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Panorama

03. Dezember 2016 | 22:56 Uhr

Erdbeben in Italien : Unter den Opfern sind auch Ausländer

vom

Die Helfer graben auch in der Nacht. Doch für viele Opfer kommt die Hilfe zu spät. Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben in Italien steigt und steigt.

Rom | Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben in Italien ist über Nacht weiter gestiegen. Der Zivilschutz geht in einer vorläufigen Bilanz mittlerweile von 247 Toten aus. Bisher stand die Zahl bei 159. Jedoch wird von noch mehr Opfern ausgegangen. Unter ihnen sind wohl auch viele Urlauber.

Italien wird aufgrund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert, oft auch schwerwiegenden. Das Beben ist damit inzwischen genauso verheerend wie das von L'Aquila im April 2009. Damals kamen mehr als 300 Menschen ums Leben.

Die Außenministerien in Madrid und Bukarest bestätigten am Donnerstag den Tod eines spanischen und zweier rumänischer Staatsbürger. Nach Angaben der Zeitung „El País“ soll es sich bei der Spanierin um eine 26-Jährige aus Granada handeln, die mit ihrem italienischen Ehemann in der Region Urlaub gemacht habe. Sie soll in dem schwer betroffenen Ort Illica gestorben sein. Das Ministerium wollte auf Anfrage keine Angaben zur Identität des Opfers machen.

Die italienische Nachrichtenagentur Ansa zitierte den Sprecher des rumänischen Außenministeriums Ionut Valcu, wonach zudem vier Rumänen verletzt worden sein sollen. Sie würden in Krankenhäusern behandelt, hieß es. Der Zivilschutz in Italien wollte die Todesfälle noch nicht bestätigen, schloss aber nicht aus, dass es auch ausländische Opfer gegeben haben könnte. Die Behörden stünden mit den diplomatischen Vertretungen in Kontakt, um Informationen über eventuell vermisste Touristen zu bekommen.

„In Amatrice sind wir bereits bei 200 Toten“, sagte der Bürgermeister der kleinen Stadt, die es besonders schlimm getroffen hat. In der Nacht seien weitere Leichen aus den Trümmern geborgen worden.

Seismogramm der Überwachungsstation Matera in Süditalien, die in der Nacht des 24.08.2016 gegen 03.30 Uhr ein Erdbeben der Stärke von 6,1 aufzeichnete. Grafik: GFZ Potsdam
Seismogramm der Überwachungsstation Matera in Süditalien, die in der Nacht des 24.08.2016 gegen 03.30 Uhr ein Erdbeben der Stärke von 6,1 aufzeichnete. Grafik: GFZ Potsdam Foto: Grafik: GFZ Potsdam

Das Erdbeben der Stärke von mehr als 6 hatte in der Nacht zu Mittwoch mehrere Orte in Mittelitalien dem Erdboden gleichgemacht. Auch am Donnerstag gab es noch Dutzende Nachbeben. Die Einsatzkräfte hatten in der Nacht mit Spürhunden und Taschenlampen weiter nach Lebenszeichen verschütteter Opfer gesucht. Sie fanden Dutzende Tote.

Die Hoffnung war, das neue Beben werde nicht das gleiche Ausmaß wie 2009 in L'Aquila annehmen würde. Jedoch hatte schon Regierungschef Matteo Renzi bei einem Besuch in den zerstörten Dörfern angedeutet, dass es mehr Tote geben werde. Hunderte sind verletzt. Wie viele Menschen noch verschüttet sind, ist unklar. Tausende sind obdachlos, nachdem ihre Häuser eingestürzt sind. In Notzelten verbrachten viele die Nacht.

Besonders betroffen waren die kleineren Orte Amatrice und Accumoli in Latium und Pescara del Tronto in den Marken. So wurden dem Zivilschutz zufolge bisher 190 Tote in Latium gezählt und 57 in den Marken - gemäß den neueren Angaben des Bürgermeisters von Amatrice dürfte die Gesamtzahl also noch deutlich höher liegen. In der Region waren viele alte und historische Bauten wie Kartenhäuser eingestürzt.

Einsatzkräfte suchten die ganze Nacht hindurch nach Lebenszeichen.
Einsatzkräfte suchten die ganze Nacht hindurch nach Lebenszeichen. Foto: Maurizio Gambarini
«Mit dieser Stadt ist es vorbei», mutmaßt ein Bewohner von Amatrice.
«Mit dieser Stadt ist es vorbei», mutmaßt ein Bewohner von Amatrice. Foto: Maurizio Gambarini
Wie viele Menschen noch verschüttet sind, ist unklar.
Wie viele Menschen noch verschüttet sind, ist unklar. Foto: Maurizio Gambarini

Am Donnerstag war ein Treffen des Ministerrats in Rom geplant, um das weitere Vorgehen zu beraten. In der Region soll der Notstand ausgerufen werden.

Italien ist hoch erdbebengefährdet, weil unter dem Apennin die afrikanische und die eurasische Platte aufeinanderstoßen.

Wo liegt die Region um das Bebenzentrum in Mittelitalien?

Das Zentrum des Erdbebens in Italien liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Nationalparks Gran Sasso und Monti della Laga. Die Region ist auch bei deutschen Wanderern und Mountainbikern beliebt, besonders das Gebirgsmassiv Gran Sasso mit dem 2912 Meter hohen Corno Grande ist bekannt. Das Gebiet liegt rund 100 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Rom.

Lassen sich geplante Pauschalreisen nach Rom oder an die Adria jetzt kostenlos stornieren?

„Nein“, sagt der Reiserechtler Prof. Ronald Schmid, der an der TU Dresden unterrichtet. „Dass es gewackelt hat, ist nicht ausreichend.“ Eine Kündigung wegen höherer Gewalt sei nur gerechtfertigt, wenn die Reise erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt ist. Das reine Unwohlsein sei nicht ausreichend. Das gilt auch für den Fall, dass Urlauber in Rom oder an der Adria jetzt auf Kosten des Veranstalters früher abreisen wollen.

Aber was ist, wenn Reisende sich jetzt vor Nachbeben fürchten?

„Angst ist kein Ratgeber“, sagt Schmid. Ein Seismologe müsste dem Experten zufolge zu der Einschätzung kommen, dass das Reiseziel von Nachbeben betroffen sein könnte und diese mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 30 Prozent eintreten. Eine feste Regelung, in welchem Umkreis vom Zentrum Urlauber kostenlos stornieren können, gebe es demnach nicht.

Was ist, wenn Reisende in der betroffenen Region Urlaub machen?

Dann können Pauschalreisende wegen erheblicher Gefährdung kostenlos vom Vertrag zurücktreten. „Allerdings müssen sie sich die Mehrkosten, die möglicherweise für die frühere Rückreise entstehen, mit dem Reiseveranstalter teilen“, erklärt Schmid.

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erstellt am 25.Aug.2016 | 12:39 Uhr

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