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Politik

04. Dezember 2016 | 07:12 Uhr

Aleppo : Die Schrecken des Syrien-Krieges in einem Kindergesicht

vom

Aleppo steht wie keine andere Stadt für die Brutalität des syrischen Bürgerkriegs – ein verletztes Kind erinnert die Welt daran.

Aleppo | Nach neuen Luftangriffen in der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo sorgt ein Video für Entsetzen, das einen überlebenden kleinen Jungen zeigt. Die Aufnahme des Kindes drückt den täglichen Schrecken des Bürgerkriegs in wenigen Sekunden herzzerreißend aus. Sie wurde am Donnerstag tausendfach rund um den Globus über soziale Medien verbreitet.

Das Video zeigt, wie Helfer den Kleinen aus Trümmern bergen und in einen Rettungswagen bringen. Dort sitzt der völlig in Staub eingehüllte Junge mit nackten Füßen auf einem Stuhl. Er schreit und weint nicht - aber der Schrecken ist an seinem stummen Gesicht und seinem leeren Blick abzulesen. Er fasst sich an den blutenden Kopf, bemerkt das Blut an den Händen und versucht dann, es an dem Stuhl abzuwischen. Nach knapp 40 Sekunden ist die Szene vorbei.

Das oppositionelle Aleppo Media Center (AMC) hatte das Video am Mittwochabend nach einem Luftangriff auf den von Rebellen kontrollierten Stadtteil Katardschi aufgenommen. Vor Ort war auch der Fotograf Mahmud Raslan, der selbst Aufnahmen machte. Ihm zufolge heißt der Junge Omran und ist vier Jahre alt. Andere Aktivisten beziffern das Alter des Kindes auf fünf.

Mittlerweile sei der nur leicht verletzte Omran zurück bei seinen Eltern, berichtete Raslan der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag nach einem Besuch bei der Familie. Die Eltern und alle vier Kinder seien bei dem Angriff unter Trümmern begraben, aber gerettet worden. Eine Stunde nach dem Angriff sei das gesamte Gebäude eingestürzt.

Mit Journalisten wollen die Eltern ihm zufolge nicht sprechen. Und auch ihren Familiennamen nicht veröffentlicht sehen. Sie hätten Angst vor Racheakten des syrischen Regimes, erklärte Raslan.

Unterdessen kündigt Moskau neue Waffenruhe an

Zerstörte Gebäude in Aleppo: In der früheren syrischen Metropole gehen die Kämpfe unvermindert weiter. /Sputnik
Zerstörte Gebäude in Aleppo: In der früheren syrischen Metropole gehen die Kämpfe unvermindert weiter. /Sputnik Foto: Michael Alaeddin
 

Deutschland hat gemeinsam mit den anderen 27 EU-Staaten eine sofortige Waffenruhe für die umkämpfte syrische Stadt Aleppo gefordert. Die anhaltenden Bombenangriffe und Belagerungen behinderten die Hilfsbemühungen der internationalen Gemeinschaft, teilte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Donnerstag im Namen aller Mitgliedsländer mit. Russland erklärte sich überraschend jetzt doch dazu bereit, jede Woche eine 48 Stunden lange Feuerpause in Aleppo einzulegen.

Moskau unterstützt das Regime in Damaskus in dem Bürgerkrieg. Allerdings lief schon eine erste Ankündigung Russlands, täglich die Waffen drei Stunden schweigen zu lassen, ins Leere. Der Krieg ging unvermindert weiter.

Aleppo ist Schauplatz heftiger Kämpfe im syrischen Bürgerkrieg, der seit gut fünf Jahren andauert. Aufständische kontrollieren den Osten der Metropole, regimetreue Kräfte den Westen. In den Rebellengebieten leben bis zu 300.000 Menschen unter katastrophalen Bedingungen. Auch im Westen der Stadt, wo schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen ausharren, gibt es kaum noch Strom und ausreichend Trinkwasser. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) äußerte sich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitag) in „größter Sorge“ um die Bevölkerung.

Die Lage in Aleppo erscheint aussichtslos.  /Sputnik
Die Lage in Aleppo erscheint aussichtslos.  /Sputnik Foto: Michael Alaeddin
 

Die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen solle die Rettung von Verletzten, Hilfslieferungen sowie die Wiederherstellung der Wasser- und Stromversorgung ermöglichen, forderten die EU-Staaten. Gleichzeitig mahnten sie Konfliktparteien wie Russland und die syrischen Regimekräfte vor einem Missbrauch humanitärer Einsätze. „Sie dürfen nicht Teil einer Militärstrategie sein“, hieß es in einer Erklärung.

Mit einer symbolischen Protestaktion forderte der Syrien-Beauftragte der UN eine Unterbrechung der Kämpfe zur Versorgung Notleidender. Nach nur acht Minuten erklärte Staffan de Mistura in Genf eine Sitzung der UN-Arbeitsgruppe für die humanitäre Hilfe in Syrien für vorzeitig beendet. Damit werde die UN-Forderung nach freiem Zugang für Helfer zu Hunderttausenden notleidenden Menschen in umkämpften Städten und Regionen betont, erklärte De Mistura. „Nicht ein einziger Hilfskonvoi hat seit einem Monat eines der belagerten Gebiete erreichen können“, sagte er.

Igor Konaschenkow vom Verteidigungsministerium in Moskau kündigte an, die erste 48-stündige Waffenruhe könne in der kommenden Woche ausgerufen werden. Ein genauer Zeitpunkt müsse aber zunächst mit den Vereinten Nationen abgestimmt werden, sagte er der Agentur Interfax.

Die regelmäßigen Waffenruhen sollten dazu genutzt werden, die Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. Russland unterstütze somit einen entsprechenden Vorschlag des UN-Sondergesandten de Mistura.

Hilfsorganisationen und die EU hatten Russland zuvor aufgerufen, eine 48 Stunden lange Feuerpause zu akzeptieren. Eine angebotene drei Stunden lange Feuerpause reiche zur Versorgung mit Nahrung und Medikamenten sowie zum Abtransport von Verletzten nicht aus.

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erstellt am 18.Aug.2016 | 19:29 Uhr

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