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Politik

06. Dezember 2016 | 22:51 Uhr

US-Präsidentschaftswahl 2017 : Clinton vs. Trump: Letzte Chance Las Vegas

vom
Aus der Onlineredaktion

Die jüngsten Skandale um Donald Trump haben ihn in Umfragen zurückgeworfen. In der dritten TV-Debatte muss er überzeugen.

Las Vegas | Hillary Clinton braucht ihren Gegner einfach nur reden zu lassen. Je länger Trump spricht, desto mehr Wähler bringt er gegen sich auf. Wie in der vergangenen Woche nach dem Auftauchen des „Access-Hollywood“-Videos, in dem Trump prahlte, er könne sich als „Star“ bei Frauen alles erlauben. Er dürfe ihnen ungestraft zwischen die Beine greifen oder sie küssen.

Die dritte Präsidentschaftsdebatte bietet Donald Trump die letzte Chance, vor einem zweistelligen Millionen-Publikum die Abwärtsspirale anzuhalten. Im Vorfeld tut er alles, sich selber zu schaden.  

Sehr geschickt tauchte Clinton fünf Tage lang ab, und überließ dem Rechtspopulisten die Bühne. Darauf traten nacheinander neun Frauen auf, die mehr oder weniger schwere Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Trump erhoben. Dessen wütende Unschuldsbeteuerungen klangen von Enthüllung zu Enthüllung unglaubwürdiger in den Ohren der Wählergruppe, die er bei diesen Wahlen ganz dringend braucht: weiße, verheiratete Frauen in den suburbanen Vororten Floridas, Ohios und Pennsylvanias, die tendenziell Republikaner unterstützen.

Da half auch der TV-Auftritt Trumps dritter Ehefrau Melania nicht mehr. Diesem fehlte nicht nur die Überzeugungskraft, er kam auch mehrere Tage zu spät. Statt die Kontroverse hinter sich zu lassen, sorgte Trump unmittelbar vor der Debatte dafür, ein Thema in den Schlagzeilen zu halten, mit dem er nicht gewinnen kann.

Clinton überließ es ihrerseits Michelle Obama, das Notwendige zu sagen. Sie selber hätte sich der Kritik an der Fortsetzung ihrer Ehe mit Bill geöffnet, der sich Frauen gegenüber nicht viel besser als Trump verhalten hat. In einer von Herzen kommenden Grundsatzrede zerstörte Michelle das Klischee, Männer hätten irgendwie einen Freifahrschein, mit Frauen zu tun, was sie wollten.

Trump muss Hillary auf den heißen Stuhl setzen

Die Kernschmelze Trumps spiegelt sich nun auch deutlich in den Umfragen wieder. Vor der Debatte liegt er national im Durchschnitt mit sieben Prozent hinter Clinton. In den entscheidenden Wechselwähler-Staaten fällt der Vorsprung der Demokratin knapper aus. Aber mit Ausnahme Ohios führt sie in allen „Swing-States“. Ihr Team kann es nun sogar wagen, bisher verlässlich republikanische Staaten wie Arizona und Utah ins Visier zu nehmen.

Damit liegt auf der Hand, was Trump in der letzten Debatte von Las Vegas erreichen muss. Die Scheinwerfer von sich weg zu lenken, und Hillary auf den heißen Stuhl zu setzen. Schützenhilfe könnte er von FOX-Moderator Chris Wallace bekommen, der gewiss den Finger in die Wunden der Kandidatin legen wird. 

Die von Russland gehackten Wikileaks-Emails liefern Trump Munition, die Glaubwürdigkeit Hillarys zu unterminieren. Vorausgesetzt, er behält die Disziplin, als souveräner Kritiker aufzutreten.

Clinton muss KO-Schlag vermeiden, wenn sie als Siegerin aus dem Duell hervorgehen will

Bisher hat Trump das nicht geschafft. Und die vergangenen Tage lassen nicht erwarten, dass er sich in Las Vegas zusammenreißen kann. Auf seinen Kundgebungen hat er einen bedenklichen Ton angeschlagen, der seine Gegnerin kriminalisiert und das Vertrauen in den demokratischen Prozess untergräbt.

Weil der notorische Narzisst einfach nicht glauben kann, an der Urne zurückgewiesen zu werden, muss es an einer großen Verschwörung aus „korrupten Politikern“ seiner eigenen Partei, der „Lügenpresse“ und einem „manipulierten System“ liegen, wenn er verliert. 

Der Rechtspopulist glaubt, er könne sich gegenüber den Wählern so verhalten wie den Frauen. Auch damit irrt er. Sollte Trump sich entscheiden, diese Freak-Show vor zweistelligem Millionen-Publikum in Las Vegas fortzusetzen, besiegelte er damit sein Schicksal. Für Clinton ist die Aufgabe diesmal leichter. Solange sie einen KO-Schlag vermeidet, geht sie als Siegerin aus dem Ring.

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erstellt am 18.Okt.2016 | 18:12 Uhr

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