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Panorama

10. Dezember 2016 | 11:52 Uhr

„Cold Case Unit“ : Ungeklärte Mordfälle in SH – Ermittler bleiben hartnäckig

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Landeskriminalamt professionalisiert die Aufklärung ungelöster Gewaltverbrechen.

Immer wieder gelingt es Ermittlern, Mörder nach Jahrzehnten doch noch zu fassen. Der Fall Erna Ganz ist dafür ein gutes Beispiel: 34 Jahre nach dem Raubmord an der Rentnerin aus Schleswig klickten diesen Sommer die Handschellen. Der damals noch jugendliche Täter war durch die bislang größte DNA-Reihenuntersuchung in der Geschichte Schleswig-Holsteins überführt worden.

Nach 34 Jahren aufgeklärt: Der Täter im Mordfall Erna Ganz hat ein Geständnis abgelegt.
Nach 34 Jahren aufgeklärt: Der Täter im Mordfall Erna Ganz hat ein Geständnis abgelegt. Foto: shz
 

Mit einer „Cold Case Unit“ will das Landeskriminalamt die Aufklärung ungelöster Mordfälle jetzt professionalisieren. Ein Ermittlerduo geht den ungelösten Verbrechen nach. Fallanalytiker Jens Vullgraf leitet die „Cold Case Unit“: „Bislang haben sich die 35 Beamten der vier Mordkommissionen die alten Akten vorgenommen. Doch aktuelle Fälle haben Priorität, die Altfälle wurden immer wieder beiseite gelegt.“

Der Fluch der Unterbrechung – die „Cold Case Unit“ soll ihn beenden. Das Team, vor einem Jahr ins Leben gerufen, hat 180 Fälle aufgelistet. Ermittler Torsten Pardun: „Darunter sind Vermisste, bei denen wir Anhaltspunkte für eine Gewalttat haben, Totschlagsfälle und etwa 70 Morde.“ Die älteste Akte stammt aus dem Jahr 1946, seitdem ist eine Frau aus dem Raum Itzehoe verschwunden. Der jüngste Fall ist das tote Baby, das 2015 in Sülfeld (Kreis Stormarn) im Papierkorb einer Bushaltestelle steckte.

„Es ist klar, dass wir nicht alle 180 Fälle bearbeiten können“, sagt Pardun. „Wir fragen uns deshalb: Wo gibt es noch Anfasser, welche Fälle haben Asservate mit möglichen Spuren, die uns weiterhelfen können?“

Torsten Pardun
Torsten Pardun
 

Das erfahrene Ermittlerduo konzentriert sich auf Sexual- und Raubmorde, bei denen nicht so sehr die Gefahr besteht, dass sich eindeutige Mordmerkmale nicht mehr nachweisen lassen. So ist der Mann, der vor 24 Jahren seine Ehefrau erwürgte und sie in Neumünster in einem Fass aufbewahrte, auf freiem Fuß. Der Fall musste nach seinem Geständnis rechtlich als Totschlag bewertet werden – und der ist verjährt.

Noch ist kein Altfall geklärt, aber Pardun und seine Kollegin haben bereits konkret bestimmte Akten unter die Lupe genommen – verraten aber nicht, welche. Nur soviel: „Die Sache wird jeweils von Anfang an neu durchermittelt. Dabei suchen wir mit dem Blick des Außenstehenden auch nach Anhaltspunkten, die Generationen von Beamten vielleicht übersehen haben.“ Leiter Vullgraf: „Damit übernimmt die ,Cold Case Unit‘ auch die Rolle einer Qualitätssicherung.“

Das kann besonders bei aktuelleren ungelösten Fällen relevant sein, wenn die „Cold Case Unit“ Schlussfolgerungen ihrer Kollegen hinterfragt, um Irrwegen bei den Ermittlungen entgegenzuwirken. So waren bei der NSU-Mordserie weder Geheimdienst noch Polizei in der Lage, in den Tötungen von Männern mit Migrationshintergrund die Taten rechter Terroristen zu erkennen.

Wenn es bei den Altfällen eine heiße Spur gibt, wird das Ermittlerduo auch Zeugen befragen und Beschuldigte vernehmen. Von Fall zu Fall kann aber auch entschieden werden, die Beamten der Mordkommissionen einzubeziehen. Für Angehörige sei eine Aufklärung auch nach vielen Jahren immer eine Erleichterung, sagt Pardun: „Ihnen geht es nicht in erster Linie um Bestrafung. Sie wollen wissen, warum ihr Familienmitglied sterben musste.“

In Hamburg gibt es ebenfalls eine „Cold Case Unit“.

shz.de stellt einige ungeklärte Fälle vor:

Wer hat Silke B. getötet? Die gen-Spur führt noch immer nicht zum Mörder

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Ermordete Jeanette G.: Der Täter, der keiner sein durfte

Wer ermordete Heike Lehmann?

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erstellt am 01.Dez.2016 | 10:56 Uhr

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