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Panorama

10. Dezember 2016 | 17:47 Uhr

Waldenburg in Polen : Suche nach dem Nazi-Goldzug: Jetzt wird gegraben

vom

In Polen hat die spektakuläre Suche nach einem angeblichen deutschen Panzerzug aus dem Zweiten Weltkrieg begonnen.

Warschau | Steckt unter der Erde des polnischen Städtchens Walbrzych ein deutscher Zug aus dem Zweiten Weltkrieg, beladen mit Raubgold der Nazis? Die Frage könnte vielleicht bald beantwortet werden. Seit Dienstag graben Hobbyschatzsucher in einem Waldstück zwischen Wroclaw (Breslau) und dem niederschlesischen Walbrzych (Waldenburg), am inzwischen berühmt gewordenen Bahnkilometer 65.

Reste von Hitlers Atombombe? Ein gigantischer Nazi-Schatz, bestehend aus geraubten Gemälden, Juwelen und Tonnen von Gold? Oder doch bloß das Wrack eines alten, höchstens historisch wertvollen Zuges? Der mysteriöse Fund begeistert Schatzsucher und Verschwörungstheoretiker gleichermaßen: Weltweit wurde über den angeblichen Nazi-Goldzug berichtet. Doch noch ist unklar, ob es sich um eine Verschwörungstheorie handelt oder tatsächlich eine historische Entdeckung bevorsteht.

„Zwei Bagger sind am Werk“, sagte die Sprecherin der Schatzsucher, Christel Focken. Die Hobbyhistoriker Piotr Koper und Andreas Richter, die den Zug mit einem Bodenradar geortet haben wollen, hoffen, innerhalb einer Woche Ergebnisse zu erzielen, wie ihr Sprecher Andrzej Gaik am Dienstag mitteilte. Es werde an drei Stellen und in bis zu sechs Metern Tiefe gegraben. Das Suchgebiet sei für die Öffentlichkeit gesperrt worden - aus Sicherheitsgründen. Ein Kamerateam werde die Suche filmen und Videos online stellen.

Am Dienstagmorgen hatte sich der Beginn der Suche zunächst verzögert. Der Strom am Grabungsort sei nicht rechtzeitig abgeschaltet worden, berichtete der Sender TVN24. Dies hätte für die Arbeiten am Bahnkilometer 65 eine Gefahr darstellen können. Die Suche hatte ursprünglich um 8 Uhr morgens beginnen sollen, mit etwas Verspätung ging es schließlich los.

Piotr Koper ist einer der angeblichen Finder des Goldzuges.
Piotr Koper ist einer der angeblichen Finder des Goldzuges. Foto: Eva Krafczyk

In der Region in Südwestpolen gibt es viele unterirdische Gänge. Die Nazis hatten im nahegelegenen Eulengebirge unter dem Namen „Projekt Riese“ ein monströses Stollensystem bauen lassen, das aber nie fertiggestellt wurde. Den Schatzsuchern zufolge könnte der von ihnen vermutete Tunnel dorthin führen. „Vielleicht war der Tunnel ein Verbindungsstück“, sagte Gaik.

Über den angeblichen Goldzug kursieren in der Region seit den 70er Jahren Gerüchte. Vor einem Jahr nahm die „Schatzsuche“ wieder Fahrt auf. Richter und Koper legten Georadaraufnahmen vor und behaupteten, damit belegen zu können, dass sie den in 70 Metern Tiefe verschütteten NS-Zug von rund 150 Metern Länge entdeckt hätten. Polnische Medien kolportieren zudem, dass der Großvater des Deutschen seinem Enkel auf dem Sterbebett das Geheimnis des Goldzuges und die exakte Lage des Wracks anvertraut habe. Nach der Durchsicht von Bodenradarbildern erklärte Piotr Zuchowski, Leiter der Denkmalschutzbehörde, er sei „zu 99 Prozent sicher“, dass es sich bei dem angeblichen Fund nahe Walbrzych um einen „NS-Panzerzug“ handele.

 

Die Nazis sollen damit Kriegsbeute vor der heranrückenden Sowjet-Armee versteckt haben. Beweise dafür gibt es keine. Experten aus Krakau zweifelten sogar daran, dass die Bodenaufnahmen des Schatzgräber-Duos echt sind.

Unabhängig vom Ergebnis der Grabungen hat sich in Polen ein echter Schatzsucher-Tourismus entwickelt. Mittlerweile können Goldzug-Fans bei den Schatzsuchern Feuerzeuge in Goldbarren-Form anfordern.

Souvenirs des Gold-Zuges
Souvenirs des Gold-Zuges Foto: MACIEJ KULCZYNSKI

Im Bergbau-Museum von Walbrzych gibt es im Museumsshop Goldzug-Shirts und Kaffeebecher sowie Schokolade-Goldbarren. Selbst ein Gebrauchtwagenhändler am Ortsrand ist auf den Hype aufgesprungen und hat seinen Firmennamen entsprechend geändert in „Goldzug Skoda“.

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erstellt am 16.Aug.2016 | 13:41 Uhr

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