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Politik

06. Dezember 2016 | 09:16 Uhr

Hua Hin und Phuket : Bomben in Thailand: Drahtzieher unbekannt, Lage „normal“

vom

Die Behörden versuchen, Bevölkerung und Urlauber zu beruhigen. Indes stieg die Zahl der verletzten Deutschen auf vier.

Bangkok | Nach der Bombenserie in mehreren thailändischen Urlaubsorten gibt es bislang keine Ermittlungserfolge. Motive und Drahtzieher bleiben unbekannt. Die Behörden versuchen aber, Bevölkerung und Urlauber zu beruhigen: Die Lage in den betroffenen Städten sei normal, teilte die Polizei am Samstag mit. Es habe keine weiteren Zwischenfälle gegeben. Die Zahl der verletzten Deutschen nach den Anschlägen stieg indes auf vier.

„Nach derzeitigen Erkenntnissen können wir bestätigen, dass sich ein vierter Deutscher unter den Verletzten befindet“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung berichtet, dass unter den Verletzten auch eine 17-Jährige aus Mannheim ist. Angaben zur Identität wollte das Auswärtige Amt jedoch nicht machen. Man gehe jedem Hinweis auf weitere Verletzte nach.

Am Donnerstagabend und am Freitag waren mindestens zehn Sprengsätze in fünf verschiedenen Orten, darunter im Badeort Hua Hin und auf der Urlauberinsel Phuket explodiert. Dabei wurden mindestens vier Menschen getötet und 35 weitere verletzt. Alle verletzten Ausländer seien mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden, teilten die thailändischen Behörden am Samstag mit. Im Visier der Attentäter waren hauptsächlich Touristenziele im Süden des Landes. Die Anschläge ereigneten sich an einem Feiertag. Bei den Toten handelt es sich nach Polizeiangaben um Thailänder.

Die Polizei werde die Auswertung der Beweise und DNA-Spuren bald abschliessen, sagte der stellvertretende Chef der nationalen Polizei, Pongsapat Pongcharoen. Noch gebe es keine Verdächtigen. „Wir hoffen aber, heute oder spätestens am Sonntag eine Liste von Verdächtigen zu haben“, kündigte er an. Ein politischer Aktivist wurde am Samstag vorübergehend festgenommen, andere Medienberichte über Festnahmen dementierte die Polizei.

Feiern für Königin finden statt

Die landesweiten Feiern anlässlich des 84. Geburtstags von Königin Sirikit fanden wie geplant statt. Auch hier bemühten sich die Militärmachthaber um Normalität. Bei seiner Geburtstagsansprache in der Hauptstadt Bangkok erwähnte Regierungschef Prayuth Chan-o-cha die Bomben nicht. Die Polizei geht zurzeit davon aus, dass am ehesten Gegner der Militärregierung und der vergangene Woche in einem Referendum beschlossenen neuen Verfassung hinter den Anschlägen stecken könnten. Seit einem Putsch im Mai 2014 regiert in dem südostasiatischen Land die Armee.

Hintergrund: Die neue Verfassung in Thailand

Gut zwei Jahre nach dem Militärputsch hatten die Thailänder am vergangenen Sonntag einer neuen Verfassung zugestimmt. Damit soll der Weg für Wahlen 2017 geebnet werden, wie die Militärregierung versprochen hat. Kritiker sagen dagegen, die Verfassung zementiere die Macht des Militärs. Durch die Verfassung sei das Militär ermächtigt, die 250 Mitglieder der zweiten Parlamentskammer selbst zu ernennen.

Politologen betrachteten die erste Abstimmung seit dem Putsch auch als Votum über die Militärherrschaft allgemein. Armeechef Prayut Chan-o-cha hatte im Mai 2014 nach monatelangen Straßenprotesten gegen die gewählte Regierung geputscht. Vorausgegangen waren in dem politisch tief gespaltenen Land fast zehn Jahre politischer Proteste.

Die rivalisierenden Lager sind auf der einen Seite Anhänger des schon 2006 gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra. Er hatte die große Mehrheit des Landes, die ärmere Stadt- und Landbevölkerung, mit populistischen Maßnahmen zu treuen Anhängern gemacht. Der Putsch 2014 ging gegen die Regierung seiner Schwester Yingluck, die mit dubiosen Rechtsauslegungen der Gerichte bereits Tage vorher abgesetzt worden war.

Auf der anderen Seite steht die Partei des alten Establishments um einige einflussreiche Familien, die die Geschicke des Landes seit Jahrzehnten bestimmten. Die Anführer beider Lager hatten den Verfassungsentwurf zurückgewiesen.

 

Im Süden des Landes gibt es zudem seit Jahren Widerstand gegen die Regierung in Bangkok. Separatisten fordern die Unabhängigkeit der drei südlichsten Provinzen des Landes. Seit 2004 starben mehr als 6000 Menschen bei Bombenanschlägen und Schießereien. Erste Ermittlungsergebnisse gingen jedoch nach Angaben der Polizei nicht in diese Richtung.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet Reisenden zu äußerster Vorsicht. Eine Reisewarnung für Thailand gab das Amt allerdings nicht heraus. Man solle große Menschenansammlungen meiden und die Medien verfolgen. Für Urlauber, die ihre geplante Reise stornieren oder umbuchen möchten, ist das ein wichtiger Unterschied: Ohne Reisewarnung sind sie auf die Kulanz des Veranstalters angewiesen.

 

Thailands Tourismusindustrie rechne mit kurzfristigen Reisestornos, berichtete die „Bangkok Post“. Langfristig mache man sich aber keine Sorgen, sagte Tourismusministerin Kobkarn Wattanavrangkul. Falls es einen Einbruch bei Buchengen gebe, werde sich die Industrie auch wieder erholen. Die sei auch bei dem Anschlag mit 20 Toten am Erawan-Schrein in Bangkok im August 2015 der Fall gewesen.

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erstellt am 13.Aug.2016 | 15:14 Uhr

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