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Politik

30. August 2016 | 01:28 Uhr

Trotz Flüchtlingskrise in Europa : Dänemark: Weniger Asylbewerber 2015 als im Vorjahr

vom
Aus der Onlineredaktion

Kopenhagen hat viel Energie investiert, um den Flüchtlingsstrom ins Reich zu drosseln. Die neuen Zahlen verblüffen: Allein SH nimmt drei Mal mehr Asylbewerber auf als Dänemark.

Kopenhagen | Während in Deutschland die Sorge vom „Zusammenbruch der Versorgung“ durch den Zustrom von möglicherweise weit über einer Million Flüchtlinge die Runde macht, geht die Fluchtwelle vor Dänemark beinahe spurlos vorüber. Die „Sofort-Straffung“ der Asylgesetze durch die neue Rechts-Regierung in Kopenhagen zeigt Wirkung: Trotz der historischen Situation in Europa werden 2015 aller Voraussicht nach weniger Asylbewerber als im Jahr zuvor kommen. Das zeigen laut „Jyllands-Posten“ die vorläufigen Zahlen des Ausländer- und Integrationsministeriums.

Obwohl Tausende bei Pattburg über die deutsch-dänische Grenze kommen, scheinen die allermeisten in andere nordische Länder zu wollen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2014 haben 11.044 Menschen Asyl in Dänemark beantragt. Zum gleichen Zeitpunkt 2015 waren es noch 9.700 – angesichts der größten Migrationswelle seit Ende des Zweiten Weltkrieges eine verblüffende Statistik.


 

Zum Vergleich mit Deutschland und Schleswig-Holstein: Die Bundesregierung hält seit mehreren Wochen an ihrer Prognose von 800.000 Flüchtlingen fest. Es ist inzwischen aber bereits von einer Million Neuankömmlingen die Rede. Noch höhere Zahlen, wie sie „Bild“ Anfang der Woche in Umlauf brachte, wurden dementiert. Stand August wurden in Deutschland insgesamt 256.938 Anträge auf Asyl gestellt. Die zeitlichen Verzögerungen bei der Erfassung sind jedoch erheblich. Außerdem gibt es Flüchtlinge, die nach einem Erstaufenthalt in Deutschland weiterreisen und daher keinen Asylantrag stellen. Inzwischen wird in den Ländern mit 800.000 Asylbewerbern in diesem Jahr gerechnet. Laut der bestehenden Verteilungsquote (3,38791 Prozent) entfallen auf Schleswig-Holstein somit über 31.000. Das Land muss daher drei Mal so hohe Kapazitäten schaffen wie Dänemark, das 2,8 Millionen Einwohner mehr hat.

2014 hatte das ehemalige liberale Vorzeigeland sogar noch einen höheren Asylbewerberanteil pro Kopf als Deutschland. Nun verdeutlicht sich immer mehr, dass das Dänemark für die meisten Flüchtlinge nur noch ein Transitland ist. So verwundert es, dass das Folketing heute darüber berät, ob die Polizei mehr Kräfte braucht, um die Einreise an der Grenze handzuhaben.

Die dänische Politik stemmt sich mit Maßnahmen der Abschreckung gegen den Flüchtlingsstrom. Mit großformatigen Annoncen in Zeitungen arabischer Ländern sollen Bürgerkriegsflüchtlinge von der Idee abgebracht werden, in Dänemark Schutz zu suchen. „Bleibt bloß weg“ lautet die Botschaft vor allem an Syrer und ihre Schlepper. Die Anzeigen listen auf, wie Dänemark versucht, sich als Zuflucht immer unattraktiver zu machen.

Schon seit den Zeiten der sozialdemokratischen Vorgängerregierung ist das Aufenthaltsrecht auf ein Jahr befristet, und es gibt im ersten Jahr keinen Anspruch auf Familienzusammenführung. Seit dem 1. September sind die Sozialbezüge um fast die Hälfte gekürzt – allenfalls aufzustocken nach einem Jahr, wenn man einen anspruchsvollen Sprachkurs besteht. Die Einbürgerung soll zudem markant erschwert werden.


Anfang September hatte es in Schleswig-Holstein eine Zuspitzung der Lage gegeben, nachdem Dänemark wegen durchreisender Flüchtlinge zeitweise den Zug- und Fährverkehr aus Deutschland außer Kraft setzte. Zwischen 300 und 400 Flüchtlinge waren zur gleichen Zeit zu Fuß auf der Autobahn zwischen dem dänischen Pattburg und Apenrade unterwegs – darunter Schwangere, kleine Kinder und alte Menschen. Henrik Dürr, Journalist von „Jydske Vestkysten“, begleitete die Flüchtlinge auf der gesperrten Autobahn. „Es sind Hunderte. Ich war auf der Autobahnbrücke und als sie darunter hindurchgingen und die Medien sahen, begannen sie, laut zu rufen: ,Sweden, Sweden, Sweden’“; erzählte Dürr.

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erstellt am 08.Okt.2015 | 09:31 Uhr

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