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Panorama

08. Dezember 2016 | 08:55 Uhr

Zugunglück von Bad Aibling : Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft für Fahrdienstleiter

vom

Der Oberstaatsanwalt hält dem Angeklagten „kopfloses Verhalten“ und eine ganze Kette von Fehlentscheidungen vor.

Traunstein | Der angeklagte Fahrdienstleiter im Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling mit zwölf Toten soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft zu vier Jahren Haft verurteilt werden. Nach Überzeugung der Anklagebehörde ist der Bahnmitarbeiter der fahrlässigen Tötung in vollem Umfang schuldig.

Oberstaatsanwalt Jürgen Branz hielt dem 40-Jährigen in seinem Plädoyer am Freitag „kopfloses Verhalten“ im Dienst am Unfalltag vor. Er listete eine ganze Kette von Fehlentscheidungen bei der Arbeit im Stellwerk auf.

Vor allem rügte er das verbotene Handyspielen des Angeklagten bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge am 9. Februar: „Letztlich liegt hier der Grund für die Fehlhandlungen des Angeklagten“, sagte Branz vor dem Landgericht Traunstein. Ein technischer Fehler scheide aus.

Die Verteidiger fordern derweil eine Bewährungsstrafe für den Angeklagten. Zwar sei er der fahrlässigen Tötung schuldig, sagten beide Anwälte am Freitag in ihrem Plädoyer. Das Fehlverhalten des 40-Jährigen wiege aber nicht so schwer wie von der Anklagebehörde vorgetragen. Zudem habe der Prozess nicht zweifelsfrei ergeben, dass das verbotene Handyspiel Ursache der Fehlerkette des Angeklagten war, so Ulrike Thole und Thilo Pfordte übereinstimmend. Wenn das Gericht dennoch eine Haftstrafe aussprechen wolle, halten die Verteidiger maximal zweieinhalb Jahre Gefängnis für angemessen.

Das Urteil wird am Montag verkündet. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre. Bei dem Unglück starben zwölf Menschen, fast 90 wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Zu Prozessbeginn hatte der 40-Jährige gestanden, bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge am 9. Februar das Fantasy-Rollenspiel „Dungeon Hunter 5“ auf seinem Handy gespielt zu haben. Dabei geht es um das Töten von Dämonen. Die Vorschriften der Deutschen Bahn (DB) verbieten die private Nutzung von Smartphones im Dienst.

Vom Spielen abgelenkt hatte der Fahrdienstleiter im Stellwerk mehrere Signale falsch gestellt, wie die fünftägige Beweisaufnahme im Prozess ergab. Beim Absetzen eines Notrufes drückte er eine falsche Taste. Der Alarm erreichte die Lokführer nicht. Dadurch kam es zum Frontalzusammenstoß auf eingleisiger Strecke.

Als letzter Sachverständiger hatte ein Neuropsychologe am Donnerstag berichtet, dass das Handyspielen die Arbeit des Fahrdienstleiters beeinträchtigte. In den Wochen vor dem Unglück habe der Angeklagte das Fantasyspiel immer öfter und länger gespielt. Von einer Spielsucht wollte der Psychologe nicht sprechen, wohl aber von einem „problematischen Spielverhalten“.

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erstellt am 02.Dez.2016 | 11:32 Uhr

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