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Politik

06. Dezember 2016 | 17:11 Uhr

US-Präsidentschaftswahlen 2016 : Donald Trump wackelt beim Thema Einwanderung

vom
Aus der Onlineredaktion

Statt Massendeportationen von elf Millionen Einwanderern will sich der Rechtspopulist nun an Barack Obamas Abschiebe-Politik orientieren.

Washington | Team Trump hatte die Grundsatzrede zur Einwanderung mit großer Fanfare für diesen Donnerstag in Arizona angekündigt. Dann kam alles ganz anders. Ohne Angabe von Gründen verlegte das Wahlkampfteam die Kundgebung von dem Grenzstaat im Südwesten der USA nach Colorado in den Rocky Mountains. Nun steht auch dieser Auftritt in Frage.

Donald Trump spaltet die US-amerikanische Bevölkerung. Die einen können sich nicht vorstellen, in einem Land zu leben, dass der Immobilien-Milliardär regiert. Er schießt verbal gegen Minderheiten und zeigt wenig politische Kompetenz. Dafür wird er allerdings auch gefeiert. Doch auch einigen seiner Befürworter gehen die radikalen Ansichten Trumps mittlerweile zu weit.

Dem Kandidaten, der den Bau einer Mauer entlang der Grenze zu Mexiko und die Massendeportation von elf Millionen Einwanderern ohne Papiere zum Markenzeichen seines Wahlkampfs gemacht hat, fehlen ganz offenkundig die Worte, seine jüngsten Wandlungen plausibel zu verkaufen. Die populäre Webseite „BuzzFeed“ und der spanische TV-Sender „Univision“ berichteten von einem Treffen Trumps mit einem obskuren Latino-„Berater-Gremium“ am Samstag, in dem er seinen bis dahin kompromisslosen Ton gegenüber den „Illegalen“ aufweichte und ein „humanes“ Vorgehen versprach.

Trump macht Obama und Bush zu Kronzeugen seiner Ideen

Am Sonntag wich Trumps neue Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway im US-Fernsehen der Frage nach der versprochenen neuen „Abschiebe-Polizei“ ebenso aus wie der nach der Massendeportation. Ihre knappe Antwort lässt Spielraum zur Interpretation: „Das wird noch geklärt“. Conways „fair-und-menschlich“-Spin entwickelte sich in den Worten Trumps am Montag weiter zu „fair und hart“. In einem Interview mit FOX machte der Rechtspopulist dann Barack Obama und George W. Bush zu Kronzeugen seiner Ideen. Auch diese hätten eine „enorme Zahl an Leuten außer Landes gebracht“. Er werde dasselbe tun. „Die Bösen zuerst“ und „mit ein wenig mehr Energie“.

Moderator Bill O'Reilly erkundigte sich nach den Abschiebelagern, die Trump suggeriert hatte, als er die „Operation Wetback“ Präsident Dwight D. Eisenhowers in den 50er Jahren als Vorbild erwähnte. „Nein, ich stecke sie nicht in Haftlager“. Waren die rassistischen Tiraden gegen die „Vergewaltiger“ aus Mexiko und die Versicherungen, Illegale ohne Rücksicht auf die Konsequenzen für die betroffenen Familien abzuschieben, nur so eine Idee? Meinte der Rechtspopulist es eigentlich nicht so, als er über die vergangenen fünfzehn Monaten keine Gelegenheit ausließ gegen Mexikaner und Muslime zu hetzen?

Die Leitartikler der „Washington Post“ glauben ihm kein einziges Wort und raten ihren Lesern: „Fallen Sie nicht auf Trumps Schwenk zu einer humanen Einwanderungs-Politik rein“. Andere Analysten sehen in dem Versuch Trumps, von seinem Kernversprechen abzurücken, die Verzweiflungstat eines Kandidaten, der in den Umfragen dramatisch zurückgefallen ist. National liegt er nach der jüngsten Erhebung des Fernsehsenders NBC acht Prozentpunkte hinter Hillary Clinton. Und das trotz der neuen Enthüllungen um Clintons Emails und mögliche Interessen-Konflikte zu der familieneigenen Clinton-Stiftung.

Verärgert Trump seine schlecht gebildeten weißen Anhänger?

Mit einem Schwenk in der Einwanderungspolitik, riskierte er die schlecht gebildeten weißen Anhänger zu verärgern, die das Rückgrat seines Wahlkampfs ausmachen. Ohne dabei signifikant bei Latinos und anderen Minderheiten hinzugewinnen zu können. In keiner Umfrage geht seine Unterstützung dort über ein Viertel hinaus. Das ist bei weitem nicht genug, Wahlen in Staaten mit hohem Latino-Anteil zu gewinnen.         

Der republikanische Wahlkampfstratege Whit Ayres meint, „keine rationale Person glaubt, dass er nach den letzten 15 Monaten nur ein wenig besser bei nicht-weißen Wählern abschneiden wird“. Dafür habe er zu viele Brücken verbrannt. Der Schwenk sei der Versuch, sein Image bei moderateren Republikanern und konservativen Frauen in den Vororten der Städte aufzupolieren, die von seiner Hetze abgestoßen seien. „Aber Taten sprechen lauter als Worte“.

Bei einer Kundgebung am Montagabend in Akron, Ohio war Trump dann wieder ganz der Alte. Die Mauer an der Grenze zu Mexiko werde gebaut. „So schnell, dass euch ganz schwindlig wird.“

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erstellt am 24.Aug.2016 | 10:44 Uhr

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