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Nach Anschläge auf Kirchen : Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi verhängt Ausnahmezustand

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Ägypten erlebt einen der blutigsten Tage der letzten Jahre. Der Terror trifft die christliche Minderheit des Landes.

Kairo | Nach den verheerenden Anschlägen in Ägypten hat Präsident Abdel Fattah al-Sisi am Sonntag für die nächsten drei Monate den Ausnahmezustand ausgerufen. In einer Fernsehansprache am Abend erklärte Al-Sisi: „Die Auseinandersetzung mit den Terroristen wird lang und schmerzhaft sei.“ Er warf anderen Ländern vor, den Terrorismus in Ägypten zu unterstützen - nannte aber kein bestimmtes Land.

Bei Anschlägen auf christlich-koptische Kirchen in den nordägyptischen Städten Tanta und Alexandria waren am Sonntag mehr als 40 Menschen getötet und etwa 120 verletzt worden. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert die Bluttat für sich. Die Dschihadisten, die seit Jahren im Norden der unruhigen ägyptischen Sinai-Halbinsel aktiv sind, zielen seit Monaten verstärkt auf die Millionen Christen im Land, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Zuvor hatte der Präsident bereits der Armee befohlen, wichtige Gebäude des Landes zu schützen. Damit solle die Polizei unterstützt werden, berichtete das staatliche Fernsehen. Das Militär spielt in Ägypten eine sehr wichtige Rolle und und war bereits vor den Anschlägen vom Sonntag allgegenwärtig in der Öffentlichkeit.

Hintergrund: Die Kopten sind eine sehr alte christliche Kirche

Die koptisch-orthodoxe Kirche führt ihren Ursprung auf den Evangelisten Markus zurück. Der Autor des ältesten der vier Evangelien soll im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Ägypten gewirkt und in Alexandria den Märtyrertod gestorben sein. Der Name Kopten leitet sich über das Arabische aus dem griechischen Wort „aigyptios“ ab und heißt damit eigentlich nichts anderes als Ägypter.

Heute sind rund zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung Kopten, wobei die Zahlenangaben stark schwanken. Geistiges Oberhaupt ist seit 2012 Papst Tawadros II. Zu den bekanntesten ägyptischen Christen zählte der frühere UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali (1922-2016).

Die koptische Kirche hatte sich wegen theologischer Gegensätze schon im 5. Jahrhundert von der römischen Reichskirche abgespalten. Nach der arabischen Eroberung Ägyptens im 7. Jahrhundert traten viele Ägypter zum Islam über, nicht wenige blieben aber ihrem alten Glauben treu.

In der christlichen Kultur des Landes spielt die vom Evangelisten Matthäus geschilderte Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten eine besondere Rolle. Noch heute werden verschiedene Stätten als mutmaßliche Aufenthaltsorte von Maria, Josef und dem Jesuskind heilig gehalten. Das koptische Kirchenjahr richtet sich nach dem Julianischen Kalender, der dem Gregorianischen Kalender der Westkirchen um 13 Tage hinterherläuft. Im Jahr 2017 fällt aber der Ostersonntag in Ost wie West auf den 16. April.

 

Der Terror ist eines der größten Probleme von Staatschef Abdel Fattah Al-Sisi. Noch vor einem Monat stand er im Präsidentenpalast neben einer Besucherin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, und verteidigte seine autoritäre Führung angesichts der Terrorbedrohung, die man zur Kenntnis nehmen müsse. „Dann würden sie verstehen, warum wir solche Maßnahmen treffen.“ Ägypten wünsche niemandem die Bedrohungen, die es selbst erleide. Er sagte auch, niemandem sei es erlaubt, eine Kirche anzugreifen.

Kritiker halten Al-Sisi allerdings entgegen, dass er mit der rigorosen Bekämpfung aller - auch gemäßigter - Islamisten die nächste Generation von Extremisten heranzüchte.

Merkel bescheinigte den Christen am Nil vor ihrem Besuch noch „eine sehr gute Situation für die Ausübung ihrer Religion“. Ägypten sei in dieser Hinsicht „beispielhaft“. Und in der Tat leben Christen und Muslime in Ägypten, das Ende April von Papst Franziskus besucht werden soll, größtenteils friedlich Seite an Seite.

Doch der IS könnte vereinzelte Spannungen nun verschärfen. Nach einer Mordserie auf dem Sinai mussten zuletzt Hunderte Kopten in andere Landesteile fliehen. Die Christen in Ägypten, sie dürften sich so bedroht fühlen wie lange nicht. Unter dem islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi, der 2013 gestürzt wurde, befürchteten viele die Unterdrückung durch den Staat. Heute haben sie Angst vor roher Gewalt.

Foto: dpa

Das Auswärtige Amt weist auf das Terrorrisiko auch für Ausländer in Ägypten hin. „Es besteht landesweit ein erhöhtes Risiko terroristischer Anschläge und die Gefahr von Entführungen. Diese können sich auch gegen ausländische Ziele und Staatsbürger richten“, teilte die Behörde am Montag in Berlin mit. Bei Reisen nach Ägypten einschließlich der Touristengebiete am Roten Meer werde generell zu Vorsicht geraten.

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erstellt am 10.Apr.2017 | 06:59 Uhr

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