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Politik

07. Dezember 2016 | 11:41 Uhr

Nach tödlichen Polizei-Schüssen : Ausgangssperre nach neuen Protesten in Charlotte

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach gewalttätigen Protesten gilt in Charlotte der Ausnahmezustand. Es kommt zu neuen Demonstrationen.

Charlotte/Tulsa | Nach neuen Protesten in der US-Großstadt Charlotte hat Bürgermeisterin Jennifer Roberts am Donnerstagabend eine Ausgangssperre verhängt. Die Maßnahme sollte um Mitternacht Ortszeit in Kraft treten und bis 6 Uhr morgens gelten, wie die Stadt im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte.

In verschiedenen Teilen der USA protestierten in der Vergangenheit immer wieder Menschen gegen die Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern. Dabei kam es immer wieder auch zur Eskalation der Gewalt. Erst am Freitag war ein Afroamerikaner in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma von Polizisten erschossen worden. Er soll unbewaffnet gewesen sein und seine Hände erhoben haben.

Auch nach Ablauf der Sperre waren Medienberichten zufolge noch zahlreiche Menschen auf den Straßen unterwegs. Die Demonstrationen seien weitgehend friedlich verlaufen. Zwei Beamte waren aber von Demonstranten mit einer chemischen Substanz besprüht worden und mussten behandelt werden, wie die Polizei auf Twitter mitteilte.

 

Zuvor hatten sich erneut hunderte Menschen versammelt, um gegen den Tod eines 43 Jahre alten Afroamerikaners zu protestieren. Er war am Dienstag von einem Polizisten erschossen worden. Der Gouverneur Pat McCrory hatte den Ausnahmezustand über der Stadt in North Carolina verhängt. Die Nationalgarde war im Einsatz. Es war die dritte Nacht mit Protesten. Die Familie des getöteten Scott appellierte an die Demonstranten, friedlich zu bleiben.

Von dem Vorfall gibt es Videoaufnahmen. Scotts Familie will, dass diese veröffentlicht werden. Die Angehörigen hätten die Aufzeichnungen am Donnerstag zu sehen bekommen und nun mehr Fragen als Antworten, teilten die Anwälte der Familie mit. Um Transparenz zu schaffen, müsse die Polizei diese nun auch öffentlich machen.

Zu den Umständen des Todes gibt es unterschiedliche Darstellungen. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden trafen Polizisten den Mann auf einem Parkplatz an. Er habe in einem Auto gesessen und sei bewaffnet gewesen, hieß es. Nach mehrfacher Aufforderung sei er ausgestiegen und habe die Polizisten bedroht. Daraufhin sei er erschossen worden. Polizeichef Kerr Putney sagte, neben dem 43-Jährigen sei eine Waffe gefunden worden.

Die Schwester des Getöteten erklärte dagegen, ihr Bruder sei unbewaffnet gewesen. Die Anwälte teilten mit, auf den Videos könne man nicht erkennen, ob Scott überhaupt etwas in der Hand gehalten habe. „Seine Hände waren an seiner Seite, und er ist langsam rückwärts gegangen, als er getroffen und getötet wurde.“

In Charlotte stellt sich eine Frau Polizisten entgegen. Nach Zusammenstößen bei Protesten gegen Polizeigewalt ist in der US-Stadt der Ausnahmezustand ausgerufen worden.
In Charlotte stellt sich eine Frau Polizisten entgegen. Nach Zusammenstößen bei Protesten gegen Polizeigewalt ist in der US-Stadt der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Foto: Caitlin Penna

Der Fall löste in der Stadt heftige Proteste aus. In der Nacht zu Donnerstag wurde ein Mann angeschossen. Er starb am Abend im Krankenhaus. Nach Angaben der Behörden wurde der Schuss nicht von einem Polizisten abgegeben.

Der Tod des 43-Jährigen war der zweite Fall von Polizeigewalt innerhalb weniger Tage. In Oklahoma erhob die Staatsanwaltschaft am Donnerstag Anklage gegen eine Polizistin. Sie soll am vergangenen Freitag einen unbewaffneten Schwarzen erschossen haben. Die Polizei veröffentlichte Videos des Vorfalls. Darin ist zu sehen, wie der Mann mit erhobenen Händen auf einer Straße langsam auf ein stehendes Auto zugeht. Von hinten nähern sich ihm vier Polizisten mit gezogenen Waffen. Dann fällt der Mann blutüberströmt zu Boden. Das US-Justizministerium leitete in dem Fall eigenständige Ermittlungen wegen einer möglichen Verletzung von Bürgerrechten ein.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 07:33 Uhr

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