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Panorama

05. Dezember 2016 | 03:36 Uhr

Forschung in Kiel : Wie sich der Klimawandel auf das Leben in den Meeren auswirkt

vom

Kieler Forscher haben einen künstlichen Ozean erschaffen - und dadurch neue Aspekte entdeckt.

Kiel | Versauerung der Ozeane, steigende Wassertemperaturen, veränderter Nährstoffeintrag und Sauerstoffmangel: Die Lebensbedingungen in den Meeren ändern sich im Zuge des globalen Klimawandels vielfältig. Tiere und Pflanzen müssen sich anpassen oder weichen.

Um die Reaktionen des Ökosystems zu erforschen, haben Wissenschaftler des Kieler Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in ihren Laboren einen künstlichen „Ozean der Zukunft“ erschaffen: In 1400 Liter fassenden Versuchstanks setzten sie im Herbst 2012 die natürliche Planktongemeinschaft aus der Kieler Förde zwei verschiedenen Temperaturstufen und zwei unterschiedlichen Kohlendioxid-Konzentrationen aus.

Ein Roter Pazifik-Seeigel - auch er hat es zunehmend schwerer. Versauerung der Ozeane, steigende Wassertemperaturen, veränderter Nährstoffeintrag und Sauerstoffmangel ändern sich durch den Klimawandel stetig.

Ein Roter Pazifik-Seeigel - auch er hat es zunehmend schwerer. Versauerung der Ozeane, steigende Wassertemperaturen, veränderter Nährstoffeintrag und Sauerstoffmangel ändern sich durch den Klimawandel stetig.

Foto: dpa
 

Nach einem Monat untersuchten sie die Anzahl und Körpergröße sowie den Gehalt an den für die Ernährung wichtigen Fettsäuren verschiedener Entwicklungsstadien von Ruderfußkrebsen. Die bis zu einem Millimeter großen Tiere machen etwa achtzig Prozent des Zooplanktons aus und sind eine wichtige Nahrungsquelle für Fische und Fischlarven.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Qualität der kleinen Krebse als Futter für größere Arten sinkt. „Nahrungsnetze, die von der Futter-Qualität beeinflusst werden - nicht etwa von der puren Masse des Angebots - wären hiervon beeinträchtigt“, sagte Meeresbiologin Jessica Garzke. Die Ergebnisse können auch auf andere küstennahe Regionen übertragen werden, die der Kieler Förde ähneln, heißt es in der im Fachmagazin PLOS ONE veröffentlichte Studie.

In einer anderen Studie haben Kieler Wissenschaftler die Auswirkungen der Ozeanversauerung auf kalkbildende Meeresbewohner wie Seeigel, Seesterne, Kalkalgen oder Muscheln erforscht. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass fast ein Viertel der analysierten Arten bereits heute in einer Umgebung lebt, die sich ungünstig auf den Erhalt ihres Kalkskelettes auswirkt. „Das Ergebnis hat uns mehr als überrascht und ist für uns ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich viele marine Organismen sehr wohl im Laufe ihrer physiologischen und evolutionären Entwicklung an das saure Meerwasser anpassen und darin leben können“, sagte Mario Lebrato vom Institut für Geowissenschaften an der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Der überraschend hohe Wert von Organismen am Meeresboden, die sich bereits an die veränderten, saureren Lebensbedingungen angepasst haben, scheine auf neuartige Anpassungsmechanismen von Arten hinzudeuten, hieß es.

Die Studie habe jedoch keine Einsichten in die allgemeine Anfälligkeit von Organismen in sauren Gewässern ergeben. „Offen ist auch die Frage, wie sich die übrigen 76 Prozent der Organismen, die sich noch nicht in saureren Bedingungen befinden, entwickeln werden, wenn die Folgen der Ozeanversauerung auch ihre Lebensräume erfassen“, heißt es in der im Fachmagazin Global Biogeochemical Cycles veröffentlichten Studie.

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erstellt am 14.Aug.2016 | 16:07 Uhr

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