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Politik

10. Dezember 2016 | 06:10 Uhr

Terrorismus in Frankreich : Anschlag in Nizza: Was wir wissen – und was nicht

vom

Ein Mann rast mit einem LKW in eine Menschenmenge in Nizza. shz.de fasst den Nachrichtenstand zusammen und nennt offene Fragen.

Mindestens 84 Menschen sind in Nizza in Südfrankreich ums Leben gekommen, als ein Mann am französischen Nationalfeiertag mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge raste. Noch sind viele Fragen offen.

Was wir wissen

- Gegen 23 Uhr am Donnerstagabend rast ein Mann mit einem Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge auf der Flaniermeile Promenade des Anglais. Er kommt etwa zwei Kilometer weit. Die Straße war für Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag gesperrt.

- Am Steuer des Lastwagens sitzt ein 31 Jahre alter Franzose tunesischer Herkunft, gemeldet in Nizza. Das berichten französische Medien unter Berufung auf Polizeikreise. Der Mann war verheiratet und hatte eine kriminelle Vergangenheit.

Er sei wegen Waffengewalt zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, sagte Staatsanwalt François Molins am Freitag in Nizza. Dabei ging es nach Angaben der französischen Behörden um einen Streit nach einem Verkehrsunfall, bei dem der Mann eine Holzpalette auf seinen Kontrahenten geworfen habe.

- Die Polizei tötet den Fahrer. Auf Bildern sind Einschusslöcher in der Windschutzscheibe zu sehen, auf Videoaufnahmen Schüsse zu hören.

- Mindestens 84 Menschen werden getötet, darunter Kinder. Nach Angaben der französischer Gesundheitsbehörden schweben noch 48 in akuter Lebensgefahr. Auch zwei Schüler und eine Lehrerin aus Berlin sind bei dem Anschlag in Nizza ums Leben gekommen. Das bestätigt das Bezirksamt Berlin-Charlottenburg.

- Es gibt keine Geiselnahme. Entsprechenden Medienberichten widerspricht das französische Innenministerium.

- Frankreichs Präsident François Hollande will den Ausnahmezustand in Frankreich, der am 26. Juli hätte enden sollen, um drei Monate verlängern. Kabinett und Parlament sollen kommende Woche darüber beraten. Um nach dem Anschlag von Nizza die Polizei zu entlasten, setzt Frankreich auf Reservisten der Gendarmerie.

- Hollande ordnet eine dreitägige Staatstrauer an.

- Hollande spricht vom „terroristischen Charakter“ der Tat, Innenminister Bernard Cazeneuve nennt den Fahrer des Lastwagens einen Terroristen.

Was wir nicht wissen

- Bisher ist nichts über den Hintergrund der Tat bekannt. Präsident Hollande sagte, das ganze Land sei vom islamistischen Terror bedroht.

Ob der Täter einen islamistischen Hintergrund hat, ist aber unklar.

- Offen ist auch, ob es sich um einen Einzeltäter handelt. Im Lastwagen war der Mann alleine, über Hintermänner war zunächst nichts bekannt. Hollande sagte, es gebe bisher keine Hinweise auf Komplizen.

- Unklar ist desweiteren, wie der Lastwagen ungehindert in die Fußgängerzone fahren konnte. Frankreich befindet sich seit den Pariser Terror-Anschlägen vom 13. November im Ausnahmezustand. Die Straße in der Nähe der Promenade des Anglais war nicht für den Verkehr gesperrt.

- Auf der Strandpromenade befanden sich zum Zeitpunkt des Feuerwerks rund 30.000 Menschen. Offensichtlich gab es während der Feierlichkeiten keine erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.

 
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erstellt am 15.Jul.2016 | 17:08 Uhr

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