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Panorama

05. Dezember 2016 | 11:38 Uhr

„Bologna“, Prüfungen, Zukunftsangst : Video: Hier sprechen Studenten über ihren Stress

vom

Studieren fühlt sich laut einer neuen Umfrage stressiger an als arbeiten. Das liegt auch an hohen Erwartungen.

Studierende in Deutschland fühlen sich nach einer aktuellen Umfrage stärker gestresst als Beschäftigte im Job. Insgesamt leiden Studentinnen mehr unter der Belastung als ihre männlichen Kommilitonen, und an staatlichen Universitäten ist das Stressgefühl höher als an privaten Hochschulen. Dies geht aus einer am Dienstag veröffentlichten repräsentativen Online-Befragung durch Wissenschaftler der Universitäten Potsdam und Hohenheim bei mehr als 18.000 Studenten im Auftrag des AOK-Bundesverbandes hervor.

Ein Grund für das hohe Belastungsgefühl sieht Studienleiter Markus Voeth von der Universität Hohenheim in den Folgen der „Bologna-Reform“. Im Jahr 1999 hatten sich insgesamt 29 europäische Staaten auf die Schaffung eines einheitlichen Hochschulraumes verständigt. Dies hatte unter anderem eine stärkere Reglementierung und eine erhöhte Prüfungsbelastung zur Folge. In der Befragung werde nun offenbar der gestiegene Druck an den Hochschulen sichtbar, hieß es.

„An erster Stelle ist es der hochschulbezogene Stress, der Studierenden zu schaffen macht“, sagt Prof. Dr. Voeth. „Dazu zählen neben Vorbereitungszeiten auf Prüfungen und dem Anfertigen der Abschlussarbeit die allgemeine Arbeitsbelastung durch das Studium sowie der Stoffumfang in Lehrveranstaltungen. Viele Studierende plagen sich auch mit zu hohen Erwartungen an sich selbst.“


Studienleiterin Uta Herbst von der Universität Potsdam erklärt: „Es ist vor allem der Stress, der durch Zeit- und Leistungsdruck sowie die Angst vor Überforderung entsteht, was Studierenden das Leben schwer macht. 53 Prozent geben ein hohes Stresslevel an.“ Eine vergleichbare Studie aus dem vorigen Jahr habe gezeigt, dass der Anteil der in der Arbeitswelt Beschäftigten mit hohem Stresslevel bei 50 Prozent liege.

Kommt Stress auf, äußert sich dieser bei den Betroffenen in unterschiedlicher Form: Am häufigsten wurden Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten sowie Lustlosigkeit genannt.

Studenten wünschen sich bessere Work-Life-Balance

Neben den hochschulbezogenen Stressfaktoren empfinden Studierende aber auch Alltagsfragen oftmals als Stress erzeugend. Beispielsweise wird die zeitliche Vereinbarkeit des Studiums mit anderen Aktivitäten als wichtiger Faktor im Studium wahrgenommen – das bestrifft auch die drastisch verschlechterte Wohnsituation und das Thema „Nebenjob“.

Laut Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, scheint eine bessere Work-Life-Balance demnach ein Thema für Studenten zu sein. „Die Hälfte der Studierenden wünscht sich den Ausbau von Beratungsangeboten zur Stressbewältigung durch die Hochschule und externe Organisationen“, so Litsch.

Ein weiterer Weg, sich vom Hochschulstress zu befreien, könnte auch die Aufnahme einer Nebenbeschäftigung sein. Studierende mit Nebenjobs sind im Vergleich zu Hochschülern, die sich ausschließlich aufs Studium konzentrieren, nicht gestresster. Und so kurios es klingt: Studierende, die einer Tätigkeit von bis zu 15 Stunden pro Woche nachgehen, sind sogar weniger gestresst.

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erstellt am 11.Okt.2016 | 15:02 Uhr

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