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Politik

02. Dezember 2016 | 23:23 Uhr

25 Jahre Unabhängigkeit : Die Ukraine muss erwachsen werden

vom

Die Ukraine ist 25 Jahre unabhängig. Der junge Staat hat seine Kinderkrankheiten und Adoleszenzkrisen nie überwunden.

Für viele Menschen beginnt im Alter von 25 Jahren der berühmte Ernst des Lebens. Spätestens jetzt gilt es: Beruf, Familie, Erwachsensein. Auf der Ebene der Staaten ist das Alter nur ein relativer, aber kein gänzlich unbrauchbarer Maßstab. Beispiel Ukraine: Europas zweitgrößter Flächenstaat feiert heute 25. Geburtstag, doch erwachsen ist das Land noch nicht. Am 24. August 1991 erklärte die damalige ukrainische Sowjetrepublik ihre Unabhängigkeit, was kaum jemand in Europa bemerkte. Wenige Tage zuvor hatten in Moskau einige Ewiggestrige gegen Michail Gorbatschow geputscht. Das Resultat war ein dramatischer Machtverlust des Sowjetführers. Die UdSSR taumelte ihrem Zerfall entgegen – und ein Spaltprodukt war die Ukraine.

Um der jungen Nation gerecht zu werden, ist es wichtig, daran zu erinnern, dass eine Mehrheit von landesweit über 90 Prozent der Bürger im Dezember 1991 in einem Referendum für die Unabhängigkeit stimmte. Auch im stark russisch geprägten Osten war das Votum eindeutig und ebenso auf der Krim. Nicht weniger wichtig ist es, darauf hinzuweisen, dass es spätestens seit dem 19. Jahrhundert eine ukrainische Nationalbewegung gab. Dennoch taten sich viele Politiker nicht nur im benachbarten Russland, sondern auch im Westen schwer, die Ukraine als eigenständigen Staat für voll zu nehmen. Das Land war im besten Fall „Kleinrussland“, um es mit einem historischen Namen zu sagen. Unter dieser Fehlwahrnehmung leidet die Ukraine bis heute, vor allem weil sich im mächtiger werdenden Russland unter Kremlchef Wladimir Putin eine Lesart durchgesetzt hat, die den Nachbarn zum kleinen „slawischen Bruderstaat“ erklärt.

Für Putin hat die Ukraine gefälligst auf den großen Bruder zu hören. Ins Geopolitische gewendet heißt das: Die Ukraine ist nur bedingt unabhängig. Sie hat aus russischer Sicht nicht das Recht der freien Bündniswahl (Nato/EU), und erst recht haben die Bürger des Landes nicht das Recht, sich gegen eine autoritäre, zutiefst korrupte Führung zu wehren, wie in der Maidan-Revolution von 2014 geschehen, und das Land damit von einem prorussischen auf einen prowestlichen Kurs zu steuern.

Für Putin waren sowohl die Revolution in Orange 2004 und erst recht der Aufstand vor zweieinhalb Jahren von Faschisten exekutierte, aus dem Westen gesteuerte Putschversuche. Wer die Ukraine nach der Jahrtausendwende aus der Nähe beobachtet hat, weiß, dass diese Darstellung weit an der Wirklichkeit vorbeigeht. Richtig ist, dass der junge Staat seine Kinderkrankheiten und Adoleszenzkrisen nie überwunden hat. Die Eliten waren von 1991 an von mafiaartigen Strukturen durchzogen, und sie sind es teilweise noch. Genau gegen dieses, oft verharmlosend als Oligarchie bezeichnete System richtete sich der Unmut eines Großteils der Revolutionäre von 2004 und 2014, und das erklärt auch die Furcht des mächtigsten aller postsowjetischen Oligarchen, der längst zum Diktator aufgestiegen ist: Wladimir Putin treibt die Angst vor einer erfolgreichen Demokratisierung und Modernisierung der Ukraine um, aus der die eigenen russischen Bürger die „falschen Schlüsse“ ziehen könnten.

Dies war auch der Hauptgrund, warum der Kremlchef vor zwei Jahren die Krim annektieren ließ. Wenig später schuf er im ostukrainischen Donbass mithilfe von pseudoseparatistischen Söldnern einen Krisenherd, den er bei Bedarf anheizen kann. Das Ziel ist die dauerhafte Destabilisierung der Ukraine, die auf diese Weise natürlich nicht zum Vorbild für ein modernes Russland taugt. Die Ukrainer sollten daraus die Konsequenzen ziehen und möglichst schnell erwachsen werden.

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erstellt am 24.Aug.2016 | 12:54 Uhr

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