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Politik

04. Dezember 2016 | 07:11 Uhr

US-Wahlen 2016 : Clinton vs. Trump: Die Stärken, Schwächen und Höhepunkte der TV-Debatte

vom

Was bleibt von ersten TV-Debatte zwischen Trump und Clinton hängen? Welche Höhepunkte gab es, was war bemerkenswert?

Hempstead | Darauf haben alle gewartet: Hillary Clinton und Donald Trump sind erstmals bei ihrem TV-Duell aufeinander getroffen - und die Demokratin hat dabei anscheinend besser abgeschnitten.

 

Die Vorbereitung: Clinton wirkte auf den Punkt top präpariert, manchmal sogar übervorbereitet, dann bekommt sie etwas Roboterhaftes. Trump allerdings ließ schnell klar werden, dass er von Briefings und Details tatsächlich nicht viel hält.

 

Vielleicht ein Schnupfen? War Trump erkältet? Mehrfach zog er vernehmlich die Nase hoch. Bei einem Ereignis, in dem jede Kleinigkeit festgehalten wird, durchaus bemerkenswert.

 

Die Art des Auftritts: Trump trat so auf, wie es sich das Clinton-Lager vermutlich erhoffte - als Donald Trump. Impulsiv, überraschend nervös, ungeduldig. Nicht präsidentiell. Clinton gelang es, ihn zu provozieren.

Clintons Lächeln: Manchmal konnte sie kaum an sich halten, schien sich auf die Antwort richtiggehend zu freuen, strahlte über das ganze Gesicht. Das kann auch gefährlich sein, überheblich wirken.

Vertauschte Farbenlehre: Clinton im lauten Rot, Trump mit blauer Krawatte - die Wetten vor dem Duell gingen fest davon aus, dass Clinton im demokratischen Blau aufträte und Trump das Rot der Republikaner trüge. Die erste Überraschung, wenn auch nur sehr äußerlich.

Wo ist Obama geboren? Trump wollte oder konnte keine klare Antwort geben, das jahrelang gestreute und von ihm verbreitete Gerücht der „Birther“ über einen angeblichen Geburtsort Obamas außerhalb der USA nicht aus der Welt räumen. Seine Antwort ergab keinen Sinn.

Trump und der Irak-Krieg: Dass Trump nochmals behauptete, er sei nie für einen Krieg der USA im Irak gewesen, macht es nicht richtiger. Er hat ihn nachweislich zunächst unterstützt.

Die Detailtiefe: Clinton nutzte den Abend, um ihre Politik vorzustellen, ihre Ideen und Ansätze. Trump nicht. Er blieb Konzepte und Details schuldig.

 

Die Unterbrechungen: Der Blog „538“ hat mitgezählt - 27 zu 5. Demnach unterbrach Trump seine Konkurrentin 27 Mal kurz oder vollständig, sie ihn nur fünfmal. Sie war bemerkenswert zurückhaltend, ließ Trump als Trump wirken. „Vox.com“ zählte, dass Clinton insgesamt von Trump und dem Moderator 70 Mal unterbrochen wurde, Trump nur 47 Mal.

Der Moderator: Ein wechselvoller Abend. Starke Momente, wenn er Trump in Sachen Irakkrieg oder Obamas Geburtsurkunde auf den Zahn fühlte, „fact checking“ betrieb. Ließ die Debatte aber auch sehr laufen, war manchmal unsichtbar, bekam dafür Lob und Kritik.

<p>Moderator Lester Holt.</p>

Moderator Lester Holt.

Foto: dpa
 

Trumps Steuererklärung: Anders als alle Kandidaten seit Jahrzehnten will er sie nach wie vor für sich behalten. Warum, konnte er nicht überzeugend begründen.

Das Repertoire: Wirkte auf beiden Seiten irgendwie bekannt. Viele Zitate waren nicht neu, die Themen oft besprochen, Positionen bekannt. Neue Anstöße, Überraschendes, Originelles präsentierten Clinton und Trump nicht.

Traffic im Netz: Top-Moment auf Facebook war Trumps Selbstlob für sein besonders gutes, ausgeglichenes Naturell.

 

Der Handschlag: Würden sich die beiden, die sich seit Monaten so hart angehen, überhaupt die Hände reichen? Ja. Sogar zweimal, vorher und nachher. Trump tätschelte Clinton zum Schluss sogar den Rücken.

<p>Zweimal reichten sie sich während der TV-Debatte die Hände - vorher und nachher.</p>

Zweimal reichten sie sich während der TV-Debatte die Hände - vorher und nachher.

Foto: dpa
 

Der Schlusssatz: „Ich werde das Ergebnis dieser Wahl auf jeden Fall mittragen“, sagte Clinton. Und Trump findet, nach einer gewundenen Antwort, diese überraschenden Worte: „Wenn sie gewinnt, werde ich sie uneingeschränkt unterstützen.“


Kommentar: Trump fehlt die Reife für das Präsidentenamt

Von Thomas Spang

Der Ausgang der ersten Präsidentschaftsdebatte hat einen klaren Verlierer: Donald Trump. Der Rechtspopulist bestätigte alle Vor-Annahmen, die Wähler über ihn hatten. Wie ein ungezogener Junge redete er dazwischen, zog Grimassen und ließ sich ein ums andere Mal provozieren. Hillary Clinton ging ihm so unter die Haut, dass sich der Narzisst sichtbar unwohl in derselben fühlte. 

Trump trank mehr Wasser in der 90-minütigen Debatte als ein Kamel am Wasserloch und schniefte wie eine altersschwache Lokomotive. Dass der blondierte Milliardär am Ende der Debatte das Stehvermögen seiner Konkurrentin in Frage stellte, kam vor diesem Hintergrund wie eine Farce rüber.

Clinton legte eine so gut wie fehlerfreie Debatte hin. Souverän erkannte sie ihren Fehler bei der Nutzung des privaten Email-Servers an und lächelte galant über andere Schwachstellen hinweg. Trump schaffte es nicht, das Misstrauen vieler Wähler gegenüber der früheren Außenministerin zu verstärken. Er ließ sie ungeschoren davon kommen, obwohl die Demokratin reichlich Angriffsflächen hat.

Der Kandidat kam schlecht vorbereitet rüber. Und Clinton beutete seine Schwäche mit einem Lächeln auf den Lippen aus. Von Trumps angeblichen Geschäftserfolgen über die Weigerung, seine Steuererklärungen offenzulegen bis hin zu seinen Idiotien über Barack Obamas Geburtsort und die frauenfeindlichen Sprüche.

Was immer Trump an Momentum vor der Debatte hatte, stoppte seine Konkurrentin im Rennen um das Weiße Haus auf der Bühne der Hofstra-Universität in New York. Trump nahm den Rat seiner Bewunderer zu wörtlich, einfach er selber zu sein. Eine dreistellige Millionenzahl an Zuschauern bekam genau das präsentiert. Schwer zu glauben, dass dieser Auftritt irgendeinen Unentschiedenen für Trump eingenommen hat.

Der Kandidat hat bestätigt, was nicht nur seine Gegner über ihn dachten: Dass Trump trotz fortgeschrittenen Alters die Reife für das Präsidentenamt fehlt.

 
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erstellt am 27.Sep.2016 | 07:31 Uhr

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