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Aktion #BedForAwayFans : Als auf einmal fünf Monaco-Fans in meinem Wohnzimmer schliefen

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#BedForAwayFans: Über diesen Hashtag boten Dortmunder Monaco-Fans Schlafplätze an. Unser Autor war einer von ihnen.

Nach der Absage des Champions-League-Spiels des BVB gegen Monaco entstand im sozialen Netzwerk Twitter eine bemerkenswerte Aktion: Unter dem Hashtag #BedForAwayFans boten Dortmunder den in der Stadt gestrandeten Monaco-Fans eine Bleibe für die Nacht an. Thomas Thiel, Redakteur der Ruhr Nachrichten in Dortmund, war einer von ihnen - und hatte kurze Zeit später fünf angetrunkene Franzosen im Wohnzimmer liegen.

Eigentlich wollte ich an diesem Abend mit Fußball nix zu tun haben: Ich war mit einem Freund bei einem Konzert in Bochum, eine entspannte Nummer mit ein paar Bier und guter Musik. Ich war erst gegen 23.30 Uhr wieder zuhause. Als ich mich auf den letzten Stand brachte, flog bei Twitter das Hashtag #BedForAwayFans an mir vorbei.

Dort boten Dortmunder Übernachtungsmöglichkeiten für obdachlose Monegassen an. Spitzen-Idee, dachte ich - und entschied spontan, da mitzumachen. Ich setzte diesen Tweet ab.

Und tatsächlich: Um 0.40 Uhr meldete sich ein User namens Matt. Sie seien fünf Monaco-Fans, die gerade durch die Stadt irren würden, ob sie nicht bei mir schlafen könnten. Ich musste dann doch kurz schlucken: Meine Wohnung im Kreuzviertel ist nicht die größte, außerdem tanzten in meinem Kopf plötzlich fünf volltrunkene und grölende Hooligans auf meinem Esstisch. Außerdem: War es wirklich so eine gute Idee, mir ein paar Wildfremde ins Haus zu holen? Was, wenn die was mitgehen lassen? 

Aber gut, Angebot ist Angebot, ich lud Matt und seine Freunde zu mir ein. Wir vereinbarten einen Treffpunkt an einer Kreuzung in der Nähe. Sollten es tatsächlich johlende Zwei-Meter-Stiernacken sein, könnte ich mich immer noch verstecken, dachte ich.

Schwankende Fans mit einer Mammutflasche Wodka

So stand ich um 1.30 Uhr mit etwas mulmigem Gefühl an der menschenleeren Kreuzung. Und tatsächlich: Matt und seine Freunde tauchten auf, etwas schwankend zwar und mit einer leeren Mammutflasche Wodka bewaffnet, aber durchaus sympatisch. Schmale Endzwanziger, die rot-weiße Monaco-Trikots unter dem Hoodie und den Fanschals um den Hals trugen. Auf dem Weg zur Wohnung unterhielten wir uns in schlechtem Englisch - mein Schul-Französisch ist circa 2005 den natürlichen Tod des Vergessens gestorben.

Im richtigen Leben heißt Matt Erwan und kommt aus Nantes an der Atlantikküste. Zusammen mit seinen Kumpels war er am frühen Dienstagmorgen um 3 Uhr in einen Bus gestiegen und 14 Stunden nach Dortmund gefahren. Nach dem Spiel sollte es eigentlich noch am gleichen Abend wieder zurück gehen. Doch dann kam der Anschlag dazwischen - und Erwan und seine Jungs saßen plötzlich in Dortmund fest.

Harter Dielenboden als Schlafplatz

Aus der befürchteten Hausparty auf meinem Esstisch wurde nix. Meine Franzosen waren einfach nur müde - klar, nachdem sie 24 Stunden auf den Beinen gewesen waren und fast genauso lange ein Bier oder eben die 3-Liter-Wodka-Flasche in den Händen gehalten hatten. Es störte sie noch nicht einmal, dass ich nur eine Gästecouch für zwei Personen hatte. Die anderen legten sich auf meinen harten Dielenboden und waren schnell weg. Und das einzige, was sie davor haben wollten, war das WLAN-Passwort.

Am nächsten Morgen um 8 Uhr weckte ich die verkaterten Jungs auf. Ich musste zur Arbeit, und so weit ging das Vertrauen dann doch nicht, als dass ich sie alleine in meiner Wohnung lassen wollte. Nach einer Runde schwarzem Kaffee kehrten ihre Lebensgeister zurück. Das Wohnzimmer roch wie eine Jaguarhöhle, doch die Kissen und Decken, die ich meinen Franzosen gegeben hatte, lagen am Ende fein säuberlich gestapelt auf der Couch. 

Zum Abschied bedankten sich meine Übernachtungsgäste überschwänglich. Sie schenkten mir einen ihrer Fanschals und das Versprechen, dass ich ab sofort immer ein Bett in Nantes haben würde. Dann gingen sie - ganz unfranzösisch - zum Frühstücken zu Mc Donald's.

Wir bedanken uns bei den Ruhr Nachrichten, dass wir diesen Artikel übernehmen durften.

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erstellt am 12.Apr.2017 | 15:09 Uhr

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