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Deutschland & Welt

09. Dezember 2016 | 01:07 Uhr

Auch in Hamburg : Park(ing) Day: Gemütliches Protest-Experiment an der Parkuhr

vom
Aus der Onlineredaktion

Parks und Spiele statt Blech und Stahl: An einem Tag im Jahr konkurrieren Möbel und Blumen mit Autos um die Parklücken der Stadt.

Hamburg | Wem gehört der knappe öffentliche Raum der Stadt - dem Automobil oder dem Menschen? Mit dieser seit der Verwandlung der Städte in Transitflächen überaus einseitig betrachteten Frage gehen Bürger beim Park(ing)-Day auf gemütliche Konfrontation. Jedes Jahr am dritten Freitag im September wird mit der Bevölkerung der Parkflächen weltweit für lebenswertere Städte geworben. Am 16. September wird die symbolische Rückeroberung der für abgestellte Karossen exklusive urbanen Fläche auch in deutschen Städten wie Hamburg und Berlin gefeiert.

Auf den Stellplätzen entstehen für die Dauer eines gelösten Parkscheins kleine Parks, Spielflächen oder Grillplätze am Rande der Blechlawinen. Anstatt eines Autos platzieren die Teilnehmer auf der „gepachteten Fläche“ etwa Sofas, Hängematten, Liegewiesen, Tische, Spiele, Blumentöpfe und was sonst noch so alles in Lastenrad und Bollerwagen passt. Auf den kleinen Oasen entstehen Nagelstudios, Galerien, Infostände oder gar Hochzeitslocations. Auch öffentliche Mini-Strände wurden schon gesehen. Welche kreativen Kräfte die alternative Nutzung der etwa 11,5 Quadratmeter großen Parkflächen freisetzt, zeigt eine Bilderschau der Initiatoren im Internet.

In Hamburg, wo sich die größte Critical Mass Deutschlands organisiert, dürfte das Experiment mit dem Parkraumstibitzen diesmal etwas größer werden als in den Vorjahren – auch wenn die Aktionen in Städten wie Berlin und München bisher klar umfangreicher waren. Anders als andere Großstädte in Deutschland hat der Park(ing)-Day in der Hansestadt beispielsweise noch keine eigene Web-Präsenz. In diesem Jahr hat sich allerdings Greenpeace als Gastgeber eingetragen.

Es gehe darum, die „Platzverschwendung durch Parkfläche“ zu verdeutlichen, sagt Dirk Lau vom ADFC Hamburg. Auf der Info-Seite der Hamburger Initiatoren bei Facebook heißt es man wolle „die Bahrenfelder Straße in Ottensen für einen Nachmittag und Abend in eine Oase des nachbarschaftlichen Miteinanders und der Inspiration verwandeln“. 40 Teilnehmer haben hierfür bisher fest zugesagt, viele dürften spontan hinzustoßen, denn auf Spontaneität ist die Veranstaltung angelegt. An vielen anderen Orten in der Stadt könnten weitere Parklücken in Beschlag genommen werden. Das Motto: „Für eine lebenswerte Stadt! “.

Beginnen sollen die Aktionen in der Hansestadt am frühen Freitagnachmittag. Auch der ADFC wird sich in diesem Jahr mit einem Infostandbike und Lastenrädern beteiligen, die für Probefahrten zur Verfügung stehen. Greenpeace chartert sich eine Parklücke für eine Kleidertauschparty.

Zur alternativen Nutzung der Parkflächen am Park(ing)-Day schlägt die Berliner Gruppe fünf verschiedene Modi vor:

Stadt-Grün Es wäre Platz für Blumenkübel oder Bäume
Straßencafés Gerne sitzen wir in der Sonne und genießen unseren Kaffee
Fahrradbügel Auf einen Schlag Platz für bis zu zehn Fahrräder
Spiele Ein Schaukelpferd oder eine Wippe laden Kinder ein
Parkbank Ausruhen oder miteinander plauschen

Quelle: http://www.parking-day-berlin.de/

Der Park(ing)-Day wurde 2005 von dem Künstlerkollektiv REBAR in San Francisco ins Leben gerufen, seit 2007 wird die stille Demonstration unter dem Motto „Die Stadt gehört allen!“ international  gefeiert. 2014 gab es nach Angaben der Initiatoren weltweit über 1000 solcher Parks auf sechs Kontinenten. Stuttgart, Heidelberg,, Berlin, Hamburg, Leipzig, Dresden und Bremen machen in diesem Jahr mit. München zieht am 15. Oktober nach.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 17:10 Uhr

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