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Panorama

04. Dezember 2016 | 11:19 Uhr

Bayern : Zugunglück von Bad Aibling: Fahrdienstleiter vor Gericht

vom

Fünf Monate haben sich die Staatsanwälte Zeit genommen, um zu ermitteln. Dem 40-Jährigen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Traunstein/Bad Aibling | Fast genau neun Monate nach dem verheerenden Zugunglück von Bad Aibling mit zwölf Toten muss sich der Fahrdienstleiter vor Gericht verantworten. Dem 40-Jährigen wird fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Der Bahnmitarbeiter soll bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge das Fantasy-Rollenspiel „Dungeon Hunter 5“ auf seinem Smartphone gespielt haben. Dabei geht es um das Töten von Dämonen. Doch der Mann hätte sein privates Handy im Dienst gar nicht benutzen dürfen.

In den sozialen Medien hatten damals zahlreiche Menschen und Unternehmen ihr Mitleid ausgedrückt. Wie hier der Augsburger Verkehrs-und Tarifverbund bei Instagram.

 

Für den an diesem Donnerstag vor dem Landgericht Traunstein beginnenden Prozess sind sieben Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil will der Vorsitzende Richter der Großen Strafkammer, Erich Fuchs, am 5. Dezember verkünden. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre. Das Bahnunglück - eines der schwersten in der deutschen Nachkriegsgeschichte - kostete zwölf Menschen das Leben. Fast 90 Insassen wurden verletzt, viele von ihnen schwer.

Nach Mitteilung des Gerichts wird der Angeklagte zu Prozessbeginn aussagen. Danach sind Polizeibeamte als Zeugen geladen. Vom zweiten Verhandlungstag an werden Sachverständige etwa zur Handynutzung des Fahrdienstleiters oder zu den technischen Einrichtungen an der Bahnstrecke gehört. Auch Rechtsmediziner werden zu den Verletzungen der Opfer befragt. Mehr als 20 Angehörige von Todesopfern sowie Schwerverletzte nehmen als Nebenkläger am Prozess teil.

Rettungskräfte stehen im Februar an der Unfallstelle des Zugunglücks in Bad Aibling (Bayern).

Rettungskräfte stehen im Februar an der Unfallstelle des Zugunglücks in Bad Aibling (Bayern).

Foto: dpa
 

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft schickte der Fahrdienstleiter beide Züge am Unglücksmorgen zwischen den Bahnhöfen Kolbermoor und Bad Aibling gleichzeitig auf die eingleisige Strecke. Technische Vorrichtungen, die das eigentlich verhindern, blockierte er. Als der Mann den verhängnisvollen Irrtum bemerkte, beging er laut Anklage einen weiteren Fehler: Er wollte die Lokführer noch warnen, erwischte aber den falschen Knopf, so dass der Alarm nicht in den Zügen ankam.

Den Rettungskräften bot sich damals ein schreckliches Bild. Feuerwehrleute mussten neun Tote und Dutzende Verletzte aus total deformierten Waggons holen. Drei Menschen erlagen in Krankenhäusern ihren schweren Verletzungen.

Rettungskräfte versorgen im Februar Verletzte an der Unfallstelle des Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling (Bayern).

Rettungskräfte versorgen im Februar Verletzte an der Unfallstelle des Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling (Bayern).

Foto: dpa
 

Der Fahrdienstleiter war bereits am Unglückstag ins Visier der Ermittler geraten, blieb aber zunächst auf freiem Fuß. Erst zwei Monate später stellten die Ermittler beim Auslesen der Daten auf dem beschlagnahmten Smartphone des Fahrdienstleiters fest, dass er bis kurz vor dem Unfall auf seinem Handy gespielt hatte. Er kam in Untersuchungshaft. Gut fünf Monate nach dem Unglück erhob die Staatsanwaltschaft Traunstein Anklage.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 06:58 Uhr

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