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Politik

10. Dezember 2016 | 04:15 Uhr

Kommentar zum Tod von al-Bakr : Die Dilettanten der sächsischen Justiz

vom

Sachsens Innenminister behauptet, der Selbstmord des inhaftierten Terroristen war nicht zu verhindern. Das stimmt nicht.

Sehr viel, nahezu alles, ist schief gelaufen in den wenigen Tagen zwischen der Ermittlung des Tatverdächtigen Dschaber al-Bakr und dessen Tod. Das begann schon mit der zunächst fehlgeschlagenen Festnahme, mit dem Manipulieren von Lampe und Steckdose in der Zelle, die als „Vandalismus“ fehlinterpretiert wurden, mit der Ausgabe von Jogginghose und Shirt, dem späteren Tötungswerkzeug. Die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Eine Frage bleibt, und die ist sehr wichtig:  Hätten die Behörden erkennen können, gar müssen, dass es sich bei al-Bakr um einen hochgradig selbstmordgefährdeten Inhaftierten handelt? Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow verneint das. Aber er hat unrecht.

Ein kleines Detail gibt uns den entscheidenden Hinweis, dass es sich hier eben nicht um im weitesten Sinne Pech handelt, sondern um Dilettantismus. Mehrmals betonten die Vertreter der sächsischen Justiz bei der Pressekonferenz, al-Bakr habe „ruhig, ausgeglichen“ gewirkt. Das verwendet Gefängnischef Rolf Jacob sogar als Argument, man habe die akute Suizidgefahr nicht erkennen können.

Nun gilt aber unter Psychologen und Psychiatern gerade Ruhe und äußerliche Ausgeglichenheit als Zeichen für einen Suizid-Entschluss. Der Selbstmörder hat seine Entscheidung getroffen und sucht keine Hilfe mehr in der Außenwelt. „Ruhe vor dem Sturm“ heißt das Phänomen unter Psychologen und ist dort Grundwissen.

Ein JVA-Chef, der viele Stunden nach dem Geschehen trotzdem noch mit dem „Der war ja ruhig“-Argument daher kommt, hat keine Ahnung – das muss er nicht  – aber auch keine fachkundigen Experten um sich herum, die ihn adäquat beraten. Dilettantismus eben, der dazu geführt hat, dass nicht nur ein Mensch tot, sondern bei der Aufklärung einer schweren terroristischen Straftat der wichtigste Zeuge abhanden gekommen ist.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 20:49 Uhr

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