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Panorama

08. Dezember 2016 | 19:15 Uhr

Nachwuchs im Straßenverkehr : Unfall-Risiko für Kinder ist in SH am größten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Bundesländervergleich liegt Schleswig-Holstein ganz hinten. Die Verkehrserziehung ist in der Kritik.

Kiel | In keinem anderen Bundesland ist die Gefahr, dass der Nachwuchs im Straßenverkehr zu Schaden kommt, so groß wie in Schleswig-Holstein. Das zeigt ein Länder-Vergleich des Statistischen Bundesamts. Demnach verunglückten in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr 374 Kinder pro 100.000 Einwohner.

Erst mit deutlichem Abstand folgen auf den nächstschlechteren Plätzen Bremen und Brandenburg mit 356 und 335 verletzten Kindern je 100.000 Einwohner. Auch für das laufende Jahr gibt es wenig Hoffnung, dass Schleswig-Holstein den Negativrekord abgibt. Die Zahl aller verunglückten Unter-15-Jährigen hat sich bis Ende September laut Landespolizeiamt gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur um vier Prozent verringert.

Mit elf Prozent weiter stark gestiegen ist seit Jahresanfang die Zahl derjenigen, die als Mitfahrer im Pkw verletzt worden sind. Allein in dieser Kategorie traf es bis September 403 Kinder. Im selben Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 364. Nimmt man auch Unfälle als Fußgänger und auf dem Fahrrad hinzu, verunglückten im gesamten Jahr 2015 im Norden 1389 Unter-15-Jährige.

Als Ursache für das schlechte Abschneiden Schleswig-Holsteins nennt der Sprecher des Landespolizeiamts, Jürgen Börner, dass Kinder in ländlichen Regionen weitere Wege zurücklegen müssten – ob zur Schule, zum Kindergarten oder sonstigen Aktivitäten und Besuchen. „Deshalb sind sie einem größeren Unfallrisiko ausgesetzt.“

Auch habe sich herausgestellt, dass touristisch geprägte Gebiete „eine erhöhte Unfallbelastung“ von Kindern bedeuten. Das gilt für Urlauberkinder, die oft radeln, aber auch für einheimische Altersgenossen. Denn in Urlaubsorten sind viele Verkehrsteilnehmer jeden Alters unterwegs, denen genaue Kenntnisse gefährlicher Stellen fehlen.

Zum Teil geht die Verantwortung für die hohe Verletzten-Quote auf das Konto der Eltern. Laut Bundesanstalt für Straßenwesen werden schon im Bundesdurchschnitt 15 Prozent der Kinder gar nicht angegurtet. Und in 35 Prozent der Fälle werden die „Rückhalte-Systeme“ aus Kindersitz und Gurt nicht ordnungsgemäß benutzt.

Elisabeth Pier, Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht, überrascht Schleswig-Holsteins Schlusslicht-Position nicht. „Um die Verkehrserziehung ist es zunehmend schlechter bestellt“, warnt sie. Eigentlich verpflichte ein Erlass die Schulen zu jeweils 20 Stunden Verkehrserziehung in den Klassen 1, 4, 5 und 9 und zu zehn Stunden in den anderen. Sie fallen aber laut Pier zu oft unter den Tisch, weil sie keinem konkreten Fach zugewiesen sind.

Für die Verkehrswacht werde es schwieriger, Defizite aufzufangen. Die Organisation muss 75 Prozent ihres Budgets bei Sponsoren einwerben. Dort konkurriert sie zunehmend mit weiteren Bittstellern. „Ganz massiv ist seit drei Jahren zu merken, dass die Polizei die Präventionsarbeit heruntergefahren hat“, moniert Pier.

Börner widerspricht. Vor drei Jahren habe die Polizei lediglich Standards für eine landesweit einheitliche Umsetzung der Präventionsarbeit für verschiedene Zielgruppen eingeführt. Das Personal sei „auskömmlich“, die Mitwirkung der Polizei an der schulischen Verkehrserziehung „verlässlich“.

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erstellt am 20.Nov.2016 | 20:32 Uhr

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