zur Navigation springen

Deutschland & Welt

07. Dezember 2016 | 23:20 Uhr

Regionalsprachen in Schleswig-Holstein : Plattdeutsch: Mit diesen 13 Wörtern retten Sie jede Unterhaltung

vom
Aus der Onlineredaktion

Plattdüütsch is eefach ton' affschmatzen. Diese 13 Wörter sollten Sie kennen.

Die meisten unserer plattdeutschen Lieblingswörter sind alles andere als nett - und doch klingen sie drollig. Plattdeutsch, so scheint es, kann mehr transportieren als die meisten anderen der uns geläufigen Sprachen. In jeder noch so üblen Nachrede klingt immer eine liebevolle, friedfertige Distanz mit, die mit ihrem ironischen Unterton schnell die Herzen öffnet.
 

1. De Huulbessen

Foto: imago/Westend61

Ein Heulbesen. Das klingt nach der Bezeichnung für einen Jammerlappen. Ist es aber nicht. Man muss das Wort noch wörtlicher nehmen. Es ist ein Besen, der heult, ein Staubsauger.

2. Dweerig

Foto: Imago/sp

„Damminochmol, watt ist de Olsch dweerig!“: Für Theatralik hat das plattdeutsche Mundwerk gar nichts übrig, schon gar nicht wenn jemand quertreiberisch eine Show der Bockigkeit zelebriert. Das Attribut kann auch einen Gegenstand treffen, der durch seine Unhandlichkeit beim Anheben etwas störrisch wirkt.

3. De Krüffenbieter

Foto: imago/emil umdorf

Ein Krüffenbieter ist einerseits ein minderwertiges Pferd, andererseits ein Jemand, der am Essen herumprudelt. Der „krütsche“ (wählerische) Nörgler beißt bildlich lieber in den Futtertrog (Krüff), als sich das Gegebene genussvoll zu Munde zu führen. Durch seine kulinarische Dweerigkeit bleibt ihm nur der nackte Teller. Eines schwingt mit: Er wird enden wie der Gaul.
 

4. De Dröömbüdel

Foto: imago/Photoshot/Evolve

Dieser als Tagträumer abgestempelte Mensch ist allzu geistesabwesend und für das praktische Leben eigentlich nicht zu gebrauchen. Er ist gefangen im buchstäblichen Beutel der Melancholie. In seiner gedanklichen Abwegigkeit durchblickt er nicht allzu viel. Es besteht allerdings Resthoffnung, dass hinter dem vernebelten Blick nicht vielleicht doch ein Künstler schlummert. Wenn man sein Kind so nennt, nimmt das Wort Gestalt einer Liebkosung. Die härtere Kategorie für die unterstellte Dummheit umfassen unter anderem die Begriffe Piepenkopp (Pfeifenkopf), Nööthaak (Nusshaken) und Döösbaddel (Trottel).
 

5. Spökenkraam

Foto: imago/Jochen Tack

 

Im eigentlichen Sinne ist Spökenkraam die Bezeichnung für einen Spuk. Hinlänglich wird das Wort aber auch für alles Übernatürliche, Abgehobene und aus dem gesunden Menschenverstand heraus mutmaßlich Unerklärliche verwendet. Dazu können neben Esoterik auch religiöse Eiferei, Ideologien und Verschwörungstheorien gehören.
 

6. Du Bangbüx!

Foto: imago/Chromorange

Hier kommen wir der Sache mit dem Jammerlappen schon näher. Das Wort Bangbüx ist in den allgemeinen norddeutschen Wortschatz übergegangen. Wohl auch, weil es deutlich unverbindlicher und nicht so verstörend und gemein klingt wie etwa „Feigling“. Der Kehrdiannix bildet das Gegenteil, er hat ein dickes Fell, an dem alles abprasselt. He cares about nothing, wie der Engländer sagt.

7. Lüddschn' Hudschefiedel

Foto: imago/Sebastian Geisler

Wörtlich könnte man ein Hudschefiedel als fidelen Hocker bezeichnen. Es ist ein fahrbarer Untersatz, meist ein Auto oder Boot, das flink, klein und beweglich ist.
 

8. De Plüschmors

Foto: imago/blickwinkel
 

Der Plüschmors ist ein Lebewesen mit einem Hinterteil flauschiger Natur. Hinter dieser Verniedlichung verbirgt sich niemand anderes als die Hummel.


9. De Nokiecksel

Foto: imago/imagebroker

 

Wenn man mal mit seinem Wissen durch´n Tüdel kommt, kann man sich im Nachschlagwerk, dem Nokiecksel, noch mal mit der Sachlage vertraut machen. Wenn man das Wort rückwärts liest, wird auch was draus.
 

10. Klabusterbeeren

Foto: imago/blickwinkel

 

Für den Fall, dass beim Koten eines Tieres am Haar des Hinterteils Hinterlassenschaften übrig bleiben, gibt es im Plattdeutschen ein Wort, dass möglichem Ekel Tür und Riegel versperrt: Klabusterbeeren. Es kann sich dabei auch um Hämorrhoiden handeln, das wäre dann aber Hochdeutsch.
 

11. Een bannichen Hoorbüdel

Foto: imago/Ralph Peters

 

Hoorbüdel. Der Haarbeutel mit eingewobenen Perückenhaaren war in Bayern und Sachsen einst Tradition. Im Plattdeutschen hat sich die voraufklärerische Kopfbedeckung in anderer Bedeutung im Wortschaft festgesetzt. Ein Hoorbüdel ist der Kater am Morgen nach dem Swutsch.

12. Bi Klönhook un' Tippsnack akkedeern
 

Foto: imago/McPHOTO

Auch der Web-Jargon wird zuweilen eingeplattdeutscht. Laut dem Plattdeutsch-Deutsch-Wörterbuch ist ein Internet-Forum ein Klönhook und der Tippsnack ein Chat. Dort lässt es sich dann vorzüglich akkedeern (diskutieren).


13. De Pissmickelhupen

Foto: imago/MITO

 

Plattdeutsch ist ganz schön figelienschen Kram. Die alte Sprache kennt diverse Varianten. Sogar von Dorf zu Dorf soll es Variationen geben. Besonders angetan scheinen die Plattdeutschen von Ameisen zu sein. Sage und schreibe 50 verschiedene Namen rechnet alleine das Web-Wörterbuch den Hautflüglern zu, darunter befinden sich so lautmalerische Bezeichnungen wie Knaulpann, Michmoratze und Pissmickel.

In den nächsten Tagen widmen wir uns auch den schillerndesten Errungenschaften der anderen Minderheitensprachen in Schleswig-Holstein, das gerade seinen 70. Geburtstag feiert. Dazu gehören Dänisch, Friesisch, Petuh und Sønderjysk.

Lesen Sie hier die weiteren Teile der Serie „Regionalsprachen in SH“:


zur Startseite

von
erstellt am 05.Okt.2016 | 20:33 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen