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Mindestens 30 Tote : Angriff auf Militärklinik in Kabul beendet – Alle Terroristen tot

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Täter hatten sich mitten in der Klinik verschanzt. Inzwischen soll der Einsatz beendet sein.

Kabul | Bei dem Angriff von vier Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf ein großes Militärkrankenhaus in Kabul sind sehr viel mehr Menschen getötet worden als ursprünglich angenommen. Mindestens 30 Menschen seien ums Leben gekommen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministerium, Daulat Wasiri, am frühen Mittwochabend. Rund 60 Menschen seien verletzt worden. Fast alle Opfer seien Patienten, Besucher und Personal. Zuvor hatten er und Sprecher des Gesundheitsministeriums von drei bis vier Toten gesprochen. Dazu kamen zwei Angreifer.

Es ist der vierte große Anschlag in Kabul seit Jahresbeginn - diesmal trifft er ein Krankenhaus, in dem auch die Familien von Soldaten und Polizisten behandelt werden. Schon im vergangenen Jahr war in Kabul die Zahl der Anschlägen stark gestiegen. Die Zahl der zivilen Opfer wuchs laut UN innerhalb eines Jahres um 75 Prozent.

Der Angriff hatte um kurz nach 9 Uhr morgens (Ortszeit) begonnen, konnte aber mithilfe von Spezialkräften erst nach sieben Stunden beendet werden. Ein IS-Kämpfer hatten sich am Eingang der Klinik in die Luft gesprengt, die anderen verschanzten sich auf mehreren Stockwerken, schossen um sich und warfen Handgranaten. Patienten, Besucher und Personal hatten die Sicherheitskräfte erst am frühen Nachmittag aus dem umkämpften Gebäude schaffen können.

Der IS gab in einer Stellungnahme via seines Sprachrohrs – der Nachrichtenagentur Amak – an, mindestens 100 Menschen getötet zu haben. Erst am 1. März hatten radikalislamische Taliban bei Anschlägen auf eine Polizeistation und ein Geheimdienstbüro 23 Menschen getötet und mindestens 107 verletzt. Bei einem Angriff des IS auf ein Gericht wurden im Februar mindestens 22 Menschen getötet und mindestens 41 weitere verletzt. Im Januar starben bei einem Talibanangriff auf das Parlament 37 Menschen. Um die 100 wurden verletzt.

Kleinere Anschläge, vor allem auf Fahrzeuge von Polizei und Armee oder auf Sicherheitsposten, gibt es in Kabul mitunter mehrmals wöchentlich und stadtweit. Größere konzentrieren sich oft auf zwei Brennpunkte. Ein Stadtviertel liegt im Norden, eines im Westen von Kabul. Beide sind schwer gesichert mit Sprengmauern, Schranken und Polizeiposten. Dass es immer wieder Anschläge gibt, liegt daran, dass solche Maßnahmen wenig ausrichten gegen einzelne Selbstmordattentäter oder kleine Gruppen, die zu Fuß oder mit unauffälligen Fahrzeugen unterwegs sind.

Die Brennpunkte in Kabul

Wasir Akbar Khan:
Im teuren Viertel im Nordosten der Stadt liegen viele Botschaften sowie Büros und Gästehäuser internationaler Organisationen. Das Hauptquartier der Nato-Mission Resolute Support ist nicht weit, die deutsche Botschaft liegt am Rand des Viertels. Aber auch wichtige afghanische Institutionen sind hier, unter anderem der Präsidentenpalast.

In Wasir gibt es seit Jahren schweren Anschläge. Ein Beispiel: Im Januar 2014 griffen Taliban das bei Afghanen und Ausländern beliebte Restaurant „Taverna du Liban“ an und töteten 20 Menschen - teilweise mit Kopfschüssen an ihren Tischen. Erst im Februar waren nahe dem Viertel bei einem Anschlag der Terromiliz Islamischer Staat auf das höchste Gericht des Landes mindestens 22 Menschen gestorben.

Kart-e Seh:

In diesem Viertel im Südwesten der Stadt liegen unter anderem das Parlament, Ministerien und die große Amerikanische Universität. Erst im Januar waren bei einem Taliban-Anschlag vor dem Parlament mindestens 37 Menschen getötet und um die 100 verletzt worden. Im August hatten Talibankämpfer die Amerikanische Universität angegriffen und mindestens 14 Studenten und Lehrer getötet.

Auf der Darulaman-Prachstraße im Viertel gibt es regelmäßig Selbstmordanschläge auf Regierungsbusse, die Mitarbeiter nach Hause bringen. Im Januar 2016 hatten Taliban hier auch ein Fahrzeug des TV-Senders Tolo angegriffen und sieben Mitarbeiter getötet.

 
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erstellt am 08.Mär.2017 | 14:10 Uhr

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