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Panorama

03. Dezember 2016 | 12:49 Uhr

H5N8-Virus 2016 : Vogelgrippe in Massentierhaltung in Grumby - Ursache weiterhin unklar

vom

Die Vogelgrippe wird Geflügelhalter wohl weiter in Atem halten: Mit dem andauernden Vogelzug kommen mehr infizierte Wildvögel.

Nach den Untersuchungen auf dem mit der Vogelgrippe befallenen Geflügelhof in Grumby bei Schleswig werten Experten des Friedrich-Loeffler Instituts ihre Erkenntnisse aus. Dabei stehe die Frage, wie das hoch aggressive Virus H5N8 in den abgeschotteten Betrieb mit 30.000 inzwischen getötenen Hühnern eindringen konnte, im Mittelpunkt, sagte FLI-Sprecherin Elke Reinking am Dienstag auf der Ostseeinsel Riems (Mecklenburg-Vorpommern). Es werde mindestens ein paar Tage dauern, bis der Bericht dem Land Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellt werden könne.

Von Donnerstag an gelten in Schleswig-Holstein auch für kleinere Betriebe unter 1000 Tiere strenge Sicherheitsmaßnahmen wie das Tragen von Schutzkleidung und Hygienevorschriften wie Desinfizieren.

Der in mehreren europäischen Ländern nachgewiesene H5N8-Erreger ist vermutlich von Zugvögeln aus Russland nach Mitteleuropa getragen worden. Wie der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter, sagte, ist das Virus im Sommer 2016 bei Wildvögeln in Zentralrussland, in Sibirien und der Mongolei nachgewiesen worden. Da der aktuell in Mitteleuropa auftretende Erreger dem im Sommer gefundenen „sehr ähnele“, könne man davon ausgehen, dass er von dort über Wildvögel nach Westen gelangt sei.

Der Vogelzug, bei dem Hunderttausende Vögel allwinterlich vor der Kälte im Osten und Norden Europas nach Westen fliehen, steht erst am Anfang. Ob mit der Westdrift von Zugvögeln in den kommenden Wochen mehr infizierte Wildvögel in Mittel- und Westeuropa gefunden werden, müsse abgewartet werden, sagte Mettenleiter. Die Situation könne sich noch verschärfen. Es sei aber auch durchaus möglich, dass es wie bei der Vogelgrippe-Epidemie von 2006 Phasen gebe, in denen die Infektionsdynamik wieder abebbe.

Zum Fall in Grumby sagte Mettenleiter: „Bei dem aktuell hohen Infektionsdruck durch Wildvögel von außen sind vereinzelte Einträge in Nutzgeflügelbestände nicht zu hundert Prozent zu verhindern.“

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will in Krisenzeiten für sein Land da sein: „Ich habe immer klar gesagt, dass ich meine Regierungsverantwortung voll und ganz wahrnehme“, sagte der Kieler Umweltminister am Montagabend. Dazu gehörte auch die Entscheidung, in dieser Krisensituation den Parteitag und das Urwahlforum abzusagen, um im Land zu sein. „Das war gar keine Frage.“

Vor rund einer Woche hatten die Behörden im nördlichsten Bundesland die Stallpflicht-Zonen massiv ausgeweitet. Deutschland ist nach Frankreich der zweitgrößte Erzeuger von Geflügelfleisch in der EU. Neben den Geflügelfleisch-Produzenten sind auch die Eierproduzierenden Betriebe sowie Tierparks und Hobbyzüchter in Schleswig-Holstein von den Stallpflicht betroffen.

Zur Eindämmung der Vogelgrippe setzen die deutschen Behörden weiter auf ein koordiniertes Vorgehen. An diesem Dienstag soll eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe über mögliche einheitliche Maßnahmen für Risikogebiete beraten, wie es im Bundesagrarministerium hieß. Ressortchef Christian Schmidt (CSU) hat bereits einen zentralen Krisenstab eingerichtet. Die Länder sollen Stallpflicht in Gebieten anordnen, in denen die Wahrscheinlichkeit eines Virus-Eintrages hoch ist. In Schleswig-Holstein gilt bereits landesweit eine Stallpflicht.

Eine Schutzimpfung für Nutzgeflügelbestände ist aus Sicht der Forscher trotz der Infektionsgefahr nicht sinnvoll. Eine Impfung verhindere zwar klinische Erscheinungen, nicht aber die Infektion, sagte Mettenleiter. „Wir rennen dann in die Gefahr, dass sich unter der Impfdecke die Infektion weiter ausbreitet.“ Der in mehreren europäischen Ländern nachgewiesene H5N8-Erreger ist vermutlich von Zugvögeln aus Russland nach Mitteleuropa getragen worden.

Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zur Vogelgrippe

Wo in SH und Mecklenburg-Vorpommern die Geflügelpest schon aufgetreten ist, zeigt unsere Karte (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

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erstellt am 15.Nov.2016 | 12:15 Uhr

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