zur Navigation springen

Politik

05. Dezember 2016 | 19:42 Uhr

US-Präsidentschaftswahlen : Donald Trump legt sich mit allen an

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach den Eltern eines gefallenen Soldaten legt er sich nun auch mit einflussreichen Führern der Republikaner an. Jetzt droht ihm ein Exodus an Unterstützer.

Washington | Der streitbare Fox-Moderator Bill O’Reilly hält einen wohlgemeinten Ratschlag für den Rechtspopulisten bereit: Wenn er sich mit allen und jedem anlege, werde er die Wahlen verlieren. Was der Einpeitscher der Rechten im Fernsehen sagte, hörte Trump privat auch von Ratgebern und einflussreichen Parteigrößen der Republikaner. Statt die Eltern eines gefallenen Kriegshelden anzugreifen, sollte sich der Kandidat auf Hillary Clinton konzentrieren.  

Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er auf andere hörte. Statt sich zu mäßigen, holte er zu einem Rundumschlag aus. In einem provokativen Interview mit der „Washington Post“ weigerte sich der Präsidentschaftskandidat, Speaker Paul Ryan und Senator John McCain bei den Vorwahlen zu unterstützen. „Ich bin noch nicht da“, äffte er Ryan nach, der im Frühjahr dieselben Worte gebrauchte als er nach seiner Rückendeckung für Trump gefragt wurde.

Ryan und McCain hatten sich nach der Kritik Trumps an den Eltern des gefallenen Kriegshelden von dem Rechtspopulisten distanziert. Ohne ihn namentlich zu erwähnen, erklärten die beiden Schwergewichte in der Republikanischen Partei, das Opfer der Familie verdiene den ungeteilten Respekt. So ähnlich drückte es auch die Senatorin von New Hampshire, Kelly Ayotte, aus, die dafür ebenfalls in Trumps Visier geriet.

Trump kanzelte die Senatorin als „unloyale, schwache Führerin“ ab. Speaker Ryans Herausforderer bei den Kongress-Vorwahlen am kommenden Mittwoch lobte er dagegen über den grünen Klee. „Wir brauchen starke Führung. Wir brauchen sehr, sehr starke Führung“.

Als erste prominente Parteigröße erklärte die frühere HP-Chefin und Multi-Milliardärin Meg Whitman ihre Unterstützung für Hillary Clinton. Sie stimme politisch in nicht vielen Punkten mit der Demokratin überein, erklärte die Republikanerin, die sich in Kalifornien um den Gouverneursposten beworben hatte. Aber sie könne keinen „unehrlichen Demagogen“ unterstützen, der das Land „auf eine gefährliche Reise“ mitnehme.

Die Gewissheit gegen eine Diktatur immun zu sein, sei naiv, fügte Whitman hinzu, die an ihrem Vergleich zum Aufstieg von Führern wie Hitler und Mussolini festhielt. Solche Personen dürften nicht einmal in die Nähe der Macht kommen, „weil es gewöhnlich nicht gut endet“. So etwas könne auch in den USA passieren. „Ich werde Hillary wählen, und bei meinen republikanischen Freunden dafür werben, ihr zu helfen.“

Auch ein enger Verbündeter Trumps, der Gouverneur von New Jersey Chris Christie sucht nach der Soldatenkritik Abstand zu dem Rechtspopulisten. „Es ist schlicht unakzeptabel, sie (die Eltern) zu kritisieren, und ich werde mich nicht daran beteiligen“. Christies frühere rechte Hand, Maria Comella, ging einen Schritt weiter und folgte Jeb Bushs ehemaliger Beraterin Sally Bradshaw, die sich demonstrativ hinter Clinton stellte.

Das Politportal „Politico“ und andere US-Medien berichten, führende Trump-Berater seien zutiefst frustriert über die Beratungsresistenz des Kandidaten. Hinter den Kulissen braute sich ein Exodus von Republikanern zusammen, die um ihre Wiederwahl zum Kongress fürchten oder den Kurs des Nationalisten nicht mittragen könnten.

US-Präsident Barack Obama hatte am Dienstag Öl ins Feuer gegossen, als er Trump als „nicht für das Präsidentenamt geeignet“ bezeichnete. Obama forderte die Republikaner auf, Konsequenzen aus den andauernden Grenzüberschreitungen ihres Kandidaten zu ziehen.        

Trump zeigt sich von all dem unbeeindruckt. In seiner Lesart sind es die Medien und Washington, die ihn „so unfair“ behandelten. Er könne nicht verstehen, warum die Khan-Familie so viel Aufmerksamkeit erhalte, nicht aber die Mutter eines in Benghazi getöteten Diplomaten, der er auf dem Parteitag das Mikrophon überlassen habe.

Wie dünn das Nervenkostüm des blondierten National-Chauvinisten mittlerweile ist, demonstrierte er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Virginia. Der 70-jährige bat darum, ein schreiendes Baby aus dem Saal zu bringen, das seine Rede „störte“. Clintons „Running Mate“ Tim Kaine kommentierte das sarkastisch: „Manchmal fragt man sich, wer das Baby ist.“

zur Startseite

von
erstellt am 03.Aug.2016 | 20:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen