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Politik

08. Dezember 2016 | 23:05 Uhr

Bundestagswahl 2017 : Die möglichen Kanzlerkandidaten der SPD - und ihre Chancen

vom

Sigmar Gabriel, Martin Schulz oder doch jemand anderes? shz.de stellt die aussichtsreichsten Kandidaten vor.

Berlin | Bei der CDU ist die Sache fast klar: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird wohl am Sonntag verkünden, dass sie für eine erneute Kandidatur bei der Bundestagswahl 2017 bereit steht. Bei der SPD bleibt die Kandidatenfrage auch dann weiter ungeklärt. Zuletzt hatte es nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ geheißen, der scheidende EU-Parlamentspräsident Martin Schulz wolle SPD-Kanzlerkandidat werden. Schulz dementierte dies jedoch. Den ersten Zugriff in der Kandidatenfrage hat freilich Parteichef Sigmar Gabriel, der aber zaudert. shz.de stellt die möglichen SPD-Kanzlerkandidaten vor.

1. Sigmar Gabriel

Vizekanzler Sigmar Gabriel.
Vizekanzler Sigmar Gabriel. Foto: Kay Nietfeld
 

Seit 2009 ist Sigmar Gabriel der Chef der SPD, er ist damit der am längsten amtierende SPD-Parteichef seit Willy Brandt. Seit 2013 ist Gabriel Stellvertreter der Bundeskanzlerin und Bundesminister für Wirtschaft und Energie. Schon 2013 hätte er als Kanzlerkandidat antreten können, ließ aber Peer Steinbrück damals den Vortritt. Im Oktober 2015 dann neue Worte: Gabriel stellte klar, dass er bei der nächsten Bundestagswahl auf Sieg setzt und 2017 auch selbst gegen Kanzlerin Angela Merkel antreten will. „Natürlich will ich Bundeskanzler werden, wenn die SPD mich aufstellen will. Das ist doch gar keine Frage“, sagte der Vizekanzler damals.

Aber: Große Zustimmung genießt Gabriel, der als Parteichef für den aktuellen Kurs der SPD verantwortlich ist, derzeit nicht - weder in der eigenen Partei, noch bei den Wählern. Und die SPD rutscht von Umfragetief zu Umfragetief. Trotz allem: SPD-Spitzenpolitiker Gabriel hat die erste Entscheidungsgewalt über die Kandidatenfrage. Gegen Merkel dürfte er es aber schwer haben.

2. Martin Schulz

Der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz.
Der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz. Foto: Patrick Seeger
 

Martin Schulz ist der Präsident des EU-Parlaments – und wird in dieser Position geschätzt. Viele scheinen seine direkte Art zu mögen. Schulz spricht laut einem Spiegel-Porträt Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Niederländisch fließend. Sollte er sich als Kanzlerkandidat aufstellen lassen, könnte man ihm jedoch mangelnde Erfahrung auf Bundesebene vorwerfen. Die Aufstellung Schulz’ wäre andererseits ein Statement für Europa – im Gegensatz zur stärker werdenden, europafeindlichen AfD. Ob Schulz das EU-Parlament dafür verlässt? Das ist mehr als fraglich.

Aus SPD-Regierungskreisen hieß es zuletzt, der amtierende EU-Parlamentspräsident wehre sich noch gegen einen Wechsel von Brüssel nach Berlin. Er wolle eine Zusage, nicht nur Steinmeier-Nachfolger, sondern auch Kanzlerkandidat für die Wahl 2017 zu werden. Schulz wies das zurück. „Das ist völliger Blödsinn“, sagte ein Sprecher. Auch Parteichef Sigmar Gabriel ließ dieser Darstellung widersprechen.

3. Hannelore Kraft

Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin in NRW.
Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin in NRW. Foto: Monika Skolimowska
 

Sie ist die „Landesmutter“ in Nordrhein-Westfalen und dort sehr beliebt. Und Kraft ist Parteivize seit 2009. Lange wurde sie als Gabriel-Konkurrentin gehandelt. Aber Kraft will von Bundespolitik nichts mehr wissen: „Ich werde nie, nie als Kanzlerkandidatin antreten. Ich bleibe in Nordrhein-Westfalen. Darauf könnt Ihr Euch verlassen“, sagte sie bereits 2013. Die 54-Jährige konzentriert sich entsprechend voll auf die Landtagswahl 2017 an Rhein und Ruhr. Fazit: Hannelore Kraft könnte viele Wähler für sich gewinnen, aber sollte sie bei ihrer Haltung bleiben, wird sie wohl nicht antreten.

4. Olaf Scholz

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz.
Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz. Foto: Lukas Schulze
 

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz wird als kluger Verhandler in der SPD geschätzt, wie bei den Bund-Länder-Finanzen. Auch die Wähler halten große Stücke auf den stellvertretenden SPD-Vorsitzenden: Scholz hatte nach einer Umfrage vom Juli 2015 in punkto Bürgerzufriedenheit unter allen 16 Ländern die Nase vorn. Mit seiner Arbeit waren demnach 68 Prozent der Hamburger Wahlberechtigten zufrieden. 

Doch auch wenn in der Diskussion um die Kanzlerkandidatur immer wieder sein Name fiel: Erst im April hat der Hamburger einmal mehr betont, dass er nicht als Kanzlerkandidat antreten und lieber in Hamburg bleiben will. „Ich trete 2020 erneut als Bürgermeisterkandidat der SPD in Hamburg an“, so Scholz damals. Und das heißt am Ende wohl: Glück für die Hamburger, aber schlecht für die Wähler bundesweit.

5. Ralf Stegner

Ralf Stegner, SPD-Landesvorsitzender.
Ralf Stegner, SPD-Landesvorsitzender. Foto: Markus Scholz
 

Ralf Stegner ist seit 2014 stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD und Landesvorsitzender der SPD Schleswig-Holsteins und dabei dem linken Flügel der Partei zuzuordnen. Er ist einer der wenigen Politiker aus SH, die bundesweit Bekanntheit erlangt haben. Durch seine kantige Art polarisiert er aber auch. Ob er sich so meinungsstark bei einer Wahl auch gegen die CDU durchsetzen könnte? Gut möglich. Doch aus seiner Kandidatur dürfte ebenfalls nichts werden: Stegner will im Norden bleiben - und 2017 wieder für den Kieler Landtag kandidieren.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 12:30 Uhr

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