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Politik

03. Dezember 2016 | 05:47 Uhr

CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur 2017 : Angela Merkel: Will weiter meinen Dienst für Deutschland tun

vom

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat offiziell ihre Bereitschaft angekündigt, erneut für den CDU-Vorsitz und auch für die Kanzlerkandidatur 2017 anzutreten.

Berlin | Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat offiziell ihre Bereitschaft angekündigt, erneut für den CDU-Vorsitz und auch für die Kanzlerkandidatur 2017 anzutreten. Die Menschen hätten in diesen Zeiten wenig Verständnis, „wenn ich jetzt nicht noch einmal meine ganze Erfahrung und das, was mir an Gaben und Talenten gegeben ist, in die Waagschale werfen würde, um meinen Dienst für Deutschland zu tun“, sagte Merkel am Sonntagabend in Berlin. „Ich habe sprichwörtlich unendlich viel darüber nachgedacht. Die Entcheidung für eine vierte Kandidatur ist nach elf Amtsjahren alles andere als trivial.“

Merkel hatte auch schon zuvor erklärt, dass ihrer Ansicht nach der Parteivorsitz und das Kanzleramt in Personalunion zu führen sind. In den vergangenen Tagen waren immer mehr Unionspolitiker davon ausgegangen, dass sie für beide Ämter erneut antreten wird. Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel machte deutlich, dass er damit rechnet.

Von der Physik in die Politik: Merkels märchenhafte Karriere

Angela Merkel erklomm im April 2000 als erste Frau die Spitze der von Männern dominierten CDU - in den Turbulenzen der Parteispendenaffäre. Vorher war sie Generalsekretärin unter dem damaligen Partei- und Fraktionschef Wolfgang Schäuble. Merkel forderte die CDU 1999 auf, sich vom Übervater Helmut Kohl zu emanzipieren, der die Namen von Spendern nicht nannte und sich so über das Gesetz stellte.

2005 wurde die Pfarrerstochter aus der DDR als erste Frau in Deutschland auch Bundeskanzlerin. Und mit damals 51 Jahren war sie bei der Amtsübernahme jünger als alle ihre Vorgänger. Seither führte sie zunächst eine schwarz-rote, dann eine schwarz-gelbe und seit 2013 wieder eine große Koalition. 2002 hatte sie nach langem Tauziehen noch zugunsten des damaligen CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber auf die Kanzlerkandidatur verzichtet. Rot-Grün gewann erneut die Wahl. Merkel verdrängte dann Friedrich Merz als Bundestagsfraktionschef und führte die CDU- und CSU-Abgeordneten bis 2005.

In die Politik kam die Physikerin überhaupt erst mit der Wende. 1989 trat sie zunächst dem «Demokratischen Aufbruch» bei, 1990 dann der CDU. 1990 war sie auch Vize-Regierungssprecherin der letzten DDR- Regierung unter Lothar de Maizière und wurde schon Mitglied im Bundestag. Von 1991 bis 1998 war sie CDU-Vizevorsitzende unter Kohl und auch als Bundesministerin in seinem Kabinett.

Merkel wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren, zog mit der Familie dann nach Ostdeutschland. Sie ist in zweiter Ehe mit Joachim Sauer verheiratet.

 

Die CDU wählt am 6. Dezember beim Bundesparteitag in Essen ihre Spitze neu. Merkel ist seit April 2000 CDU-Vorsitzende und seit November 2005 Kanzlerin. Sollte sie 2017 zum vierten Mal gewinnen, hat sie die Chance, CDU-Mitbegründer Konrad Adenauer und auch Rekordhalter Helmut Kohl einzuholen. Adenauer war 14 Jahre, Kohl 16 Jahre Bundeskanzler.

Merkel gilt trotz der Flüchtlingskrise im vorigen Jahr und trotz der daraufhin einbrechenden Beliebtheitswerte für sie persönlich und die ganze Union als konkurrenzlos in der CDU. International wird sie nach dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA als letzte Verteidigerin westlicher Werte gesehen. Der scheidende US-Präsident Barack Obama nannte sie „zäh“ und erklärte bei seinem Abschiedsbesuch am Donnerstag, wäre er Deutscher, würde er sie wählen.

Foto: dpa-Infografik
 

Die Christdemokraten berieten am Sonntag über einen Leitantrag für den Parteitag, der auf Merkel zugeschnitten ist. Der Titel lautet: „Orientierung in schwierigen Zeiten – für ein erfolgreiches Deutschland und Europa“. Die CDU will enttäuschte Wähler zurückgewinnen. Nötig seien konkrete Lösungen, „auch wenn ihre erfolgreiche Umsetzung manchmal schwierig ist und Zeit braucht“.

Die CDU-Politik soll stärker auf Familien und Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ausgerichtet und das gesetzliche Eintrittsalters nach dem Willen der Partei offenbar an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden. Eine Flüchtlingskrise wie 2015 soll sich nicht wiederholen. Integrationsverweigerer sollen mit Sanktionen bis hin zu Leistungskürzungen und Ausweisung rechnen.

Der Vorsitzende der Hamburger CDU, Roland Heintze, hat die erneute Kandidatur Angela Merkels für den CDU- Vorsitz und das Kanzleramt begrüßt. „Gerade in diesen unruhigen Zeiten ist eine verlässliche Politik für Deutschland entscheidend.

Angela Merkel genießt großes Vertrauen in der deutschen Bevölkerung und bringt die Erfahrung mit, um unser Land auch in Zukunft weiter voranzubringen“, teilte Heintze am Sonntag mit. Er sei sicher, dass Merkel große Unterstützung „auch aus der CDU Hamburg bekommt“. Nun gehe es darum, im Bundestagswahlkampf die richtigen Akzente bei der äußeren und inneren Sicherheit sowie für den wirtschaftlichen Wohlstand zu setzen.

Stärken und Schwächen von Angela Merkel:

Ausdauer

Merkel schreibt sich selbst „kamelartige Fähigkeiten“ zu: Reserven anlegen, dosiert einsetzen. Krank ist sie selten - wenn
doch, erfährt man es in der Regel nicht. Man muss wohl Nerven aus Stahl haben, um Kanzleramt und Parteivorsitz zu meistern. US-Präsident Barack Obama sagt, Merkel sei „hart“, „tough“ und „zäh“.

Geduld

Merkel kann zuhören - und abwarten. Selten reagiert sie im Affekt. Reißt ihr aber die Hutschnur, ist Feierabend. Wie bei der Entscheidung für Sanktionen gegen Russland wegen des Ukraine- Konflikts oder der Entlassung von Norbert Röttgen aus ihrem Kabinett.

Ideologiefrei

Merkel zeigt sich erst einmal für alles offen und denkt nicht in Grenzen - auch nicht in denen ihrer Partei. Das führt zu Konflikten mit der Schwesterpartei CSU und auch mit der CDU-Basis.

Uneitel

Anhänger wie Gegner schätzen Merkels Bodenhaftung, ihre unaufgeregte Art. Keine Skandale, keine Eskapaden. Sie ist unprätentiös und gilt als unbestechlich. Geld interessiert sie nicht so sehr. Sie verdiene genug, hat sie einmal gesagt. Auf etwa 300.000 Euro wird das Jahresgehalt geschätzt, das die Regierungschefin für ihre Verantwortung für rund 80 Millionen Menschen bekommt. Ein Bruchteil der Summen von Firmenbossen mit einigen Tausend Beschäftigten. Ihr Lohn sei die Macht, soll Merkel einmal gesagt haben. Die Macht, dass es am Ende so gemacht wird, wie sie es will.

Kein Redetalent

Merkel kann ein Publikum nur selten mitreißen. Öffentlich formuliert sie oft umständlich und wenig pointiert. Im kleinen Kreis ist sie dagegen humorvoll und selbstironisch.

Keine Nachwuchsförderung

Dass die CDU in den vergangenen Jahren nie einen anderen Namen als Merkel für den Parteivorsitz und die nächste Kanzlerkandidatur genannt hat, zeigt auch, wie wenig sich Merkel um die Förderung von Talenten bemüht hat. Konkurrenten hat sie oft kalt gestellt.

Keine Visionen

Kritiker beklagen, Merkel habe keine eigenen Ziele, sondern sammele Ideen anderer und suche dann die Mehrheitsmeinung. In der Flüchtlingskrise bewies sie exakt das Gegenteil.

 
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erstellt am 20.Nov.2016 | 19:43 Uhr

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