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Katholische Kirche : Vier Jahre Papst Franziskus - Knackpunkte für das fünfte Amtsjahr

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Franziskus würde als der neue Papst im Vatikan die katholische Kirche modernisieren, glaubten viele. Was gelang – und was nicht.

Vatikanstadt | Franziskus startet in sein fünftes Jahr als Papst. Einiges hat der Argentinier bereits bewegt, aber die Veränderungen schreiten wegen des zunehmenden Widerstands in der katholischen Kirche nur mühsam voran. Bleibt dem 80-Jährigen Zeit, die Probleme zu lösen und die hohen Erwartungen zu erfüllen? Schließlich hatte er schon mehrmals davon gesprochen, dass sein Pontifikat ein kurzes werden wird. Fünf Punkte, um die es auch im fünften Amtsjahr gehen wird:

Frauen: Keine Gleichberechtigung bei der Priesterweihe

Männerdomäne: Die katholische Kirche sieht Frauen als ungeeignet an, den Priesterberuf auszuüben.
Männerdomäne: Die katholische Kirche sieht Frauen als ungeeignet an, den Priesterberuf auszuüben. Foto: Thomas Frey
 

Der Papst spart nicht mit lobenden Worten, wenn es um Frauen geht. Sie seien mutiger als Männer, sie seien wichtig für die Welt, ja, ohne sie gebe es keine Harmonie. Franziskus ermuntert sie stets, Missionarinnen des Glaubens zu sein. Doch die vielen Lobworte können über eines nicht hinwegtäuschen: Das Frauenbild bleibt in der Vergangenheit stecken. Die Priesterweihe bleibt ihnen auch unter dem Argentinier verwehrt und somit wird Millionen Gläubigen eine Ungleichheit von Mann und Frau vorgelebt.

Darauf angesprochen, ob die katholische Kirche diese Haltung ändern werde, sagte der Papst auf dem Rückflug von seiner Schwedenreise im Herbst, dass Johannes Paul II. schon alles dazu gesagt habe. Der Obere des Jesuitenordens, Arturo Sosa, deutete an, dass das tiefere Einbeziehen von Frauen in die Mitte der Kirche langwierig werden könne, da es „an vielen Fronten verhindert“ werde.

Zölibat: Sind Verheiratete als Priester geeignet?

Papst Franziskus bleibt beim Thema Zölibat im Ungefähren.
Papst Franziskus bleibt beim Thema Zölibat im Ungefähren. Foto: Sebastiao Moreira
 

Der katholischen Kirche mangelt es an Priestern – und da ja Frauen laut Kirche nicht dafür geeignet seien: Könnten verheiratete Männer da nicht Abhilfe schaffen? Das klingt so einfach - doch für Franziskus ist der freiwillige Zölibat nicht die Lösung des Problems. Das betonte das Katholiken-Oberhaupt im Interview der Zeitung „Die Zeit“ vergangene Woche. Er lenkte den Blick aber auf „Viri probati“, bewährte verheiratete Männern, die nach katholischen Maßstäben ein vorbildliches Leben führen. „Wir müssen darüber nachdenken, ob ,Viri probati' eine Möglichkeit sind. Dann müssen wir auch bestimmen, welche Aufgaben sie übernehmen können, zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden.“ Was genau Franziskus im Sinn hat, blieb offen.

Missbrauch: Wie ernst nimmt die transparente Aufklärung?

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs stehen fünf Männer unter Verdacht, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main am Mittwoch mit.
Wegen schweren sexuellen Missbrauchs stehen fünf Männer unter Verdacht, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main am Mittwoch mit. Foto: dpa
 

Taten statt vieler Worte fordern Missbrauchsopfer auch von Papst Franziskus. Der Argentinier verurteilt Missbrauch zwar als „Krankheit“ und der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, lässt wissen: „Die Kirche verdeckt auf jeden Fall nichts.“ Doch erst kürzlich gab es einen Rückschlag für die päpstliche Kinderschutzkommission, die gegen Verbrechen an Minderjährigen kämpfen soll und die Franziskus vor drei Jahren gegründet hatte.

Die Irin Marie Collins - die mit 13 Jahren selbst Opfer sexueller Gewalt seitens eines Kirchenmannes wurde - trat aus Enttäuschung von ihrem Amt in dem Gremium zurück und nannte es „katastrophal“, dass einige in der Kurie ihre eigenen Belange vor das Kindeswohl stellten. Zuvor hatte ein italienischer Enthüllungsjournalist Franziskus vorgeworfen, nicht genug gegen Missbrauch und pädophile Priester zu tun.

Verhütung: Verbot in Zeiten von Aids und Überbevölkerung

Kondome schützen vor Ansteckungen mit Krankheiten wie Aids oder Hepatitis.
Kondome schützen vor Ansteckungen mit Krankheiten wie Aids oder Hepatitis.
 

Vor allem für Frauen gehört Verhütung zu einem selbstbestimmten Leben dazu. Doch auch Franziskus bleibt beim Nein zu Verhütung. Nach einer Afrikareise 2015 blieb Franziskus auf die Frage, ob man auch zum Schutz der Bevölkerung vor HIV das Kondom-Verbot der Kirche lockern sollte, schwammig. Er antwortete, man solle sich zunächst mit den anderen Problemen des Kontinents beschäftigen. So bleibt für die Gläubigen in Afrika ein Konflikt zwischen einem selbstbestimmten Sexualleben und dem Richten nach dem Wunsch der Kirche.

Wiederverheiratete Geschiedene: Kommunion oder nicht?

Wer nach der Scheidung wieder heiratet darf die Kom,munion nicht empfangen. Kritikern geht das strikte Verhalten an der Lebenswirklichkeit vorbei.
Wer nach der Scheidung wieder heiratet darf die Kom,munion nicht empfangen. Kritikern geht das strikte Verhalten an der Lebenswirklichkeit vorbei. Foto: Patrick Pleul
 

Seit der Veröffentlichung des päpstlichen Schreibens über Familie und Liebe, „Amoris Laetitia“, ist die Frage nach dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen ein Dauerbrenner und sorgt innerhalb der Kurie für Zündstoff. Dürfen Geschiedene, die nach der Scheidung einen neuen Partner geheiratet haben, nun in einzelnen Fällen die Kommunion empfangen oder nicht? Für viele Gläubige ist die Verweigerung der Kommunion eine Form der gesellschaftlichen Ablehnung – sie fühlen sich in ihrem Lebensweg von ihrer eigenen Kirche ausgestoßen. Franziskus habe darauf keine eindeutige Antwort gegeben, bemängelten mehrere Kardinäle in einem offenen Brief an das Kirchenoberhaupt, der für reichlich Unmut im Vatikan gesorgt hat. Eine Antwort blieb der Pontifex bis heute schuldig.

Homosexuelle: Aussöhnung – aber keine Gleichstellung

Homosexualität wird im Alten wie im Neuen Testament klar verurteilt.
Homosexualität wird im Alten wie im Neuen Testament klar verurteilt.
 

Nach dem Anschlag auf einen Schwulenclub in Orlando gab sich Franziskus versöhnlich: Er sagte, dass Schwule und Lesben eine Entschuldigung für ihre Behandlung durch die katholische Kirche verdient hätten. „Die Geschichte der Homosexuellen in unserer Gesellschaft ist schlimm, denn wir haben viel dazu beigetragen, sie ins Abseits zu schieben.“ Die Ablehnung durch Kirche und Gesellschaft setzt noch immer zahlreiche Homosexuelle unter Druck. Gleichwertig sieht jedoch auch Franziskus die Homoehe nicht: Für die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit der Ehe gebe es im Plan Gottes „kein Fundament“.

Ökumene: Zwist mit Protestanten

<p>Papst Franziskus landet am Öresund auf dem Flughafen von Malmö/Schweden: Führende Protestanten und der Papst werden in Lund gemeinsam dem Wirken Luthers und der Reformation gedenken. So etwas gab es noch nie.</p>

Papst Franziskus landet am Öresund auf dem Flughafen von Malmö/Schweden: Führende Protestanten und der Papst werden in Lund gemeinsam dem Wirken Luthers und der Reformation gedenken. So etwas gab es noch nie.

Foto: dpa
 

Einen historischen Schritt hat der Papst bereits auf die Protestanten zugemacht - doch für viele bleiben das Gedenken an die Reformation mit den Lutheranern im vergangenen Jahr oder der Empfang evangelischer Spitzenvertreter aus Deutschland in Rom Gesten. Auch wenn sich Protestanten und Katholiken mittlerweile auf höchster Ebene mit Wohlwollen begegnen, scheinen einige Standpunkte die Konfessionen unverhandelbar zu trennen.

Beim gemeinsamen Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim am Samstag mahnte Bundespräsident Joachim Gauck, weitere Schritte in der Ökumene zu wagen. Denn: „Eine Zukunft wird das Christentum in unserem Land am ehesten als ökumenisches haben.“ Viele Gläubige sehnen sich nach dem gemeinsamen Abendmahl. Wird es das, als Zeichen der Gemeinschaft, unter Franziskus geben?

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erstellt am 13.Mär.2017 | 11:45 Uhr

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