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Panorama

08. Dezember 2016 | 17:09 Uhr

Frankfurt am Main : Tod bei Teufelsaustreibung – Prozess gegen fünf Koreaner hat begonnen

vom

Die eigenen Verwandten sollen eine 41-jährige Koreanerin qualvoll getötet haben. Angeklagt ist auch der Sohn des Opfers.

Frankfurt/Main | Eine Südkoreanerin ist im vergangenen Dezember bei einer Teufelsaustreibung in einem Frankfurter Hotel qualvoll umgebracht worden, am Montag hat der Prozess behonnen. Angeklagt sind fünf Südkoreaner. Sie sollen vor rund zehn Monaten eine Verwandte in einem Frankfurter Hotel qualvoll umgebracht haben. Unter den Angeklagten ist der 16 Jahre alte Sohn der getöteten 41-Jährigen. Die Koreaner sollen die Frau gemeinsam in einem stundenlangen Gewaltexzess erstickt haben.

Außer dem Sohn des Opfers ist noch dessen 15 Jahre alter Cousin angeklagt. Außerdem steht die Cousine des Opfers (44) vor Gericht sowie deren Sohn (22) und deren Tochter (19). Weil drei der Angeklagten jünger als 21 Jahre sind, verhandelt eine Jugendstrafkammer unter Vorsitz von Richter Ulrich Erlenbruch. Zum Auftakt am Montag wurde die Anklage verlesen, die Angeklagten äußerten sich zunächst weder zur Person, noch zur Sache.

Anwesend waren neben den Anwälten drei Dolmetscher, vier Sachverständige sowie zwei gesetzliche Vertreter für die beiden Jugendlichen. Die Angeklagten sollen Christen sein - mit schamanistischen Einflüssen. Schamanistische Priester opfern bei ihren Riten den Geistern und rufen sie an, auf die Geschicke der Menschen einzuwirken.

Die Staatsanwaltschaft geht von dem Mordmerkmal der Grausamkeit aus. „Sämtliche Angeschuldigte nahmen ein Ersticken der Frau zumindest billigend in Kauf“, heißt es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Weil einige Familienmitglieder befürchteten, dass es in ihrem Haus Dämonen gebe, zogen sie ins Hotel.
Weil einige Familienmitglieder befürchteten, dass es in ihrem Haus Dämonen gebe, zogen sie ins Hotel. Foto: Sebastian Stenzel
 

Die Familie hielt sich am 5. Dezember 2015 gemeinsam in einem Frankfurter Hotelzimmer auf. Die 41-Jährige soll in den frühen Morgenstunden aus unbekannten Gründen angefangen haben, um sich zu schlagen, Selbstgespräche zu führen und körperlich aggressiv zu werden. Daraufhin habe sich der Rest der Familie entschieden, eine „Teufelsaustreibung“ vorzunehmen. Nach dem tödlichen Exorzismus in dem Hotel hatte die Cousine der 41-Jährigen einen Pfarrer der koreanischen evangelischen Zion-Gemeinde gerufen. Seiner Gemeinde gehörten sie aber nicht an. Der entsetzte Mann verständigte die Hotel-Rezeption und die Polizei.

Oberstaatsanwältin Nadja Niesen erklärte kurz nach Bekanntwerden der Tat, sie habe etwas Ähnliches noch nicht erlebt. „Die Beschuldigten sollen dem Opfer über einen Zeitraum von mindestens zwei Stunden Schmerzen und Qualen zugefügt haben, wobei ihr Handeln von einer gefühllosen und unbarmherzigen Gesinnung getragen war“, berichtete die Staatsanwaltschaft. Den Ermittlungen zufolge sollen die fünf Verdächtigen bereits am vergangenen Samstag der 41-Jährigen immer wieder auf den Bauch und den Brustkorb geschlagen haben. Um die Schreie der Frau zu unterdrücken, stopften sie ihr ein Handtuch in den Mund. Wie die Obduktion ergab, erstickte die Frau schließlich. Ihr Körper war von Hämatomen übersät, in ihrem Mund steckte ein Kleiderbügel.

Die Familie war den Ermittlungen zufolge erst rund sechs Wochen vor der Tat nach Frankfurt am Main gekommen, um ein Export-/Import-Geschäft aufzubauen. Sie hatten ein Haus in Sulzbach im Taunus gemietet. In das Hotel sollen sie gezogen sein, weil einige Familienmitglieder befürchtet haben sollen, dass es in dem Haus Dämonen gebe.

In dem Prozess waren zunächst 15 Verhandlungstage bis Mitte Januar anberaumt.

Hintergrund: Teufelsaustreibung

Unter Exorzismus wird in vielen Religionen die rituelle Vertreibung böser Mächte oder Geister aus Menschen, Tieren oder Gegenständen verstanden. In der katholischen Kirche war der Exorzismus von „Besessenen“ im Mittelalter gang und gäbe. Heute unterliegt er strengen Auflagen.

Zum Exorzismus (griechisch: exorkismós = das Hinausbeschwören) gehören das Besprengen mit Weihwasser, die Anrufung Gottes und das Handauflegen. Nach den Kirchenvorschriften darf die „Teufelsaustreibung“ nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Ortsbischofs durch einen Priester vorgenommen werden, „der sich durch Frömmigkeit, Wissen, Klugheit und untadeligen Lebenswandel auszeichnet“. Zuvor müssen medizinische oder psychiatrische Behandlungsmöglichkeiten genutzt werden.

In Deutschland sorgte ein Fall aus Bayern für besonderes Aufsehen. Eine Epileptikerin war 1976 an Unterernährung gestorben, nachdem an ihr im Auftrag des Würzburger Bischofs der Exorzismus vollzogen worden war. Die tief religiöse Studentin, die fest überzeugt war, von Dämonen besessen zu sein, hatte die Nahrungsaufnahme weitgehend verweigert. Ärztliche Hilfe hatte die 23-Jährige nicht bekommen. Priester und Eltern wurden später zu Bewährungsstrafen verurteilt.

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erstellt am 10.Okt.2016 | 11:47 Uhr

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