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Panorama

09. Dezember 2016 | 10:52 Uhr

Verletzte durch Unwetter : „Southside Festival“ abgesagt, „Hurricane“ unterbrochen, Regionalbahn entgleist

vom

Schwere Unwetter treffen den Süden. Pfullingen meldet Überschwemmungen, Veranstalter brechen das „Southside“ in Neuhausen Ob Eck ab. Eine Zug entgleist in Rheinland-Pfalz nach einem Erdrutsch.

Stuttgart | Auf die Tropenhitze folgt das Donnerwetter: Erneut hat es Baden-Württemberg besonders heftig getroffen. Beim „Southside Festival“ im Kreis Tuttlingen mit Zehntausenden Musikfans gab es am Freitagabend 82 Verletzte. 25 kamen laut Veranstaltern ins Krankenhaus. Die Feiernden flüchteten vor Blitz, Donner und Starkregen. „Fünf von ihnen kamen ins Krankenhaus“, sagte ein Sprecher der Polizei. Um was für Verletzungen es sich handelte, konnte er am Samstagmorgen nicht sagen. Das Festival wurde daraufhin abgebrochen. Die Sicherheit auf dem Gelände könne nicht mehr gewährleistet werden, teilten die Veranstalter mit. Die Besucher wurden aufgefordert, die Heimreise anzutreten.

Zu Beginn der dreitägigen Open-Air-Veranstaltung auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflugplatzes in Neuhausen Ob Eck herrschte noch schönstes Sommerwetter, dann kamen Blitz und Donner. Amateuraufnahmen von Festivalbesuchern zeigen das Ausmaß des Gewittersturms.

Aus dem Auto heraus filmte ein Besucher das Unwetter:

Das „Southside Festival“ findet traditionell gleichzeitig mit dem „Hurricane Festival“ in Niedersachsen statt. Auch dort wurde die Veranstaltung am Freitagabend wegen eines Unwetters unterbrochen, konnte aber fortgesetzt werden. Am Samstagmorgen wurde das Festival dann erneut wegen einer Unwetterwarnung unterbrochen. Erst um 15 Uhr soll es in Scheeßel weitergehen. Zahlreiche Auftritte sind bereits ausgefallen.

 

Auch in Pfullingen, südlich von Stuttgart, goss es wie aus Kübeln. Zwei kleine Bäche traten über die Ufer und trieben die hilflosen Bewohner in die Enge. Das ganze Ausmaß der Schäden werde sich wohl erst bei Sonnenaufgang zeigen, erklärten die erschöpften Retter. Die Feuerwehr war unterunterbrochen im Einsatz, um überflutete Keller und Tiefgaragen abzupumpen, weggespülte Fahrzeuge zu bergen und einen Kellerbrand zu löschen. In kurzer Zeit traten in der 18.000-Einwohner-Gemeinde zwei Bäche über die Ufer und überfluteten Teile der Stadt. „Es sieht verheerend aus im Stadtgebiet“, sagte Bürgermeister Michael Schrenk in der Nacht. Besonders öffentliche Gebäude wie Sporthallen und ein Museum seien betroffen. „Es sind großflächig große Schäden entstanden.“ Hinweise auf Verletzte gab es zunächst nicht.

Schlamm und überflutete Straßen in Pfullingen.
Schlamm und überflutete Straßen in Pfullingen. Foto: dpa
 

Ähnliche Szenen hatten sich am Freitagnachmittag bei einem Unwetter in Stromberg in Rheinland-Pfalz abgespielt. Der sonst so harmlose Welschbach verwandelte sich in einen reißenden Fluss. Das Wasser stand teils zwei Meter hoch in der kleinen Stadt. Etwa 60 Gebäude wurden überflutet. 30 Anwohner waren in ihren Häusern eingeschlossen. Der Gesamtschaden könnte eine sechs- oder siebenstellige Höhe erreichen. Verletzte gab es nach Angaben vom Krisenstab des Kreises Bad Kreuznach nicht.

Nach starkem Regen ist am Samstagmorgen Geröll auf die Bahnstrecke von Koblenz nach Frankfurt gerutscht. Daraufhin entgleiste gegen 5.30 Uhr zwischen Bacherach und Oberwesel der vordere Teil eines Zuges, wie eine Polizeisprecher sagte. Die linksrheinische Strecke wurde für die Bergungsarbeiten gesperrt. Unter den Verletzten sei der Lokführer. Der Schwerverletzte wird in einem Koblenzer Krankenhaus behandelt, wie die Bahn mitteilte. Neun Passagiere seien mit leichten Verletzungen davon gekommen. Die Bergung der Bahn soll noch am Samstag beginnen. Anschließend müssen Gleise und Oberleitungen repariert werden. Die Strecke bleibt mindestens bis Wochenbeginn für den Zugverkehr gesperrt. Davon betroffen sind auch Regional- und Fernverbindungen zwischen Frankfurt und Köln. Derzeit fahren nur ICE-Züge auf dieser Strecke.

Die Regionalbahn entgleiste nach einem Erdrutsch.
Die Regionalbahn entgleiste nach einem Erdrutsch. Foto: dpa

Zuvor war es am Freitag auf derselben Bahnstrecke nach einem heftigen Gewitter im Mittelrheintal zu Beeinträchtigungen gekommen. Beiderseits des Rheins wurden die Gleise unterspült. Bei dem Zugunglück in der Nähe des rheinland-pfälzischen Bacharach ist der Lokführer schwer verletzt worden. Drei andere Bahnmitarbeiter und sechs Fahrgäste waren bei dem Unglück am Samstagmorgen leicht verletzt worden.

Am Samstagmorgen hob der Deutschen Wetterdienst alle seine Unwetterwarnungen auf. Dennoch werde es nach der großen Schwüle weitere Gewitter geben, vor allem in Berlin und anderswo im Osten. Am Freitag schwitzten die Berliner sogar bei 36,4 Grad. Laut DWD war es der bislang heißeste Tag des Jahres in Deutschland. Am Sonntag sollen die Temperaturen dann zwischen 19 und 25 Grad liegen.

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erstellt am 25.Jun.2016 | 11:30 Uhr

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