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Politik

09. Dezember 2016 | 05:02 Uhr

Pistole für Amokläufer von München : Darknet-Händler versteckte Waffen unter Verkehrsinsel in Köln

vom

Der Amokläufer von München kaufte die Tatwaffe im Darknet. Die Ermittler haben am Mittwoch neue Details bekannt gegeben.

Frankfurt/Main | Bei dem in Marburg gefassten Mann, der dem Amokschützen von München die Tatwaffe geliefert haben soll, sind noch weitere Waffen gefunden worden. Der 31-Jährige habe die Ermittler in einer ersten Vernehmung auf eine in Köln an einer Verkehrsinsel vergrabene Kiste hingewiesen, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Alexander Badle am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Darin seien eine Maschinenpistole, vier halbautomatische Pistolen und Munition gefunden worden.

Der 18 Jahre alte Amokschütze hatte am 22. Juli beim Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen, vor allem Jugendliche. Anschließend tötete er sich selbst. 36 Menschen wurden bei dem Amoklauf verletzt.

Die Festnahme des mutmaßlichen Waffenhändlers am Dienstag verlief ohne Zwischenfälle. Die Schrecksekunde des 31-Jährigen sei länger gewesen als der Zugriff, sagte Badle. Die Spezialeinheit des Zollkriminalamtes Köln sei für solche Situationen ausgebildet. Die Pistole, die der 31-Jährige bei seiner Festnahme bei sich führte, war illegal. Der arbeitslose Verkäufer habe keine waffenrechtliche Erlaubnis gehabt, die Pistole mit sich zu führen. Er habe nach ersten Erkenntnissen seinen Lebensunterhalt mit den illegalen Waffengeschäften unterhalten.

Die festgenommene Lebensgefährtin des 31-Jährigen ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Es habe keine konkreten Anhaltspunkte gegeben, dass die 31 Jahre Frau in das Waffengeschäft eingebunden war, sagte Badle.

Das Zollfahndungsamt Frankfurt hat seit Ende 2014 insgesamt mehr als 30 Verfahren mit Bezug auf Waffen im Darknet geführt. Es seien 29 Beschuldigte identifiziert worden, sieben davon seien in Untersuchungshaft genommen worden. Das sagte der Leiter des Amtes Markus Tönsgerlemann am Mittwoch. Es seien bei den 33 Ermittlungsverfahren 19 Pistolen, 10 Revolver, 5 Gewehre und 2 Maschinenpistolen sichergestellt worden. Zudem fielen den Fahndern 3378 Schuss Munition in die Hände.

Der illegale Handel mit scharfen Waffen verlagert sich nach Einschätzung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt zunehmend ins Internet. Die Täter glaubten, dort anonym tätig sein zu können, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Günter Wittig, am Mittwoch. „Der Erfolg am heutigen Tag zeigt jedoch, dass es nicht so ist.“

Ermittlungen gegen einen 62 Jahre alten Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und gegen einen 17 Jahre alten Schüler aus Hessen hatten die Strafverfolger auf die Spur des Beschuldigten gebracht. Beide sollen Schusswaffen und Munition bei dem Mann gekauft und die Geschäfte über das Darknet angebahnt haben. Das Geschäft mit dem 17-Jährigen sei über Gitarrenkoffer abgewickelt worden, sagte Badle. Die Freundin des mutmaßlichen Waffenhändlers habe den Gitarrenkoffer mit den Waffen abgestellt - im Tausch gegen einen leeren Gitarrenkoffer. Es gebe keine Erkenntnisse, dass der Jugendliche die Waffen habe einsetzen wollen. Er habe in einem normalen sozialen Umfeld gelebt.

Der Amokläufer von München hat für die Schusswaffe und Munition nach Ermittlungen der Polizei insgesamt 4350 Euro gezahlt.

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erstellt am 17.Aug.2016 | 11:24 Uhr

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