsehduell mit seinem Konkurrenten Hubert Humphrey lässt er sich nicht mehr ein und setzt stattdessen auf Town-Hall-Meeetings, bei denen begeisterte Anhänger kräftig für ihn klatschen. Das gibt tolle Fernsehbilder her. In den Wahlkampfspots zeigt sein Team glückliche Jugendliche - keine kritischen Demonstranten. Bei uns macht auch die Jugend keinen Ärger, lautet die Botschaft. Diesmal zieht Nixons Masche: Er gewinnt.

Ronald Reagan und ein starkes Amerika

Vor Beginn der Debatte im Fernsehen am 29.10.1980 in Cleveland/Ohio begrüßen sich US-Präsident Jimmy Carter (l) und sein Herausforderer Ronald Reagan.
Vor Beginn der Debatte im Fernsehen am 29. Oktober 1980 in Cleveland/Ohio begrüßen sich US-Präsident Jimmy Carter (li.) und sein Herausforderer Ronald Reagan. Foto: dpa
 

1976 ist Jimmy Carter Kandidat der Demokraten. Er trägt demonstrativ Jeans, tritt hemdsärmelig auf und inszeniert sich als bodenständiger Erdnussfarmer, auch wenn er das nicht wirklich ist - mit Erfolg. Ronald Reagan, 1980 Carters konservativer Konkurrent, ist eigentlich Schauspieler. Rollen glaubhaft zu verkörpern, ist er gewohnt. Nach dem Einmarsch der Sowjets in Afghanistan und der Geiselnahme im Iran, verspricht er den Wählern überzeugend ein starkes Amerika. Und im Fernsehen macht er eine gute Figur, weil er seine Auftritte ausgiebig probt. Reagan erzielt einen Erdrutschsieg.

„It's the economy, stupid“

Sein Nachfolger George Bush tritt 1992 gegen den 46-jährigen Bill Clinton an. „It's the economy, stupid“ - „Es kommt auf die Wirtschaft an, Dummkopf“ ist Clintons Motto für den Wahlkampf. Sein Team versucht, Bush als ökonomisch ahnungslos darzustellen - und als Lügner. Bush hatte vor Kameras gesagt „Read my lips, no new taxes“ - also keine neue Steuern versprochen, sie dann aber doch kräftig erhöht. Diese Aufnahmen zeigte Clintons Wahlkampfteam immer wieder.

Bei Talkshows im Fernsehen dürfen Gäste den Kandidaten nun Fragen stellen. Bush kommt damit nicht gut klar, guckt gelangweilt ungeduldig auf die Uhr. Clinton wirkt viel lockerer, punktet durch gut einstudierte Pointen. Er ist telegen, er geht in Kochshows, spielt im TV Saxophon - und gewinnt die Wahl.

<p>Die dritte Debatte zwischen Bill Clinton (li.) und George W. Bush senior 1992. </p>

Die dritte Debatte zwischen Bill Clinton (li.) und George W. Bush senior 1992.

Foto: Imago/ZUMA Press
 

Obama und der Slogan „Yes, we can“

Ähnlich wie Clinton kommt auch Barack Obama im Fernsehen gut rüber. Aber er hat auch die neuen Medien vestanden: Als er 2008 antritt, setzt er auf das Internet. Sein „Yes, we can“-Video wird auf YouTube viral. Seine Webite hat einen genialen Button: „Donate now!“, Unterstützer können online sofort Geld spenden.

Obama bekommt 500 Millionen Dollar über das Internet zusammen. Und er erreicht über das Web potenzielle Wähler, an die man sonst kaum herankommt, gerade die jungen. Sein Erfolg hat viele Väter, aber ohne seine Homepage hätte er vermutlich alt ausgesehen. Das war zwar kein besonders raffinierter Wahlkampftrick, aber doch ziemlich clever.

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erstellt am 31.Okt.2016 | 16:29 Uhr

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