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Politik

09. Dezember 2016 | 01:08 Uhr

Kommentar zum TV-Duell gegen Hillary Clinton : Donald Trump hat sich endgültig disqualifiziert

vom
Aus der Onlineredaktion

Der US-Präsidentschaftskandidat bezeichnet Clinton als „fiese Frau“ und stürzt tief ab, kommentiert Thomas Spang.

Las Vegas | Donald Trump hat sich in der dritten Debatte endgültig für das Präsidentenamt disqualifiziert. Ein Kandidat, der den Ausgang von Wahlen nicht vorbehaltlos akzeptiert, hat im Weißen Haus nichts verloren. Trump stellt damit das 240 Jahre alte Fundament der amerikanischen Demokratie grundsätzlich infrage.  

Der Satz, er werde sich zu dem Wahlergebnis verhalten, wenn die Zeit gekommen sei, unterminiert den friedlichen Übergang der Macht, die den Kern von Demokratien ausmacht. Dass er abermals versucht, seine politische Opponentin zu kriminalisieren und Hillary Clinton eine „fiese Frau“ nennt, die nicht auf die Bühne gehörte, macht seinem Ruf als Bananen-Republikaner jede Ehre.

Hintergrund: Stärken, Schwächen, Höhepunkte im TV-Duell

Tabubruch: Es war das Thema des Abends: Donald Trump weigerte sich, zu sagen, ob er das Wahlergebnis anerkennen wird.

Redeanteil: Diesmal war die Demokratin ihrem Konkurrenten voraus: Laut einer Rechnung des Senders CNN kam der Republikaner auf 35,41 Minuten Redezeit, Clinton auf 41,46 Minuten.

Fehlende Faktentreue: Trump nahm es mit den Fakten erneut nicht sehr genau. Er behauptete, die Offensive zur Rückeroberung der irakischen Stadt Mossul habe nur begonnen, weil Clinton sich um das Präsidentschaftsamt bewerbe. Das stimmt nicht. Die Operation wurde seit Monaten vorbereitet. Irakische Streitkräfte haben dabei die Führung.

Gesten: Sie wollten sich einfach nicht mehr die Hände reichen, weder Bill Clinton und Melania Trump, noch die beiden Präsidentschaftskandidaten. Hillary Clinton verabschiedete sich nach der Debatte demonstrativ von Moderator Chris Wallace, Trump ignorierte sie auf der Bühne.

Weißes Gewand: Clinton erschien in einem weißen Hosenanzug - wie schon nach dem Wahlsieg in Kalifornien, als sie genügend Stimmen für die Nominierung beisammen hatte. Bei der ersten Debatte trug sie Rot, bei der zweiten Blau. Legt man alle drei Outfits zusammen, hat man Amerikas Nationalfarben.

 

Damit begeistert er gewiss seine Wegbegleiter in der alternativen Realität von Breitbart, Fox und Co. Doch an diesem Abend musste er nicht seine Fans, sondern die Unentschiedenen und Unentschlossenen überzeugen, die sich fragen, ob Trump das richtige Temperament für das wichtigste Amt der Welt hat.   

Nach halbwegs akzeptablen 40 Minuten stürzte der Rechtspopulist so tief ab, dass die dritte Präsidentschaftsdebatte zu seiner schlechtesten geriet. Ein „totales Desaster“, um es mit den Worten des Donald zu sagen.  

Statt seine letzte Chance in Las Vegas zu nutzen, die Scheinwerfer auf Hillarys Glaubwürdigkeitsprobleme zu richten, lässt er das staunende Publikum mit Kopfschütteln und einer Frage zurück: Wie patriotisch ist Donald Trump eigentlich?  

Nachdem er im Wahlkampf so ziemlich jede Minderheit beleidigt hat, die dieses Land zusammen so großartig macht, es dann nicht für nötig hielt, sich für seine sexuellen Übergriffe bei seiner Frau und der Hälfte der Wählerschaft zu entschuldigen, stellte er die Demokratie selbst infrage: Mit lächerlichen Verschwörungstheorien und der Weigerung das Ergebnis freier und fairer Wahlen vorbehaltlos anzuerkennen.  Kein Wunder, dass er für den Autokraten Putin in Moskau mehr Anerkennung übrig hat als für den Präsidenten der Vereinigten Staaten. 

Normalerweise bleibt in Las Vegas, was dort geschieht. Trump hat dafür gesorgt, dass dieses Duell die Ausnahme von der Regel sein wird. Der Kandidat hat im Alleingang einen historischen Tiefpunkt in der politischen Kultur des Landes erreicht. Und Amerika wird in den kommenden Tagen über nichts anderes sprechen.

Trump verliert nicht, weil die Wahlen manipuliert sind, sondern, weil er ein gefährlicher Demagoge ist, den die Wähler am 8. November entschieden zurückweisen werden.     

In unserem Liveblog können Sie die Bilanz des TV-Duells und alle weiteren Ereignisse rund um die US-Wahl nachlesen.

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erstellt am 20.Okt.2016 | 07:26 Uhr

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