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Politik

04. Dezember 2016 | 04:53 Uhr

Hillary Clinton vs. Donald Trump : Das zweite TV-Duell: Was anders war, was bleibt, was kommt

vom

Hillary Clinton hat das Duell für sich entschieden - doch das Aufeinandertreffen war abscheulich. Was Sie wissen müssen.

Washington/St. Louis | Der US-Wahlkampf geht in seinen letzten Monat - und die Kandidaten zerfleischen sich. Die Atmosphäre des zweiten von drei TV-Duellen zwischen Donald Trump und Hillary Clinton war geprägt von dem Skandal um ein Video mit sexistischen Äußerungen Trumps, das kurz zuvor veröffentlicht worden war. Doch Trump gibt nicht auf. Die wichtigsten Fragen zum US-Wahlkampf auf der Zielgeraden.

Das Wichtigste in Kürze: Was bleibt vom zweiten Aufeinandetreffen festzuhalten?

▪ In einer hitzig geführten Debatte haben sich Hillary Clinton und Donald Trump gegenseitig mit herben Vorwürfen überzogen. Der Republikaner forderte sogar Haft für seine Gegnerin wegen ihres Umgangs mit ihren dienstlichen E-Mails als US-Außenministerin. 

▪ Die Demokratin Clinton bezichtigte Trump mehrmals, falsche Angaben zu machen. „Was Sie von Donald hören, ist wieder nicht wahr. Er lebt in einer parallelen Realität.“

▪ In der Debatte um das Video mit sexistischen Äußerungen zeigte sich Trump reuig. „Ich schäme mich.“ Er achte die Frauen. „Niemand respektiert Frauen mehr als ich“, erklärte Trump. Seine Äußerungen bezeichnete er als „Umkleidekabinen-Gespräche“.

▪ Clinton gab ihrerseits Versäumnisse beim Umgang mit ihren E-Mails in ihrer Zeit als Außenministerin zu. „Es war ein Fehler“, sagte sie zu der Praxis, dienstliche E-Mails als US-Außenministerin von einem privaten und nicht gesicherten Server zu versenden.

▪ In der Debatte um die Behandlung von Muslimen in den USA forderte Clinton mehr Toleranz. „Meine Vision von Amerika ist ein Amerika, in dem jeder einen Platz hat.“ Trump bekräftigte dagegen, dass Muslime vor deren Einreise in die USA „extrem“ überprüft werden müssten

▪ Trump gab zu, Schlupflöcher im Steuersystem der USA ausgenutzt und damit 916 Millionen Dollar gespart zu haben. Clinton habe dies als Senatorin in New York selbst ermöglicht. „Die Leute, die ihr all das Geld geben, wollen das so“, erklärte Trump mit Blick auf Clintons Parteispender.

Was war beim zweiten TV-Duell anders als beim ersten?

Der Handschlag: Anders als beim ersten Mal reichen sich beide zu Beginn nicht die Hände. Am Ende der Debatte holen sie es dann doch noch nach.

Das Überthema: Trump konnte es nicht kleinreden; die sexistischen Äußerungen aus einem alten Video waren ein zentrales Thema des Abends, schon zu Beginn. Das dürfte hängen bleiben.

Die anklagenden Frauen: Trump hatte sie eingeladen: Frauen, die den Ex-Präsidenten Bill Clinton sexueller Übergriffe bezichtigen. Sie saßen im Publikum, aber auch Clintons Tochter Chelsea. Als Bill Clinton den Saal betrat, wirkte sein Blick angespannt.

Trumps Auftritt: Er war besser vorbereitet als beim letzten Mal und bemühte sich sichtlich darum, präsidialer zu erscheinen. Hin und wieder gelang es ihm aber nicht. Zu Beginn schien er nervös, das schüttelte er aber nach und nach ab, als er in die Offensive ging.

Der Tonfall: Beide wurden sehr schnell persönlich, teils aggressiv. Sie bezichtigten sich gegenseitig der Lüge, sprachen sich die Eignung für das Präsidentenamt ab, warfen sich moralisches Versagen vor - vielleicht ein Omen für den Wahlkampfendspurt.

Clintons Schwäche: Die Demokratin hatte ihren Widersacher nicht so eindeutig im Griff wie beim ersten Duell. Hatte sie in Hempstead Trumps Angriffe noch elegant auf Distanz gehalten, ging sie diesmal mit ihm in den Nahkampf. Die Folge: Blessuren für beide.

Das Townhall-Format: In St. Louis durften neben den Moderatoren auch die Zuschauer Fragen stellen - sowohl aus dem Saal als auch online. Die letzte Frage, ob die Kandidaten am jeweils anderen auch etwas Positives sehen, schien besonders gelungen. Trump lobte Clintons Kämpferherz, Clinton Trumps Kinder.

Was waren die wichtigsten Zitate?

Hillary Clinton

„Seine Kinder sind unglaublich fähig und ergeben und das sagt eine Menge über Donald.“ 
(Clinton auf die Frage, was sie an ihrem Rivalen Donald Trump schätze)

„Ich war überrascht von der Lawine absoluter Unwahrheit.“ (Clinton nach der Debatte auf CNN über den Auftritt ihres Konkurrenten Trump)

„Alles was er gerade gesagt hat, ist absolut falsch. Ich bin nicht überrascht.“
(Clintons Antwort auf eine Stellungnahme Trumps)

„Jedem, der (das Video) gehört hat, ist klar, dass das genau ausmacht, wer er ist.“ 
(Clinton über das Trump-Video von 2005)

„Nein.“ 
(Clinton auf die Frage, ob Trump genügend Führungsstärke für das Präsidentenamt besitze)

„Russland hat entschieden, wen es als Präsidenten der USA sehen will - und das bin nicht ich.“
(Clinton über Russlands angeblichen Wunschkandidaten Trump)

„Meine Vision von Amerika ist ein Amerika, in dem jeder einen Platz hat.“
(Clinton über ihr Ziel als Präsidentin)

„Ich will einen Supreme Court, der nicht auf Seite von Konzerninteressen steht.“
(Clinton über ihre Vorstellung des Supreme Court)

„Ich will Präsidentin für alle Amerikaner sein.“
(Clinton über ihre mögliche Präsidentschaft)

„Ich denke, wir können hinsichtlich erneuerbarer Energien die Supermacht des 21. Jahrhunderts sein.“
(Clinton über die Rolle der USA bei erneuerbaren Energien)

„Ich denke, dass diese Wahl in Teilen so konfliktorientiert und intensiv wurde, weil so viel auf dem Spiel steht. Das ist keine gewöhnliche Wahl. (...) Es ist eine der folgenreichsten Wahlen, die wir je hatten.“
(Clinton über die bevorstehende Wahl)

 

Donald Trump

„Das war ein "Umkleidekabinengespräch". Ich bin nicht stolz darauf. Ich entschuldige mich bei meiner Familie, ich entschuldige mich beim amerikanischen Volk.“ 
(Trump über das Video von 2005)

„Niemand respektiert Frauen mehr als ich.“
(Trump auf Vorwürfe, frauenfeindlich zu sein)

„Sie macht nicht Schluss, sie gibt nicht auf, sie ist eine Kämpferin.“ 
(Trump über positive Eigenschaften seiner Konkurrentin Clinton)

„Glauben Sie mir: Sie hat gewaltigen Hass in ihrem Herzen.“
(Trump über seine Konkurrentin Clinton)

„Abe hat nie gelogen. Das ist der große Unterschied zwischen Abraham Lincoln und Dir.“
(Trump über den Unterschied zwischen dem früheren Präsidenten Abraham Lincoln und Hillary Clinton)

„Sie ist eine Minute über der Zeit und Sie stoppen sie nicht. Wenn ich eine Sekunde über der Zeit bin, stoppen Sie mich.“ 
(Trumps Beschwerde bei Moderatorin Martha Raddatz über die angeblich überschrittene Redezeit seiner Konkurrentin)

„Es ist drei gegen einen.“ 
(Trump über die angebliche Parteilichkeit der beiden Moderatoren zugunsten seiner Konkurrentin)

„Ich zahle Hunderte Millionen Dollar an Steuern. (...) Ich kenne das Steuergesetzbuch besser, als jeder andere Präsidentschaftskandidat je zuvor.“
(Trump über seine nicht veröffentlichte Steuererklärung)

„Das wird das größte Trojanische Pferd aller Zeiten sein.“ 
(Trump über Clintons Pläne, mehr Flüchtlinge ins Land zu holen)

„Obamacare ist ein totales Desaster und muss aufgehoben und ersetzt werden.“
(Trump über die von Präsident Obama eingeführte Krankenversicherung „Obamacare“)

„Weil du dann im Gefängnis wärst.“ 
(Trump über die Aussage seiner Konkurrentin Clinton, es sei gut, dass er nicht für Gesetze zuständig sei)

„Bei mir waren es Worte, bei ihm Taten.“
(Trump über Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton)

 

Nach Bekanntwerden des Videos mit frauenfeindlichen Äußerungen Trumps bezeichneten viele Kommentatoren den US-Wahlkampf als gelaufen; ist das nach dem zweiten TV-Duell noch haltbar?

Trumps Wahlkampf wird von dem Video und von seiner nur halbherzigen Entschuldigung sicher belastet. Die Debatte am Sonntag hat aber gezeigt: Trump kann einstecken und denkt gar nicht ans aufgeben. Der CNN-Kommentator John King bescheinigte ihm in St. Louis einen „definitiv stärkeren Auftritt“ als bei der ersten TV-Debatte, die er vor zwei Wochen klar verloren hatte.

Trumps Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence, zuletzt kritisch gegenüber Trump, gratulierte ihm zu einem „großen Sieg“. In einer CNN-Blitzumfrage sahen zwar 57 Prozent Clinton vorn, 63 Prozent aber waren von Trump positiv überrascht. Wie schon im Vorwahlkampf bediente Trump bewusst seine Klientel. Unsicher ist, ob das reicht, um die schwachen Umfragewerte bis zum 8. November zu drehen.

Wer hält vier Wochen vor dem Wahltermin noch zu Trump?

Trump hat großen Rückhalt in seiner Familie, was in der Öffentlichkeit zählt. Vor allem seine Tochter Ivanka, sein Sohn Eric und die Ehefrau Melanie weichen nicht von seiner Seite und zeigen demonstrative Solidarität - auch wenn der Weg nicht leicht ist.

Zählen kann er auch auf die Anti-Establishment-Fraktion bei den Republikanern, seinen engeren Zirkel. Dazu gehören New Jerseys Gouverneur Chris Christie und der frühere Neurochirurg Ben Carson, zwei seiner Kontrahenten im Vorwahlkampf. Ted Cruz, schärfster Widersacher bei den Vorwahlen, hat sich zumindest nicht distanziert.

Und wer führt die Absetzbewegung gegen Trump an?

Der Rückhalt in der Republikanischen Partei ist sicher gesunken. Ein Teil der Partei denkt schon an das Wahljahr 2020. Ein anderer fürchtet, von Trump in einen Abwärtsstrudel gezogen zu werden, der die Wiederwahl vieler Abgeordneter im Senat oder Repräsentantenhaus gefährdet. Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, und der Parteiveteran und Senator John McCain stehen an der Spitze der Trump-Kritiker bei den Republikanern. Aber auch aus den streng christlichen Staaten, etwa aus der Mormonen-Hochburg Utah, kommt heftige Kritik.

War die Veröffentlichung des kompromittierenden Videos das Ergebnis einer innerparteilichen Verschwörung gegen Trump?

Der Verdacht kam auf - immerhin war Trumps Gesprächspartner in dem Video der TV-Moderator Billy Bush, ein Cousin des Ex-Präsidenten George W. Bush und seines Bruders Jeb Bush, der sich gegen Trump um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner beworben hatte. George wie Jeb Bush gelten als ausgesprochene Kritiker Trumps, beide haben ihrem „Parteifreund“ die Unterstützung versagt. Anhänger Trumps beklagten, das Video sei ein bewusster Schlag des Partei-Establishments gegen Trump. Doch Billy Bush wurde inzwischen selbst Opfer der Veröffentlichung; der Sender NBC suspendierte ihn.

Wie geht der Wahlkampf in seinen letzten vier Wochen nun weiter? Wird er noch schmutziger?

Das am Freitag bekanntgewordene Video, Trumps Antwort mit den Hinweis auf die Skandale Bill Clintons und eine enorm persönlich geführte TV-Debatte mit herben Angriffen beider Kandidaten - viel tiefer kann das Niveau der Debatte fast nicht mehr sinken. In der aufgeheizten Atmosphäre scheint eine rein sachliche inhaltlich Auseinandersetzung kaum denkbar. In den vergangenen Tagen gab es bereits Hinweise, dass weitere kompromittierende Videomitschnitte aus Trumps Vergangenheit auftauchen könnten. Und die Enthüllungsplattform Wikileaks kündigte an, weitere E-Mails der Ex-Außenministerin Clinton publik zu machen.

 

 

 

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erstellt am 10.Okt.2016 | 07:49 Uhr

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