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Politik

03. Dezember 2016 | 05:42 Uhr

Terrorismus : Attentäter von Nizza soll «Soldat des IS» gewesen sein

vom

Der Attentäter von Nizza war entgegen ersten Erkenntnissen vermutlich doch ein Islamist. Die Vernehmungen mehrerer Festgenommener aus seinem nächsten Umfeld deuteten darauf hin.

Der Mann, der mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge raste, hatte sich vor recht kurzer Zeit dem radikalen Islam zugewandt, berichteten französische Medien am Wochenende unter Berufung auf Polizeiquellen.

Die der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahestehende Nachrichtenagentur Amak bezeichnete den 31-jährigen Tunesier, der mindestens 84 Menschen tötete und mehr als 300 verletzte, als «Soldat» des IS.

Drei Tage nach dem Anschlag vom Donnerstagabend schwebten immer noch 18 Verletzte in Lebensgefahr, darunter ein Kind. Insgesamt seien noch 85 Menschen in Krankenhäusern, 29 lägen auf der Intensivstation, sagte die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine laut Nachrichtenagentur afp.

Der Fernsehsender BFMTV berichtete am Sonntag, dass der seit langem in Nizza lebende Lieferwagenfahrer Mohamed Lahouaiej-Bouhlel noch kurz vor der Tat in mehreren SMS «mehr Waffen» verlangt habe. Die SMS soll er an einen der Männer geschickt haben, die nach der Tat festgenommen wurden.

Kurz danach bog der Mann auf den für LKW eigentlich verbotenen Küstenboulevard Promenade des Anglais ein. Er fuhr dort etwa 1,4 Kilometer, überfuhr dabei schon einige Passanten und gelangte dann an die Stelle, wo die Polizei die Straße für den Nationalfeiertag unter anderem mit Streifenwagen abgesperrt hatte.

Der Mann fuhr einfach über den breiten Bürgersteig und raste mit hoher Geschwindigkeit in die Menschenmenge, die dort das Feuerwerk angeschaut hatte. Er kam nach Überwinden der Sperre den Berichten zufolge in 45 Sekunden noch 500 Meter weit und wurde dann von der Polizei erschossen. Davor hatte er noch mit einer Pistole um sich geschossen. Am Sonntag wurde bekannt, dass er am vorigen Dienstag und Mittwoch die Zone ausgespäht hatte.

Der Mann war zu Lebzeiten nicht bei Polizei und Geheimdiensten als Islamist aktenkundig, sein Name fand sich in keiner der einschlägigen Datenbanken. Er wurde auch von etlichen Menschen, die ihn von früher kannten als nicht religiös beschrieben. Deshalb gab es zunächst Skepsis hinsichtlich eines islamistischen Motivs.

Nach der Tat wurden seit Freitag insgesamt fünf Männer und zwei Frauen aus seinem Umfeld festgenommen. Eine der Frauen, seine frühere Ehefrau, wurde am Sonntag wieder freigelassen.

Die ersten Vernehmungen sollen darauf hindeuten, dass er sich erst recht kurz vor der Tat dem radikalen Islam zuwandte. Er habe auch aufgehört, Alkohol zu trinken, berichtete die Zeitung «Le Parisien». Nach anderen Medienberichten leerte er kurz vor der Tat sein Konto und schickte 100 000 Euro an seine Familie in Tunesien.

Innenministers Bernard Cazeneuve sagte, der Mann könnte sich sehr schnell radikalisiert haben. Menschen, die für die Botschaften des IS zugänglich seien, ließen sich für extrem brutale Aktionen gewinnen, ohne unbedingt dafür ausgebildet worden zu sein. Cazeneuve rief am Samstagabend alle patriotischen Franzosen zum freiwilligen Polizeidienst auf.

In ganz Frankreich hatte am Samstag eine dreitägige Staatstrauer begonnen. Am Montagmittag soll es eine Schweigeminute geben. Danach werde die Promenade des Anglais wieder ganz für den Verkehr geöffnet, teilte die Stadt Nizza mit.

Unter den Opfern von Nizza sind auch zahlreiche Ausländer. Unklar war bis zum Sonntag das Schicksal der drei vermissten Berlinerinnen. Das Auswärtige Amt hatte am Freitagabend nur bestätigt, dass unter den Verletzten eine Deutsche sei, ging aber generell davon aus, dass sich Deutsche unter den Todesopfern befinden. Berlin gedenkt an diesem Montag mit einem ökumenischen Gottesdienst der Opfer des Anschlags. Es wird befürchtet, dass die vermisste Lehrerin und die zwei Schülerinnen zu den Toten gehören.

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erstellt am 17.Jul.2016 | 15:44 Uhr

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