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Politik

11. Dezember 2016 | 11:05 Uhr

Hua Hin und Phuket : Bomben in Thailand: Polizei geht von nur einem Drahtzieher aus

vom
Aus der Onlineredaktion

Es seien zwei weitere, nicht explodierte Sprengsätze entdeckt worden. Polizei und Militärregierung sehen einen politischen Hintergrund.

Bangkok  | Nach der Bombenserie in mehreren Urlaubsorten in Thailand verfolgen die Ermittler erste Spuren. Die Polizei geht von einem einzigen Drahtzieher aus. Polizei und Militärregierung sehen einen politischen Hintergrund der Anschläge. Die Ermittler hätten bereits eine klare Vorstellung davon, wer der Kopf der Bombenleger sein könnte, sagte der stellvertretende Polizeichef Pongsapat Pongcharoen am Sonntag.

„Die Vorfälle stehen in Verbindung, sie waren über viele Gebiete genau geplant und ausgeführt und von einer Person gelenkt“, sagte er. Die Polizei veröffentlichte am Samstagabend ein Phantombild eines Verdächtigen.

Am Donnerstag und Freitag waren in fünf Städten im Süden des Landes mindestens zehn Sprengsätze explodiert. Die Täter hatten vor allem Urlauberorte im Visier. Vier Menschen starben, mehr als 30 wurden verletzt. Unter den verletzen Touristen waren auch vier Deutsche. Die Anschläge ereigneten sich an einem Feiertag. Bei den Toten handelt es sich nach Polizeiangaben um Thailänder.

Am Samstag wurden einem Bericht der „Bangkok Post“ zufolge zwei weitere nicht explodierte Sprengsätze in Phang Nga entdeckt. Dort hatte sich am Freitag einer der Anschläge ereignet. Auch eine Festnahme habe es laut Pongsapat bereits gegeben, und zwar in Verbindung mit einem Brand in einem Supermarkt in der Stadt Nakhon Si Thammarat. Das Feuer stehe in Zusammenhang mit den Bombenanschlägen, sagte Pongsapat. Die Behörden verstärkten die Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt Bangkok. Vor allem bei Touristen beliebte Orte und die Flughäfen werden stärker überwacht.

Hintergrund: Die neue Verfassung in Thailand

Gut zwei Jahre nach dem Militärputsch hatten die Thailänder am vergangenen Sonntag einer neuen Verfassung zugestimmt. Damit soll der Weg für Wahlen 2017 geebnet werden, wie die Militärregierung versprochen hat. Kritiker sagen dagegen, die Verfassung zementiere die Macht des Militärs. Durch die Verfassung sei das Militär ermächtigt, die 250 Mitglieder der zweiten Parlamentskammer selbst zu ernennen.

Politologen betrachteten die erste Abstimmung seit dem Putsch auch als Votum über die Militärherrschaft allgemein. Armeechef Prayut Chan-o-cha hatte im Mai 2014 nach monatelangen Straßenprotesten gegen die gewählte Regierung geputscht. Vorausgegangen waren in dem politisch tief gespaltenen Land fast zehn Jahre politischer Proteste.

Die rivalisierenden Lager sind auf der einen Seite Anhänger des schon 2006 gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra. Er hatte die große Mehrheit des Landes, die ärmere Stadt- und Landbevölkerung, mit populistischen Maßnahmen zu treuen Anhängern gemacht. Der Putsch 2014 ging gegen die Regierung seiner Schwester Yingluck, die mit dubiosen Rechtsauslegungen der Gerichte bereits Tage vorher abgesetzt worden war.

Auf der anderen Seite steht die Partei des alten Establishments um einige einflussreiche Familien, die die Geschicke des Landes seit Jahrzehnten bestimmten. Die Anführer beider Lager hatten den Verfassungsentwurf zurückgewiesen.

Die größten politischen Parteien - die Demokratische Partei und die Pheu Thai-Partei der 2014 gestürzten Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra - verurteilten die Anschläge. Beide Parteien hatten sich gegen die Verfassung ausgesprochen, die die Macht der Militärs zementiert. Vor allem die Pheu Thai-Partei, deren Unterstützer wegen ihrer Kleidung auch „Rothemden“ genannt werden, wird verdächtigt, in die Anschläge verwickelt zu sein. Die Partei wies dies zurück, berichtete die „Bangkok Post“.

Eine Verbindung zur der separatistischen Gewalt im Süden des Landes schließen die Ermittler weiterhin aus. Die Bomben ähnelten zwar Sprengsätzen, die bei Anschlägen in südlichen Provinzen zum Einsatz kämen, aber dennoch bestehe kein Zusammenhang, sagte Pongsapat. Separatisten fordern die Unabhängigkeit der drei südlichsten Provinzen des Landes. Seit 2004 starben mehr als 6000 Menschen bei Bombenanschlägen und Schießereien.

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erstellt am 14.Aug.2016 | 17:25 Uhr

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