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Politik

28. September 2016 | 22:28 Uhr

Nach Hinrichtung von Al-Nimr : Abbruch der Beziehungen: Streit zwischen Saudi-Arabien und Iran eskaliert

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Den Angriff auf ihre Botschaft in Teheran empfinden die Saudis als „schwerwiegenden Bruch internationaler Konventionen“ - und brechen die diplomatischen Beziehungen zu ihrem Erzrivalen ab.

Riad/Teheran | Saudi-Arabien bekommt bei seiner Konfrontation mit dem Iran Unterstützung von seinen sunnitisch regierten Nachbarn. Die Golfmonarchie Bahrein brach die Beziehungen zu Teheran ebenfalls ab, die Vereinigten Arabischen Emirate stuften sie herunter.

Die beiden Länder spielen eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Konflikts in Syrien und dem Irak. Das internationale Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat hatte zuletzt zu einer leichten Annäherung beider Widersacher geführt. Sie sind zugleich auch die wirtschaftsstärksten Staaten im Mittleren Osten. Die beiden Staaten kämpfen um die Vorherrschaft in dem Gebiet.

Saudi-Arabien habe sein Botschaftspersonal bereits aus Teheran abgezogen, teilte Außenminister Adel al-Dschubair am Sonntagabend mit. Die iranischen Diplomaten hätten 48 Stunden Zeit, das Königreich zu verlassen. Der iranische Vizeaußenminister Hussein Amirabdullahian bezeichnete die Entscheidung Saudi-Arabiens als „voreilig“.

Vorausgegangen war die Stürmung der saudischen Botschaft in Teheran durch wütende Bürger in der Nacht zum Sonntag, nachdem die Ölmonarchie am Samstag den prominenten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr und 46 weitere Verurteilte hingerichtet hatte. Der schiitische Iran, der mit dem sunnitisch geprägten Königreich um die Vormachtstellung in der Region ringt, hatte darauf empört reagiert. Der schiitische Regime-Kritiker Al-Nimr war eine zentrale Figur bei Protesten der schiitischen Minderheit im sunnitisch dominierten Saudi-Arabien.

Der iranische Vizepräsident Ishagh Dschahngiri kritisierte am Montag die Entscheidung Saudi-Arabiens zum Abbruch der Beziehungen: „Die Politik der Saudis hat in den letzten Jahren für die Region nur Negatives gebracht.“ Auch die jüngste Entscheidung sei voreilig und irrational und würde nur zu mehr Spannungen in der Region führen.

Die Bundesregierung hielt beide Staaten zur Verständigung an. „Wir rufen beide Staaten zum Dialog auf“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Dass Saudi-Arabien die diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen habe, sei „mit größtem Bedauern“ zur Kenntnis genommen worden. Die Beziehungen beider Länder - „so konfliktreich sie sind“ - seien von grundlegender Bedeutung für die Lösung der Krisen in Syrien und im Jemen sowie für die Stabilität in der gesamten Region. Saudis und Iraner sind in viele Konflikte der Region verwickelt.

Russland ist bereit, in dem Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran zu vermitteln, meldete die Agentur Interfax am Montag unter Berufung auf Quellen im Außenministerium in Moskau. „Wir sind immer für eine Annäherung zwischen Teheran und Riad eingetreten“, sagte ein Diplomat. Allerdings habe noch keine Seite Russland deswegen angesprochen.

Die US-Regierung äußerte sich zurückhaltend. Die USA glaubten, dass „diplomatisches Engagement von grundlegender Bedeutung“ sei, zitierte der Sender CNN den Sprecher des Außenministeriums, John Kirby.

Bahrain gab den iranischen Diplomaten der Nachrichtenagentur BNA zufolge 48 Stunden Zeit, das Land zu verlassen und kündigte eine Schließung seiner Auslandsvertretung in Teheran an. Die Entscheidung sei eine Reaktion auf die zunehmende „offene und gefährliche Einmischung“ des Irans nicht nur in die Angelegenheiten Bahrains, sondern auch die der anderen arabischen Staaten, hieß es. Das Königreich Bahrain ist ein enger Verbündeter Saudi-Arabiens und wird von einem sunnitischen Herrscherhaus regiert. Die Mehrheit der Bevölkerung ist jedoch schiitisch. Auch der sunnitische Sudan die diplomatischen Beziehungen zum schiitischen Iran abgebrochen. Dies sei eine Reaktion auf die Angriffe auf die saudische Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran sowie auf das Konsulat in der Pilgerstadt Maschad, erklärte das sudanesische Außenministerium am Montag.

Der saudische Außenminister Al-Dschubair nannte den Angriff auf die saudische Botschaft in Teheran einen „schwerwiegenden Bruch internationaler Konventionen“. Er warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes Al-Kaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. „Wir lehnen es ab, mit einem Staat zu tun zu haben, der Terrorismus unterstützt und Chaos und sektiererische Spannungen in der islamischen Welt verbreitet.“

Das Verhältnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien war jahrzehntelang schwierig, die Eskalation vom Sonntag allerdings markiert eine lange nicht erreichten Tiefpunkt. Vor fast 28 Jahren, 1988, hatte Saudi-Arabien das letzte Mal die Beziehungen zum Iran abgebrochen.

In der Heimatstadt des exekutierten Regimekritikers Al-Nimr wurde derweil Polizeiangaben zufolge ein Zivilist erschossen. Katif ist eine Hochburg der Schiiten. Al-Nimrs Tod dürfte auch die Stimmung im Osten des Landes angeheizt haben.

Die Grünen forderten angesichts der Massenhinrichtung am Samstag einen sofortigen Stopp der Handelsbeziehungen mit Saudi-Arabien. Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will Rüstungsexporte an Saudi-Arabien künftig noch genauer unter die Lupe nehmen. Rückblickend sei es richtig gewesen, weder Kampfpanzer noch Gewehre vom Typ G36 an das Königreich zu liefern. „Wir müssen jetzt überprüfen, ob wir in Zukunft auch defensive Rüstungsgüter kritischer beurteilen müssen, die wir Saudi-Arabien bislang zur Landesverteidigung geliefert haben.“

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erstellt am 04.Jan.2016 | 14:36 Uhr

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