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Panorama

09. Dezember 2016 | 10:53 Uhr

Bei Bari in Apulien : Zugunglück in Italien: Mindestens 26 Tote, etwa 50 Verletzte

vom

Zwei Züge sind frontal zusammengestoßen. Es ist eines der schwersten Zugunglücke des Landes.

Rom | Bei einem der schwersten Zugunglücke in Italien sind mindestens 26 Menschen gestorben. Etwa 50 Menschen wurden verletzt, als am Dienstag zwei Züge nördlich der süditalienischen Stadt Bari mit hoher Geschwindigkeit auf einer eingleisigen Strecke frontal zusammenstießen, berichtete die Nachrichtenagentur ADN Kronos weiter. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt. Das Unglück ereignete sich zwischen den Städten Corato und Andria.

Das Zugunglück gehört zu den schlimmsten in Italien. 2005 waren auf einer ebenfalls eingleisigen Linie zwischen Bologna und Verona bei einem Zusammenstoß 17 Menschen ums Leben gekommen. Damals gerieten die Regierung und die staatliche Eisenbahn in die Kritik, weil sie die Pläne zum Bau eines zweiten Gleises seit Jahren verschleppt hätten.

Ermittelt wird nun, ob es sich um menschliches Versagen handelt. Aber auch ein technisches Problem wird nicht ausgeschlossen. Aufschluss soll die Blackbox der Züge geben. Ein geplanter Ausbau der Strecke auf zwei Gleise hatte sich immer wieder verzögert.

Unklar war, wie viele Menschen in den Regionalzügen waren, die von einem privaten Unternehmen betrieben wurden. Nach Angaben des Betreibers Ferrotramviaria waren die Züge mit etwa 100 Stundenkilometern unterwegs, als sie an einer Kurve zusammenprallten.

Die Helfer arbeiten bis in die Mittwochnacht, um Opfer aus den Trümmern zu bergen. Das Unglück hatte Entsetzen in Italien ausgelöst. Auch Papst Franziskus sprach den Angehörigen sein Beileid aus.

Der Unfall erinnert an das Zugunglück im bayerischen Bad Aibling, bei dem im Februar zwölf Menschen gestorben waren. Auf der eingleisigen Strecke zwischen Rosenheim und Holzkirchen waren zwei Nahverkehrszüge frontal ineinandergerast.

Zwei Züge sind zusammengestoßen. An der Unglücksstelle herrscht Chaos.
Zwei Züge sind zusammengestoßen. An der Unglücksstelle herrscht Chaos. Foto: dpa

Verkehrsminister Graziano Delrio sagte, die Ursache des Unglücks müsse nun ermittelt werden. „Wir wissen noch nicht, was der Grund für den Zusammenstoß war.“ Die Umweltorganisation Legambiente kritisierte, dass es auf der veralteten Strecke kein automatisches Zugbremssystem gebe und wenig in die Bahnstrecken des Südens investiert werde. Auch menschliches Versagen wurde nicht ausgeschlossen. Zum Zeitpunkt des Unglücks gegen 11.30 Uhr herrschte gutes Wetter.

Die beiden Züge waren auf offener Strecke vollkommen verkeilt, einige Waggons total zerstört. „Es gibt viele Tote“, sagte der Chef der Einsatzkräfte, Riccardo Zingaro. Medien berichteten, dass zahlreiche Menschen lange in den Trümmern gefangen waren. Der Unfallort zwischen Bäumen und am Rande eines Ackers sei nicht leicht zu erreichen. Einer der Lokführer sei ums Leben gekommen, das Schicksal des anderen sei ungewiss, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Berichten zufolge waren viele Studenten und Pendler in dem Regionalzug, der von dem privaten Unternehmen Ferrotramviaria betrieben wird. Beide Zügen hatten vier Waggons, von denen jeweils mindestens zwei schwer beschädigt wurden.

Viele Menschen waren noch in den Zügen eingeklemmt.
Viele Menschen waren noch in den Zügen eingeklemmt. Foto: dpa

Der italienische Regierungschef Matteo Renzi verlangte eine schnelle Aufklärung und sprach den Opfern und deren Familien sein Mitgefühl aus. Er brach einen Besuch in Mailand ab und reiste an den Unglücksort.

Bundestagspräsident Norbert Lammert kondolierte seiner italienischen Amtskollegin. „Unsere Gedanken sind bei den Familien der Verunglückten, bei den vielen Verletzten und bei den Rettungskräften, die sich unermüdlich im Einsatz befinden, um Menschenleben zu retten“, hieß es in der Mitteilung.

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erstellt am 12.Jul.2016 | 07:10 Uhr

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