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Panorama

08. Dezember 2016 | 21:16 Uhr

«Beträchtliche Kontamination» : Weitere Vogelgrippe-Fälle in Beständen kaum zu vermeiden

vom

Ein Wildvogel mit Geflügelpest fällt nicht sofort tot um - gerade das ermöglicht es dem Virus, sich über weite Strecken zu verbreiten. Das Risiko für eine Einschleppung in Geflügelbestände bleibt groß. Von einer bundesweiten Stallpflicht sehen die Experten aber noch ab.

Die Vogelgrippe verbreitet sich weiter - über weite Strecken wahrscheinlich auch durch Wildvögel ohne Symptome. «Wir beobachten derzeit ein sehr dynamisches Geschehen mit starken Ausbreitungstendenzen», sagte der Chef des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter.

Der Infektionsdruck aus der Natur in die Ställe sei sehr hoch, mit weiteren Eintragungen in Bestände sei zu rechnen. In Mecklenburg-Vorpommern erreichte die Epidemie bereits weitere Nutzgeflügel-Haltungen.

Auch in einem Mastbetrieb im Landkreis Cloppenburg ist die hochansteckende Erreger-Variante H5N8 gefunden worden. Das habe das Friedrich-Loeffler-Institut bestätigt, teilte das Agrarministerium am Abend mit. Die Infektion ist der erste bestätigte Verdacht auf Geflügelpest in einem niedersächsischen Nutzgeflügelbestand seit der aktuellen Verbreitung der Vogelgrippe.

Der Landkreis Cloppenburg hatte schon vor der Bestätigung der aggressiven Variante angeordnet, die 16 000 Putenhähne in dem betroffenen Betrieb zu töten. Möglicherweise müssen noch weitere Tiere rund um den betroffen Betrieb getötet werden.

Deutsche Behörden hatten am Dienstagabend angekündigt, mit zusätzlichen bundesweiten Krisenmaßnahmen zur Eindämmung der Vogelgrippe zunächst noch abwarten zu wollen. «Wir beobachten die Situation weiter sehr genau», sagte ein Sprecher des Bundesagrarministeriums nach Beratungen des zentralen Krisenstabs von Bund, Ländern und Experten. Sollten die getroffenen Schutzvorkehrungen nicht ausreichen, stehe man für weitere Maßnahmen bereit.

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) hält eine bundesweite Stallpflicht für Geflügel weiterhin für sinnvoll und geboten. «Die Situation bleibt angespannt, wir sind nach wie vor in großer Sorge», sagte ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke. «Unsere Betriebe brauchen jetzt den notwendigen Schutz.» Da die Dringlichkeitsverordnung des Bundes nicht realisiert werde, seien umso mehr die Bundesländer in der Verantwortung.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde die gefährliche H5N8-Variante nach Angaben des Agrarministeriums mittlerweile in sieben Geflügelhaltungen nachgewiesen. Die jüngsten Fälle betrafen zwei kleine Hühnerhaltungen in Neu Boltenhagen bei Greifswald. Die vergangenen Tage hätten gezeigt, dass man es mit einem wachsenden Seuchengeschehen zu tun habe, sagte eine Sprecherin des Ministeriums am Mittwoch.

Das Friedrich-Loeffler-Institut sieht Hinweise auf eine «beträchtliche Kontamination» der Umwelt mit dem H5N8-Erreger. Die Rate positiv getesteter toter Wildvögel sei im Vergleich zur Vogelgrippe H5N1 vor zehn Jahren sehr hoch, sagte Mettenleiter. Offenbar trügen viele Vögel das Virus in sich, ohne sofort schwer zu erkranken - und transportierten es über große Distanzen weiter. Hinweise auf erkrankte Säugetiere gebe es bisher nicht.

Einige Bundesländer haben verfügt, dass Haustiere in bestimmten Gebieten - vor allem in Sperrzonen - nicht frei herumlaufen dürfen. Das Verbot zielt nach Auskunft des Agrarministeriums von Mecklenburg-Vorpommern darauf ab, dass die Vierbeiner die Viren nicht verbreiten, etwa wenn der Kot infizierter Tiere an ihren Pfoten oder am Fell haftet oder wenn sie sich an toten Vögeln zu schaffen machen.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 20:20 Uhr

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