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Politik

03. Dezember 2016 | 22:48 Uhr

Neues Kabinett unter Theresa May : Boris Johnson wird britischer Außenminister: Das sind die Reaktionen

vom
Aus der Onlineredaktion

Premierminister wollte der Brexit-Befürworter nicht werden. Doch Außenminister schon. Macht das Königreich dadurch den Bock zum Gärtner?

London | Boris Johnson war auserkoren als Nachfolger von David Cameron, er sollte neuer Premierminister in Großbritannien werden. Doch Johnson wollte nicht. Er verschwand vom politischen Parkett, um kurze Zeit später wiederzukommen: Als britischer Außenminister. Dazu wurde er am Mittwoch von der neuen Premierministerin Theresa May ernannt. Viele fragen sich nun: Ist ausgerechnet Johnson als Brexit-Befürworter der richtige Mann für den Job? Das sind die Reaktionen.

 

Vehement forderte Johnson in der Brexit-Kampagne den Austritt Großbritanniens aus der EU. Dazu wird es nun wohl kommen. Auch die neue Premierministerin Theresa May lässt daran keine Zweifel, „Brexit bedeutet Brexit“, sagte sie. Die als konservativ geltende britische Tageszeitung „The Telegraph“ findet die Ernennung von Londons Ex-Bürgermeister zum britischen Außenminister eine „exzellente Idee“.

Johnson sei der richtige Mann für diesen Posten, weil er an den Brexit glaube, aber pro-europäisch sei. Er wolle zusätzliche Kontrolle über die Migration, aber sei für Einwanderung. Seine Ernennung würde dazu führen, „den Brexit als ein liberales und die Globalisierung befürwortendes Projekt zu zementieren.“ Johnson würde letztlich dabei helfen, dass der Euroskeptizismus nicht die Oberhand gewänne. Das würde der Fall sein, „wenn Ex-Befürworter eines EU-Verbleibs uns nun aus der EU herausführen“, schreibt der Telegraph. Das sehen längst nicht alle so.

In den sozialen Netzwerken halten viele britische Kommentatoren die Ernennung Johnsons zum Außenminister für einen schlechten Witz.

 

Auch deutsche Kommentatoren konnte die Ernennung nicht ernst nehmen:

 

Bis jetzt hat sich Johnson nicht gerade durch diplomatisches Geschick hervorgetan. Beispiele sind Zitate von ihm über die EU, in denen er den Staatenbund mit Hitler verglich oder dass er Barack Obamas „teilkenianische Wurzeln“ hervorhob, weil dieser die Churchill-Büste des Bildhauers Jacob Epstein bei seinem Einzug ins Weiße Haus in die britische Botschaft nach Washington verlegt hatte. Johnson schrieb, dass einige diese Handlung als Zeichen deutete, dass Obama aufgrund seiner Herkunft, dass Britisch Empire ablehne. Seine Aussage zu der kenianischen Herkunft wurde von vielen Seiten als rassistisch eingestuft.

Dass Johnson nicht gerade der geborene Diplomat zu sein scheint, zeigt auch sein Gebären beim Football spielen mit Kindern:

Die Grünen etwa halten Boris Johnson für eine Fehlbesetzung: Die Wahl „ist ein sehr schlechtes Signal für den Austrittsprozess und lässt Zweifel an den Fähigkeiten der neuen Premierministerin aufkommen“, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter. Parteichefin Simone Peter schloss sich dem an, Johnson werde in Europa und darüber hinaus „sein launenhaftes Unwesen treiben“, erklärte sie - das sei „kein gutes Signal“ für die Zusammenarbeit der Europäer mit Großbritannien. May habe „den Bock zum Gärtner gemacht“, sagte die Grünen-Chefin. Johnson werde sowohl die Tory-Partei als auch die Briten weiter spalten.

Ähnliche Reaktionen kamen auch von der SPD. „Frau May wirkt schwächer durch eine solche Personalentscheidung“, sagte der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner. Johnson sei bisher nicht als herausragender Diplomat in Erscheinung getreten. „Jetzt verhandelt er den Brexit. Gute Reise!“. Für Großbritannien und die EU dürften harte Zeiten anbrechen.

Von Bundeskanzlerin Angela Merkel gab es keinen Kommentar zu Johnson, sie sagte: „Ich glaube, unsere Aufgabe ist es, mit Regierungen befreundeter Länder sehr eng zusammenzuarbeiten. Die Welt hat genügend Probleme, um auch die außenpolitische Zusammenarbeit gut voranzubringen, so wie wir das in der Zusammenarbeit mit Großbritannien immer gemacht haben.“ Die Kanzlerin lud die neue Premierministein Theresa May nach Deutschland ein. Sie habe die Einladung am Mittwochabend bei einem Telefonat mit May ausgesprochen, sagte Merkel am Donnerstag in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Theresa May.“

(mit dpa)

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erstellt am 14.Jul.2016 | 11:24 Uhr

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