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Panorama

10. Dezember 2016 | 06:14 Uhr

Jugendliche in Deutschland : Sinus-Studie 2016: So ticken die 14- bis 17-Jährigen

vom

Die Jugend rückt zusammen: Soziale Werte spielen eine größere Rolle als Religion. Toleranz und Engagement nehmen zu.

Die neue Studie des Sinus-Instituts zeigt: Jugendliche in Deutschland leben nach wie vor in unterschiedlichen Lebenswelten, rücken aber in mehrfacher Hinsicht enger zusammen. Das gaben die Auftraggeber der Studie, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) am Dienstagvormittag bei der gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin bekannt.

Für die meisten 14 bis 17-Jährigen gelte heute: Man möchte wie alle sein. Die auf Abgrenzung und Provokation zielenden großen Jugend-Subkulturen gebe es kaum mehr, hält die Studie fest. Eine Mehrheit sei sich einig, dass gerade in der heutigen Zeit ein gemeinsamer Wertekanon von Freiheit, Aufklärung, Toleranz und sozialen Werten gelten müsse. Nur er könne das „gute Leben“ in diesem Land garantieren. Das treffe auch für Jugendliche mit Migrationshintergrund zu, die sich demonstrativ von religiösem Fundamentalismus distanzieren.

Die Akzeptanz von Vielfalt nimmt laut Studie zu. Dies betreffe vor allem die religiöse Toleranz als wichtige soziale Norm. In allen Lebenswelten sei die Mehrheit daher für die Aufnahme von Geflüchteten und Asylsuchenden. In Teilen der Jugend in Deutschland werden jedoch auch Ressentiments und ausgrenzende Haltungen gegenüber Menschen anderer nationaler Herkunft und sozialen Randgruppen geäußert.

Lebenswelten der 14- bis 17-Jährigen

Jugendliche Lebenswelten
Jugendliche Lebenswelten Foto: Sinus Markt- und Sozialforschung 2011

Schlüsselbegriff „Mainstream“

Der Begriff „Mainstream“ ist laut Studie bei den meisten Jugendlichen kein Schimpfwort, sondern vielmehr ein Schlüsselbegriff im Selbstverständnis und bei der Selbstbeschreibung. Gemeinsame, vor allem soziale, Werte deuteten auf eine gewachsene Sehnsucht nach Aufgehoben- und Akzeptiertsein, Geborgenheit, Halt sowie Orientierung in zunehmend unübersichtlichen Verhältnissen einer globalisierten Welt hin. Anpassungsbereitschaft und selbstverständliche Akzeptanz von Leistungsnormen und Sekundärtugenden zeichenten diesen „Neo-Konventionalismus“ aus, so die Auftraggeber. Er gilt gleichermaßen für Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund. Ausgenommen sind postmodern geprägte Lebenswelten. Dennoch sind auch für die Jugend typische Werte wie der Wunsch nach Selbstentfaltung nach wie vor unterschiedlich stark ausgeprägt.

Das sagen Jugendliche zu ihrer Lebenswelt (Auswahl)
  • Dinge, die mir wichtig sind: für andere da sein. Gegenüber Freunden und Familie immer loyal sein. Treu sein. Die Wahrheit sagen. Mein Glaube an einen Gott. Beten. Andere auch akzeptieren, wenn sie ganz anders sind. Gegen Ungerechtigkeiten Widerstand leisten. Mich so geben, wie ich bin. (männlich, 15 Jahre)

 

  • Das mag ein bisschen komisch klingen, aber wenn wir abends zusammen am Tisch sitzen mit meiner Familie – das ist mir sehr wichtig. Wir essen, wir reden. Wir verbringen schon den ganzen Abend mit der Familie, wir sitzen drinnen und trinken Tee. (weiblich, 16 Jahre)

 

  • Lebensmotto? Ich halte mich halt immer daran, höflich zu sein und mich zu benehmen, überall, wo ich halt neu bin. Und wenn ich jemanden neu kennenlerne, halt immer nett und freundlich zu sein, weil so hat mir das meine Mama beigebracht. (weiblich, 14 Jahre)

 

  • Mit 32 will ich auf jeden Fall schon mal einen richtig ordentlichen Job haben und auf jeden Fall schon ausgezogen sein und ein normales Leben führen. (männlich, 14 Jahre)

 

  • Und mit 35 habe ich vielleicht eine Familie und wohne in meinem eigenen Haus, nicht so weit weg von hier. Ich will schon gerne hier bleiben eigentlich. Das ist so schön ruhig. (weiblich, 17 Jahre)

 

  • Am Wichtigsten im Leben: Wissen, was ich wirklich will. Meine Zukunft sicher planen. Mich körperlich topfit halten und Teil einer Gesellschaft sein. (männlich, 14 Jahre)

 

  • Ich will jetzt kein luxuriöses Leben, ich brauch nicht in jedem Land eine Villa usw. Und Privatjet und alle Sachen aus Gold, so was brauch ich überhaupt nicht. Einfach, dass ich das, was ich will, auch haben kann. (männlich, 15 Jahre)

 

  • Ich kümmere mich nicht so viel um die Gesellschaft, denn die kümmert sich ja auch nicht so um mich. Das Interessante sind ja die Freunde und die Familie. (männlich, 16 Jahre)

 

  • Über Zukunft habe ich mir eigentlich noch gar keinen Kopf gemacht. Ich will erst einmal meine Jugendzeit genießen, sozusagen so viel Scheiße wie möglich machen. Jetzt bin ich noch nicht strafmündig, das heißt ich bin schon strafmündig, aber ich kann nicht in den Knast kommen. (weiblich, 14 Jahre)

 

  • Im Leben ist mir wichtig, dass ich meine Schule fertig mache, also auf jeden Fall die Mittlere Reife habe. Dann eine Ausbildung anfange. Dass es meiner Familie gut geht, dass ich eine Frau habe und Kinder und dass ich mit Freunden auch gut bin. (männlich, 16 Jahre)

 

  • Wirklich wichtig im Leben ist, dass es mir und meiner Familie gut geht. Und auch meiner Freundin. Und dass ich mich mit allen verstehe, mit meinen Freunden, meiner Freundin und meiner Familie. Und dass ich glücklich bin. Und alle anderen auch. Also ein Auto ist zwar für mich auch sehr, sehr, sehr wichtig. Und ein Handy auch und so weiter. Aber das ist so erst mal das Wichtigste. (männlich, 15 Jahre)

 

  • Aber ich würde jetzt schon gerne eine Ausbildung machen, weil ich auch langsam arbeiten und Geld verdienen will, mein eigenes Geld verdienen. (männlich, 17 Jahre)

 

  • Es macht mir Sorgen, dass ich später vielleicht mal nicht den besten Job habe. (weiblich, 16 Jahre)

 

  • Ich würde gerne gut Geld verdienen. Ich brauch jetzt nicht x-facher Millionär, Milliardär sein, aber ich würde schon gern gut verdienen und auch später eine Familie haben und die gut ernähren können. Auch ein schönes Haus haben, einen schönen Garten, perfekt natürlich mit einem schönen Auto. (männlich, 15 Jahre)

 

  • Wenn ich mit meiner Schule und meiner Ausbildung fertig bin, dann will ich natürlich heiraten. Heiraten und dann Kinder kriegen, das will ich natürlich. Ich liebe Kinder. (weiblich, 15 Jahre)

 

  • Meine Zukunft sicher zu planen, mag ich gar nicht, weil ich eben total spontan bin und es gerne mag, Entscheidungen sehr kurzfristig zu treffen. (weiblich, 17 Jahre)

 

  • Ich bin ehrlich gesagt froh, wenn ich auf eigenen Beinen stehe und nicht mehr zuhause bin. […] Ich fühle mich eingeschränkt in der Hinsicht, dass ich eben nicht alles so einrichten kann, wie ich möchte, dass ich das nicht alleine planen kann mit dem Abwasch und sonst was und dass mir immer vorgeschrieben wird, wer was macht. (weiblich, 17 Jahre)

 

  • Pläne? Es kommt ja immer alles anders. Aber was ich mir am liebsten vorstellen würde: Erst mal eine WG mit vielen Freunden, vielleicht aber auch mit Leuten, die ich noch nicht kenne. […] Und dabei studiere ich halt. Was, das weiß ich selbst noch nicht, vielleicht Psychologie oder so etwas. […] Also sowas wie Wirtschaft oder sowas, das geht gar nicht. (weiblich, 16 Jahre)

 

  • Ich glaube, dass ich so ganz unbeschwert weiter sein werde und auch so durchs Leben gehen werde, weil ich glaube, dass das auch eine gute Einstellung ist. Aber dass ich auch mal so eine gewisse Machtposition, was meinen Job angeht, haben möchte. Aber dass ich auf jeden Fall wahrscheinlich immer ganz gestresst sein werde, weil ich immer ganz viele Sachen zu tun habe und mich das ein bisschen vielleicht auch überfordern wird, aber ich das trotzdem irgendwie schaffen werde. (weiblich, 16 Jahre)

Liebe

Es gibt einen breiten Konsens, dass Vertrauen, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit zentrale Voraussetzungen für eine Partnerschaft sind. Der große Wunsch ist eine stabile Beziehung bis spätestens Mitte 30. Auch der Wunsch nach einer eigenen Familie ist früh da - viele Jugendliche koppeln die Idee aber an einen sicheren Job und guten Lebensstandard.

Flucht und Asyl

Junge Menschen interessiert laut Studie auch das Thema Flucht und Asyl besonders. Der überwiegende Teil der Befragten befürworte die Aufnahme von Geflüchteten, unterstütze die Zuwanderung und zeige Toleranz. Mehr Engagement für eine gelungene Integration fordert eine Mehrheit. Trotz wachsender Akzeptanz der kulturellen Vielfalt, gebe es nach wie vor manifeste Vorbehalte gegenüber anderen Nationen. Dabei handele es sich meistens um Stereotype, die von den Jugendlichen nicht immer als Klischees oder Vorurteile erkannt werden, so die Studie. Bei Jugendlichen in „benachteiligten“ Lebenswelten sei das positive Bild einer pluralen, vielfältigen Gesellschaft noch nicht als soziale Norm veranktert.

„Die Erkenntnisse, dass der überwiegende Teil der Jugendlichen die Aufnahme von Geflüchteten grundsätzlich befürwortet, ist eine gute Basis für die politische Bildung“, sagt Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung. Nach wie vor hege aber ein signifikanter Anteil der Jugendlichen weiter Vorurteile. „Diese zu entkräften und die Diskussion über das neue gesellschaftliche ,Wir‘ zu moderieren bleiben deshalb wichtige Aufgaben der politischen Bildung.“

Das sagen Jugendliche zu Flucht und Asyl (Auswahl)
  • Ich finde es total gerechtfertigt, dass die hierher kommen, weil jeder Mensch hat das Recht, irgendwo aufgenommen zu werden, wenn sein Leben bedroht wird. Das ist vollkommen in Ordnung, und die anderen Länder sollten die auch aufnehmen, auch wenn es nur vorübergehend ist. (weiblich, 16 Jahre, Expeditive)

 

  • Ich finde es besser, wenn im Heimatland Krieg ist, dass sie dann nach Europa kommen, dass sie wenigstens versuchen, sich zu retten und dann nochmal einen Neustart beginnen, um was aus ihrem Leben zu machen. (männlich, 17 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Und ich finde auch, dass die Flüchtlinge ja überhaupt nichts dafür können, dass die aus ihrem Land vertrieben werden. Und für die ist es ja egal, ob die in Deutschland oder einem anderen Land ankommen. Die wollen ja überhaupt nur Schutz. (männlich, 16 Jahre, Prekäre)

 

  • Die Menschen haben ja auch krass viel durchgemacht. Und sein Heimatland verlassen zu müssen, und seine ganze Familie zu verlieren, da kann ich nicht verstehen, dass man solchen Menschen nicht hilft. (weiblich, 17 Jahre, Adaptiv-Pragmatische)

 

  • Kein Mensch ist illegal, würde ich sagen. Weil jeder Mensch hat einen Wert und keiner sollte einfach so wie Dreck behandelt werden. (männlich, 16 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Wenn ich die Leute höre: „Die können kein Deutsch.“ Ja, das muss man lernen. Wenn ich von jetzt auf gleich in ein anderes Land gehe, kann ich die neue Sprache auch nicht. Man muss es den Flüchtlingen eben beibringen. (weiblich, 16 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Was ich richtig schlecht finde, es tut mir leid, ist, dass es so viele dumme Einstellungen gegenüber den Flüchtlingen gibt. Das ist saublöd. Jetzt mal ehrlich: Wie dumm kann man eigentlich sein? Diese armen Leute können überhaupt nichts dafür. Die haben keinen Krieg angefangen. Die führen keinen Krieg. Die flüchten einfach nur, weil sie da nicht mehr leben können, weil sie sonst da sterben würden. (weiblich, 16 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Es geht uns als Land bzw. uns in Europa so gut. Da sollte es selbstverständlich sein, dass wir anderen Menschen, denen es nicht so gut geht, helfen. Ich glaube, es wird einfach zu wenig Menschen geholfen. Allein die Tatsache, dass es Menschen gibt, denen nicht geholfen wird, denen aber geholfen werden könnte. Das müsste geändert werden. (weiblich, 15 Jahre, Expeditive)

 

  • Wir können ja nicht jeden aufnehmen, der jetzt ankommt. Das ist ja für uns auch eine Belastung, diese Asylanten aufzunehmen. Aber das nehmen wir in Kauf dafür, dass die in Sicherheit sind. Und wenn das Problem sich wieder aufgelöst hat, können sie wieder in ihr Land zurück. (männlich, 17 Jahre, Konservativ-Bürgerliche)

 

  • Ja, also, ich bin eigentlich nicht rassistisch, aber ich finde, dass Schwarze und Türken nichts in unserem Land zu suchen haben. Die haben ein eigenes Land, und wenn die da verschuldet sind oder damit nicht klarkommen, dann ist das deren Problem. Dann müssen die nicht nach Deutschland kommen und uns das Leben schwer machen. (weiblich, 17 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Es reicht erst mal, muss ich sagen. Das ist ein bisschen kacke, weil Deutschland ist nicht mehr so richtig Deutschland, sondern eher so ein Mischmasch. (weiblich, 14 Jahre, Prekäre)

 

  • Weniger gut sind die Flüchtlinge gerade, weil laut den Nachrichten ja irgendwie jeder Flüchtling alles umsonst bekommt, das finde ich jetzt nicht so gut. ( … ) Und dass sie irgendwie alles zumüllen, habe ich gehört, und dadurch auch die deutsche Sprache aussterben soll, habe ich gehört, ja. (weiblich, 16 Jahre, Adaptiv-Pragmatische)

 

  • Also für mich sind Flüchtlinge in dem Sinne akzeptabel, wenn es Kriegsflüchtlinge sind oder auch wegen religiöser Hinsicht. Aber auf gar keinen Fall wegen der finanziellen Lage. Das sind für mich keine Flüchtlinge. Die suchen einfach nur nach einem besseren Leben. (weiblich, 16 Jahre, Konservativ-Bürgerliche)

 

  • Es ist eine gute Tat von Deutschland. Es ist schön, dass Menschen aufgenommen werden und denen geholfen wird. Aber es gibt ja auch welche zwischen diesen Flüchtlingen, die eigentlich gar keine Hilfe brauchen und nur hier hinkommen, um Geld zu verdienen. (männlich, 15 Jahre, Konservativ-Bürgerliche)

 

  • Aber ich fände es zum Beispiel besser, wenn das auch auf verschiedene Länder aufgeteilt wird. Weil der Großteil geht ja nach Italien und nach Deutschland. Ein Teil auch nach Frankreich, aber das war's eigentlich so gut wie. Und das sind ja mehrere Länder der Europäischen Union. Und ich finde, das sollte besser aufgeteilt werden. (männlich, 16 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Ich finde es eigentlich gut, dass wir die Flüchtlinge aufnehmen. Aber ich finde es von den anderen Ländern scheiße, dass die das nicht machen. (männlich, 17 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Das sollten die in den ganzen europäischen Ländern eigentlich verteilen. Nicht dass alle nach Deutschland kommen, weil die deutschen Bürger, die hier wohnen, die haben ja auch ihre Lasten, die müssen ja dann noch mehr Steuergelder bezahlen. (männlich, 15 Jahre, Prekäre)

 

  • Die Flüchtlinge stehen in einem falschen Bild da. Bei vielen, vor allem älteren Leuten, stehen die Flüchtlinge wie kriminelle Gammler da, die einfach nur hier schmarotzen wollen, was ja überhaupt nicht stimmt. Und ich finde, die Politik sollte halt gesellschaftlich mal das Bild verändern. Dann würde es vielleicht auch nicht immer solche Brandanschläge geben. Wobei – Nazis lassen sich ja wohl auch nicht vermeiden. (weiblich, 16 Jahre, Sozialökologische)

 

  • Die Vorurteile gegen Ausländer müssten abgebaut werden. Also das sollte alles nicht so Verallgemeinert werden: Nur weil mal eine Schlagzeile in der Zeitung steht, dass ein Türke einen Jugendlichen zusammengeschlagen hat, heißt das ja nicht, dass alle Türken so drauf sind. Es gibt aber viele Leute, die so denken. Und das sollte sich ändern. Oder das muss sich ändern. Es ist nicht so, dass in Deutschland nur Deutsche leben und im Ausland nur Ausländer. Es ist halt so, wie es ist. Und da sollten wir offener werden. (männlich, 16 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

Digitale Sättigung

Der Höhepunkt der digitalen Durchdringung des eigenen Alltags ist für viele Jugendliche erreicht. Die bedingungslose Faszination galt bislang als typisch jugendlich – doch sie ist geschwunden. Jugendliche kennen die Risiken wie Überwachung und Datensicherheit und möchten digitale Medien nicht nur nutzen, sondern auch verstehen. Viele wünschten sich daher von der Schule weniger gefahrenzentrierten Unterricht und mehr Hilfestellungen, wie sie sicher und trotzdem frei im Netz bewegen können. Digitale Kompetenzen seien in allen Lebenswelten immer noch unterschiedlich ausgeprägt, aber zunehmend wichtig für die berufliche Zukunft und die soziale Teilhabe. Der „richtige“ Umgang mit digitalen Medien wird vor allem in bildungsnahen Schichten als anspruchsvolle Aufgabe gesehen – doch es gibt auch erste Wünsche nach Entschleunigung.

„Chancengerechtigkeit in der digitalen Welt misst sich nicht mehr an der technischen Ausstattung“, sagt Heike Kahl von der Deutschen Kinder- und Jugendsstiftung. Entscheidend werde für junge Menschen sein, ob sie die digitalen Möglichkeiten zielgerichtet zur Entfaltung ihrer Potenziale nutzen und selbst zu aktiven und kreativen Gestaltern ihrer Welt werden können – online wie offline. „Es ist eine wichtige Aufgabe für unser Bildungssystem, aber auch für die Zivilgesellschaft, sie dabei zu unterstützen und keine Lebenswelt auszuschließen“, sagt Kahl.

Das sagen Jugendliche über digitale Medien und digitales Lernen (Auswahl)
  • Ich brauche eigentlich nichts mehr, ich habe ja alles. Ein großer Fernseher zum Beispiel. Da überlegt man mal so drüber. Na das krieg ich dann auch immer zu Weihnachten oder so was. Deswegen brauche ich eigentlich nichts mehr. (männlich, 15 Jahre, Adaptiv-Pragmatische)

 

  • Mein Laptop ist relativ neu. Freunde von mir haben zum Beispiel gar keinen Laptop, oder sie müssen sich den mit ihren Geschwistern teilen. Da bin ich echt gut dran. Und ein iPhone 5c ist auch nicht das schlechteste Handy. Mein Vater hat auch viel solches Zeugs. Er ist Online-Redakteur. Und deshalb sind wir in der Familie gut ausgestattet. (weiblich, 15 Jahre, Expeditive)

 

  • Ich bin sehr zufrieden, weil ich habe ein Laptop. Klar man könnte jetzt auch sagen: ‚Ja, du hast einen Standrechner mit übelsten Boxen und so.‘ Ich bin schon richtig froh, dass ich jetzt einen Laptop habe mit 14, weil ich kenne viele, die haben noch nicht mal ein Smartphone. (männlich, 14 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Das Gute wäre aber, dass ich [an einem Tag ohne Handy] endlich Freizeit für einfach mal nur Fernsehen schauen habe, weil ich seit Monaten kein Fernsehen schaue, weil ich übers Internet alles mache. (männlich, 16 Jahre, Adaptiv-Pragmatische)

 

  • Und ohne Handy, da hat man überhaupt keinen Kontakt zu anderen Menschen. Dann könnte man halt zehn Tage durchgehend etwas machen und etwas unternehmen. Aber dann muss man auch etwas ausmachen, und wenn man kein Smartphone hat, wird das alles ein bisschen schwer. (männlich, 15 Jahre, Adaptiv-Pragmatische)

 

  • Man kann auch ohne Handy. Wir machen auch manchmal was ohne unsere Handys. Aber sonst, man muss erreichbar sein, das ist wichtig. Einer muss immer das Handy dabei haben, weil es könnte auch mal was passieren. (weiblich, 17 Jahre, Prekäre)

 

  • Das wichtigste technische Gerät ist mein Handy, weil ich mit meinem Handy mit jedem, der auch ein Handy hat, in Kontakt bleiben kann. Also wenn was ist, kann ich anrufen oder die mich. Oder wenn mal einem langweilig ist, dann kann man einfach schreiben, man kann Fotos schicken und das finde ich wichtig. (weiblich, 17 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Es ist in der heutigen Zeit eigentlich fast nicht mehr wegzudenken, weil viele sich auf die Smartphones an sich beschränken und den Kontakt eigentlich fast nur noch per Nachrichtendienst halten können. Ich kenne keinen, der jetzt wirklich noch als junger Mensch so Briefe schreibt. Das dauert alles viel zu lange. (männlich, 16 Jahre, Adaptiv-Pragmatische)

 

  • Ohne Smartphone? Ich glaube, dann würde ich den ganzen Tag nur zu Hause herumhängen und keinen Kontakt zu meinen Freunden haben. So über Festnetz oder so telefoniert man ja einfach nicht mehr. (männlich, 17 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Ich glaube, das wird irgendwann so sein, dass es wirklich in Klubs Schilder gibt: „Handys abgeben“ oder „Handys daheim lassen. Hier drin wird sich richtig unterhalten“ oder sowas. Das ist ja auch in Cafés so. Das sieht man auch bei uns im Verein. Wir sitzen am runden Tisch und jeder hat sein Handy vor der Nase. Und das ist schon irgendwie doof. (weiblich, 17 Jahre, Konservativ-Bürgerliche)

 

  • Mich stört es manchmal, wenn sie nur am Handy hängen oder nur am Zocken sind. Manchmal will man auch reden, das stört dann, aber ist halt so. (weiblich, 16 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Ja, ich finde es schon wichtig. Also zumindest in unserer Generation, jetzt zum Beispiel bei meinen Eltern oder so verstehe ich das ja noch, weil die sind ja nicht damit aufgewachsen. Aber von uns wird das ja so erwartet, weil wir das ja einfach schon von Anfang an so kennen. Also einerseits ist es auch irgendwie traurig, aber andererseits ist es auch gut, weil es schon hilfreich ist. (weiblich, 17 Jahre, Sozialökologische)

 

  • Digitale Medien werden auf jeden Fall eine große Rolle spielen, weil sie weltweit eine große Rolle spielen. Es geht nicht anders. (männlich, 17 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Im Job wird es auch immer wichtiger, dass man mit Technik umgehen kann. Doch, das bleibt auf jeden Fall. (weiblich, 17 Jahre, Expeditive)

 

  • Also es ist halt schon peinlich, wenn man nicht weiß, was Google ist, aber das weiß ja sowieso jeder. Was man wissen muss, dass es so was wie YouTube gibt, so eine Internetplattform, wo man YouTube-Videos gucken kann. Und halt soziale Medien auf dem Rechner, dass es das gibt. Aber jetzt zum Beispiel Computersprache mit Nullen und Einsen, das muss man nicht wissen. (männlich, 14 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Ich glaube, dass man nicht zu viel von sich preisgibt. Also dass man nicht zu viel reinstellt. Und vor allem keine Sachen, die niemand von einem erfahren sollte wie zum Beispiel den Wohnort. (weiblich, 14 Jahre, Adaptiv-Pragmatische)

 

  • Früher hat man im Lexikon nachgeschaut, und ich glaube, ganz viele wissen nicht mehr, dass es das auch gibt oder können damit nicht umgehen. Deswegen bleibt das immer wichtig in Zukunft. (weiblich, 16 Jahre, Expeditive)

 

  • Ich würde es wirklich so lassen, dass man die Medien auch nicht komplett mit einbringt, sondern dass dies Schreiben nicht komplett durch das Eintippen ersetzt wird. Dass man, wie gesagt, zu Präsentationen oder wenn man was nachgucken will, Medien dann nimmt, aber sonst, dass wirklich nicht jeder irgendwie seinen eigenen Laptop dann mitbringt und dann irgendwie die ganze Zeit vor dem Ding sitzt in der Schule. (männlich, 17 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Ich finde, am Gymnasium muss das nicht sein. Da fehlt vielen Schülern die Motivation, würde mir auch fehlen, wenn alle Laptops haben, würde die Hälfte auf YouTube gehen, sich Instagram angucken, ich würde Schuhe angucken oder wie Köln spielt, welche Aufstellung, wer verletzt ist, welche Autos jetzt neu rauskommen. Da fehlt die Motivation. (männlich, 15 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Also wir haben in der Schule jetzt so Whiteboards bekommen, so riesengroße Bildschirme mit Touchscreen und sowas, finde ich ganz in Ordnung, aber auch irgendwie unnötig. Also ich finde eine Tafel genauso gut. (weiblich, 17 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Wir arbeiten mit Computern, aber wir lernen nicht, wie man mit dem Computer umgeht. (männlich, 15 Jahre, Konservativ-Bürgerliche)

 

  • Früher bei uns war das ja immer so: Wir haben im Buddelkasten gespielt, wir haben halt wie Kinder gelebt. Mit Barbies und Autos gespielt. Heutzutage haben die Kinder schon ein Smartphone, die noch in der ersten Klasse sind. Und ich hatte zum Beispiel mein erstes Handy in der siebten Klasse. Und dann haben die so viele Apps. Die werden in der letzten Zeit voll verwöhnt, die Kinder, die jetzt auf die Welt kommen. (weiblich, 14 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Ich sehe jetzt schon Fünftklässler mit einem iPhone herumlaufen. Und das ist nicht das iPhone 4 sondern das iPhone 6 oder 5. Das ist doch nicht mehr normal. Ich würde meinem Kind niemals in der fünften Klasse so ein Handy kaufen. Ich hatte damals eins, das war noch zum Klappen. Und das war auch nur für Notfälle, damit ich meine Eltern anrufen kann, wenn was ist. (weiblich, 16  Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Schön, dass ihr ein besseres Handy habt als ich, das muss nicht sein und ich finde auch nicht, dass 5-Jährige mit einem iPad umgehen sollten, also wissen sollten wie man irgendwas öffnen kann, selbst wenn sie nur ihre Spiele spielen. Das finde ich komplett übertrieben und das würde ich auch nicht wollen, dass mein Kind das so früh lernt. (weiblich, 17 Jahre, Adaptiv-Pragmatische)
 

Werte wichtiger als Religion

Jugendliche sind an Sinnfragen interessiert, aber skeptisch gegenüber Religionsgemeinschaften als Institutionen. Die eigene Glaubensgemeinschaft spiele in den meisten Lebenswelten keine besonders große Rolle, werde aber nicht grundsätzlich in Frage gestellt, hält die Studie fest. Eine gemeinsame Wertebasis sei wichtiger. Religiöse Begründungen von Gewalt lehnen Jugendliche aller Lebenswelten deutlich ab. Auch bei den befragten muslimischen Jugendlichen zeige sich eine Festigung religiöser Toleranz als Norm. Radikaler Islamismus werde abgelehnt.

Das sagen Jugendliche zu Glaube und Religion (Auswahl)
  • Ich glaube ein bisschen an das Schicksal und glaube, dass bestimmte Sachen einfach vorbestimmt sind, weil ich einfach echt schon so krasse Sachen erlebt habe, wo ich dachte, es kann nicht einfach so passiert sein, das muss irgendeinen Hintergrund haben. Aber ich glaube jetzt nicht an Gott oder irgendwie sowas. (weiblich, 17 Jahre, Experimentalistische Hedonisten, christlich)

 

  • Ich glaube an etwas Höherstehendes, ob das jetzt Gott ist oder jemand anderes, lass ich auch offen. Kein Mensch weiß das. Ich glaube an den Himmel, aber ich glaube jetzt nicht an die einzelnen Geschichten. Ich denke schon, dass es einen Menschen gegeben hat, ob der jetzt Jesus hieß oder nicht, und dass der Glauben verbreitet hat und erzählt hat, dass er das Kind Jesu ist. Aber das Ganze mit Moses, der hat das Wasser geteilt und so, das glaube ich jetzt nicht so. Aber ich bin kein Mensch der jetzt so stark einen großen Glauben hat. (männlich, 15  Jahre, Materialistische Hedonisten, keine Religionsgemeinschaft)

 

  • Ich bin evangelisch getauft, und konfirmiert bin ich auch im evangelischen Religionsunterricht. Ich bin aber eigentlich in der katholischen Jugendrunde, weil da viele meiner Freunde sind. Aber wirklich gläubig bin ich nicht. (weiblich, 17 Jahre, Adaptiv-Pragmatische, evangelisch)

 

  • Es beschäftigt einen schon sehr, auch wenn man selber nicht so gläubig ist. Man denkt halt darüber nach, was ist beispielsweise nach dem Tod, gibt es wirklich einen Gott, der dich dann danach in den Himmel schickt oder nicht. Das sind halt Fragen über Fragen, die alle unbeantwortet bleiben. (männlich, 16  Jahre, Adaptiv-Pragmatische, keine Religionsgemeinschaft

 

  • Auf meinen Alltag wirkt sich mein Glaube sehr aus. Durch meinen Glauben kann ich ja auch wissen, was ich mache. Also das, was ich mache, ob das richtig ist oder nicht. Das ist dann auch sehr wichtig. Dass man keine schlechten Sachen und so machen soll, ja. (männlich, 14 Jahre, Prekäre, muslimisch)

 

  • Weil im Islam ist es ja so, da hat man seinen Bund, dieses, wie soll ich das erklären, dieses Miteinander. Man ist immer mit anderen Jugendlichen oder mit anderen islamischen Gruppen zusammen. Das finde ich voll gut. Das mag ich voll. (männlich, 16 Jahre, Materialistische Hedonisten, muslimisch)

 

  • Meine ganzen Freunde glauben auch an nichts. Ich habe eine Freundin, die glaubt an Gott, das ist okay für mich. Ich kann damit umgehen, sie geht jeden Sonntag auch zum Gottesdienst, was auch okay ist, und das war‘s. Also ich habe damit auch nicht viel zu tun. (weiblich, 17 Jahre, Materialistische Hedonisten, keine Religionsgemeinschaft)

 

  • Und es macht mich traurig, dass Menschen ihren Glauben derart umlegen. Der Islam ist ja praktisch die Religion des Friedens. Und diese Leute sind keine Muslime. Das sind Islamisten. Und was ich auch schade finde, ist, dass das die Menschen verwechseln. Sie verfluchen den Islam, obwohl die Islamisten mit dem Islam nichts zu tun haben. (männlich, 15 Jahre, Sozialökologische, christlich)

 

  • Ich finde, das ist einfach Schwachsinn. Die sollen die einen ihren Glauben leben lassen, und die anderen sollen an das glauben, was sie wollen. Und das kann ja jedem egal sein, was der andere glaubt. [INT: Du findest es Quatsch, wenn aufgrund dessen Krieg geführt wird?] Ja. Es kann ja nicht jedem immer dasselbe gefallen. (weiblich, 15 Jahre, Materialistische Hedonisten, evangelisch)
 

Zweifel an Veränderung

Umweltschutz, die Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen, kritischer Konsum, Kinderarbeit: Viele Themen bewegen Jugendliche in ihrem Alltag. Doch Preisargumente und das Gefühl, dass Einzelne nicht viel ändern können, sorgten dafür, dass Jugendliche ihr Kaufverhalten in der Praxis kaum anpassen. Der Klimawandel ist vor allem in Lebenswelten mit niedriger Bildung kaum relevant, weil man Schwierigkeiten habe, die komplexen Zusammenhänge zu verstehen.

Das sagen Jugendliche zum kritischen Konsum (Auswahl)
  • Ja, manchmal schon. Weil zum Beispiel Primark, das ist ja eigentlich nur Kinderarbeit. Und voll viele gehen ja da shoppen, weil es so billig ist. Aber manchmal denke ich auch daran und denke, Mädel, du könntest auch eines von den Kindern sein. Weil die Kinder bekommen ja nicht so viel Geld von da, das verdiente Geld von Primark. Voll wenig bekommen die Kinder dort. (weiblich, 14 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Ach so. Das ist schon ziemlich hart, wenn man das so hört, wenn bei Primark Klamotten aus Kinderhänden stammen. Und dass das so eigentlich mit der Welt gar nicht laufen sollte, weil die leiden müssen, damit wir schön sind. Das finde ich nicht gut. (weiblich, 15 Jahre, Sozialökologische)

 

  • Ich finde es schon wichtig, auf so etwas zu achten, aber man will ja die geringen Preise bezahlen. Man will ja nicht unbedingt viel bezahlen, und das ist einfach so ziemlich der einzige Weg, es so billig zu machen. Und ich finde, solange man nicht bereit ist, mehr zu bezahlen, wird es auch diesen kritischen Konsum nicht geben. Die so etwas machen, sind welche die viel Geld haben oder zu viel Geld, dass sie es sich leisten können. (männlich, 17 Jahre, Konservativ-Bürgerliche)

 

  • Man kann halt einfach aufhören, die Klamotten zu kaufen. Man sagt ja immer, nur einer, das macht keinen Unterschied, aber es macht irgendwie doch einen Unterschied, weil wenn du es nicht machst, dann machen es vielleicht deine Freunde auch nicht. Ich denke schon, dass man als Einzelperson etwas machen kann. Vielleicht nicht den Riesenunterschied, aber vielleicht einen Anfang. (weiblich, 17 Jahre, Sozialökologische)

 

  • Also ich probiere es. Ich muss zugeben, dass ich auch manchmal, wenn ich so bei H&M einkaufen gehe, damit auch Kinderarbeit und sowas unterstütze, was natürlich Kacke ist. Aber da muss ich zugeben, da achte ich dann nicht so sehr drauf. Gerade bei den Klamotten. Auch, wenn es doof ist, aber da muss man ja anfangen zu gucken, wo nicht Kinderarbeit und so etwas mit drin ist. Und das ist super schwer zu finden, weil wirklich fast alles das halt beinhaltet. Und ich habe da auch schon ein paar Sachen drüber gesehen in Studien. Da müsste man auch in irgendwelche Läden gehen, wie heißen die nochmal, so Fair Trade. Und das kann ich mir überhaupt nicht leisten, also gar nicht. Das ist die Sache. (männlich, 16 Jahre, Sozialökologische)

 

  • Ich glaube aber, wenn eine Menschenmasse daran denken würde, Sachen woanders zu kaufen, Fair Tade oder so, dann würde das natürlich was ändern. Aber wenn jetzt eine Person persönlich sehr genau darauf achtet, was sie kauft, ändert das glaube ich nicht viel. (weiblich, 15 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Ich weiß, dass bei Primark zum Beispiel Kinderarbeit ganz viel drin steckt, und ich finde es schade. Andererseits denke ich mir, wenn ich jetzt aufhöre damit, dann bringt es nichts, weil diese Leute, die das da haben oder die da kaufen, weil ich jetzt aufhöre, hören die nicht auf. Also es wird immer irgendwo Kinderarbeit geben, glaube ich. Das kann man nicht unterbinden, das geht nicht. (weiblich, 17 Jahre, Materialistische Hedonisten)
Das sagen Jugendliche zu Umweltschutz und Klimawandel (Auswahl)
  • Also eine Herausforderung ist eigentlich nur, dass man nach der Umwelt schauen muss, weil, ja, natürlich Erderwärmung und alles. Und dass die Polare schmelzen und alles. Eigentlich ist das größte Thema der Planet an sich. (weiblich, 15 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Ja, Umwelt ist mir sehr wichtig. Weil wir müssen in der Umwelt auch leben. Wenn man jetzt die Luft verpestet, dann fragen sie sich, warum es keine saubere Luft mehr gibt. Und eigentlich sind sie selber daran schuld. (weiblich, 17 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Die Verschmutzung im Wald und im Meer, das ist ganz schlimm. Ich meine, wir sind auf der Welt, aber das ist ja nicht unsere Welt eigentlich. Wir werden ja hier nur ertragen quasi. Und dann können wir uns das ja nicht erlauben, die einfach kaputt zu machen. (weiblich, 17 Jahre, Konservativ-Bürgerliche)

 

  • Kein Tier würde seinen eigenen Planeten kaputt machen. Keines! Was macht aber der Mensch: Scheiß drauf! Warum? Wahrscheinlich brauchen wir irgendwann einen neuen Planeten, weil wir so doof waren und alles zerstört haben. Wir haben alle Wälder abgeholzt. Wir haben alle Tiere getötet. (weiblich, 16 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • So schwer ist Umweltschutz nicht. Die meisten Leute denken ja sofort, dass man sich Solarzellen anschaffen muss. Aber nein, das muss man gar nicht. Man braucht nur viel mit den Öffentlichen zu fahren oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Da kann man auch wieder Sprit sparen. Oder man fährt mit dem Fahrrad. Ist das so schwer?! (weiblich, 16 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Also ich bringe meinen Müll immer in meine Mülltonnen. Ich würde auch niemals ein Kaugummi einfach auf die Straßen werfen. Dafür gibt es Mülltonnen, und wenn gerade keine Mülltonne da ist, dann packe ich den in meine Tasche, bis ich an der nächsten Mülltonne bin. (weiblich, 17 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Oh Gott. Also ich trenne weder meinen Müll, noch achte ich da irgendwie anders drauf. Und ich finde das ganz ganz furchtbar, dass ich so bin. Also ich würde es gerne. Ich würde echt gerne mehr auf meine Umwelt achten, aber ich bin zu faul. (weiblich, 17 Jahre, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Ich werfe auch Müll auf die Straße, das macht eigentlich, glaube ich, jeder. Was mir schon Gedanken macht ist Auto fahren. Ich weiß nicht, wenn ich jetzt größer bin und aufs Autofahren verzichten will, ich glaube, das wird nicht so viel bringen. Ich bin einer von Milliarden, die das machen. Und nicht weil einer was macht, wird sich was ändern. Das denke ich halt immer. Oder weniger Müll produzieren. Natürlich hilft das ein bisschen, aber das ist so minimal eigentlich. Darum macht man sich jetzt nicht so viel Gedanken darüber. Außer man ist wirklich so ein Ökotyp oder eine Ökotante, dann schon. Wenn man so ganz normal ist, dann eigentlich nicht so. (männlich, 15 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Ich denke immer so, das bringt bestimmt nichts, wenn ich das jetzt mache, weil man kann es zwar weitergeben an Leute und so, aber das bringt dann ja nichts, dass ich dann da irgendwo da rumhocke und mir da Gedanken darüber mache, wenn die anderen es nicht umsetzen. (weiblich, 17 Jahre, Sozialökologische)

 

  • Dass man den Regenwald abholzt und dass es nicht mehr lange dauert, bis der komplette Regenwald abgeholzt ist und dass der Klimawandel dann rasant eintritt. Ich weiß jetzt gar nicht, ob die Temperaturen steigen oder sinken. Dass dann vielleicht wieder eine Eiszeit ist oder es sehr heiß ist und dann die Wirtschaft auch nicht mehr gut funktionieren wird. Man kann im Winter zum Beispiel Nahrungsmittel nicht anbauen und herstellen, im Sommer kann man andere Sachen nicht mehr machen. Das würde verheerende Folgen haben. (männlich, 15 Jahre, Materialistische Hedonisten)

 

  • Das Ding ist ja, wir haben nur diesen einen Planeten. Wir haben nur eine Chance. Und die werden wir garantiert verhauen. Und wenn man sich jetzt mal die Welt sich anguckt, ist es einfach so. (männlich, 17 Jahre, Adaptiv-Pragmatische)
 

Öffentliche Verkehrsmittel als soziale Orte

Jugendliche entscheiden zweck-, kosten-, und situationsabhängig, welches Verkehrsmittel gerade am besten passt. Mit dem öffentlichen Nahverkehr zeigen sich die Befragten im Großen und Ganzen zufrieden. Busse und Bahnen seien auch Orte, um Freunde zu treffen, neue Kontakte zu knüpfen oder Zeit für sich zu haben. Jugendliche setzten für Informationen rund um den öffentlichen Personennahverkehr ganz auf Apps. Noch immer gehöre - vor allem im ländlichen Bereich - der Führerschein und ein eigenes Auto zum Erwachsenwerden dazu. Skepsis hersche allerdings gegenüber selbstfahrenden Autos.

Das sagen Jugendliche zum öffentlichen Personennahverkehr (Auswahl)
  • Ich liebe es, Bahn zu fahren. Ich weiß nicht, warum, aber ich liebe es, die Menschen zu beobachten. Ich liebe es, Zeit für mich zu haben und was von der Stadt zu sehen so nebenbei. (weiblich, 17 Jahre, Stadt, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Also, ich finde sie eigentlich relativ cool, weil es ist auch so eine Chance, neue Leute kennenzulernen. Auch jetzt als der Bus nicht kam, habe ich so eine Portugiesin aus H. kennengelernt. (weiblich, 16 Jahre, Land, Sozialökologische)

 

  • Ich bin relativ zufrieden, zum großen Teil. Also, wenn ich jetzt zum Beispiel manchmal zu Freunden in einem anderen Dorf fahre, wo keine S-Bahn-Stelle ist, dann ist das halt schon doof, weil da kommt man nur mit einem Bus hin, der ungefähr alle zwei Stunden einmal fährt und am Wochenende gar nicht, und das ist halt echt blöd. Aber jetzt so zum Beispiel in den Bereichen, wo halt die S-Bahnen fahren, da ist das eigentlich voll cool. (weiblich, 17 Jahre, Land, Adaptiv-Pragmatische)

 

  • Der Bus, also ich würde ja eigentlich mit dem Bus von hier zur Bahn fahren, aber der fährt morgens, der ist immer so voll, dass der einfach vorbeifährt oft. Das heißt, manchmal kommt man gar nicht in die Schule und das ist richtig dumm. Mit dem Bus habe ich ziemlich schlechte Erfahrungen. Der kommt dauernd zu spät, manchmal gar nicht. Aber Bahn ist ganz gut. (männlich, 15 Jahre, Land, Adaptiv-Pragmatische)

 

  • Ich fahre generell nicht gern mit den Öffentlichen. Das liegt aber an den Leuten und nicht am Verkehrsmittel. In den alten 5er-Bussen, die derzeit eingesetzt werden, geht aber ab und zu die Klimaanlage nicht. Das ist echt ekelhaft. Man klebt an den Sitzen und an den Menschen. Im Prinzip ist es eine rollende Sauna. Das ist ekelhaft. Da läuft man lieber anstatt in diesem Bus zu hocken. (weiblich, 16 Jahre, Land, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Also gerade in den U-Bahnhöfen fände ich es gut, wenn da vielleicht einer sitzt, der wirklich anwesend ist. Nicht wirklich irgendwelche Kameragerätschaften, sondern wirklich ein Mensch, der das alles überprüft, wie es da zugeht und der auch Verstärkung schnell holen kann.

 

  • Die Züge der Bahn finde ich cool. Die sehen modern aus, sind modern, es ist eine ordentliche Klimaanlage drin, man fühlt keine Unebenheiten beim Fahren, die sind schnell. (männlich, 14  Jahre, Stadt, Adaptiv-Pragmatische)

 

  • Es gibt ja diese Apps mit den Zeiten und da guck ich halt immer vorher, wie ich am besten nach Hause komme und wann ich so ungefähr losgehe, dass ich nicht eine Stunde irgendwo warten muss. (weiblich, 15 Jahre, Stadt, Materialistische Hedonisten)

 

  • Ohne Auto kann man irgendwie nicht leben, finde ich. Man braucht irgendwie überall so ein Auto, um etwas zu transportieren oder irgendwo hinzufahren oder in Urlaub zu fahren. (weiblich, 14 Jahre, Stadt, Adaptiv-Pragmatische)
 
Das sagen Jugendliche zur Mobilität (Auswahl)
  • Mir ist es auch wichtig, dass ich das Gefühl habe, dass ich nicht nur in meinem Dorf sitze und nicht über den Tellerrand rausschauen kann. Ich genieße es auch, die Leute zu sehen, wenn sie anders sind. Dass man auch sieht, das gefällt mir da besser oder das gefällt mir da nicht so gut. Einfach mal was sehen. (weiblich, 17 Jahre, Land, Expeditive)

 

  • Ja, Welt erkunden, Freiheit ein bisschen, Selbstentfaltung, also ja, neue Kulturen entdecken, neue Leute entdecken, alles neu kennenlernen, neue Eindrücke sammeln. (männlich, 17 Jahre, Stadt, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Ich liebe es, Bahn zu fahren. Ich liebe es, Fahrrad zu fahren, ich liebe alles mit Unterwegs-Sein. (weiblich, 17 Jahre, Stadt, Experimentalistische Hedonisten)

 

  • Ich bin nicht gerne im Ausland unterwegs. Wegen der Sprache und anderen Sachen. (männlich, 15 Jahre, Stadt, Konservativ-Bürgerliche)

 

  • Ich mag es auch nicht, in den Ferien irgendwo hinzufahren weit weg. Ich bin lieber zu Hause oder draußen ein bisschen. Ich muss jetzt nicht jeden Tag irgendwo sein und jeden Tag irgendwo anders Zeit verbringen. Es reicht mir, halt mal rauszugehen oder hier zu bleiben. Es wäre ein Stress, wenn man jetzt jede Woche von den Ferien zum Beispiel ausfüllen würde. Ich bleibe lieber zu Hause. (männlich, 14 Jahre, Stadt, Konservativ-Bürgerliche)
 
Hintergrund: Die Sinus-Studie

Die Sinus-Studie erforscht seit 2008 alle vier Jahre die Lebenswelten von Jugendlichen in Deutschland. Im Sinne der Statistik ist sie nicht repräsentativ, weil allein 72 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren dafür befragt wurden. Die langen und persönlichen Interviews erlauben Forschern aber einen guten Einblick wie Teenager „ticken“. In der Jugendforschung ist diese Methode wegen ihrer Tiefenschärfe anerkannt. Die Ergebnisse gelten mit Blick auf die Psychologie als repräsentativ.

Die Gespräche führten junge Sozialwissenschaftler und erstmals auch geschulte Gleichaltrige von Anfang Juli bis Ende Oktober 2015.

Befragt wurden Jugendliche mit Hauptschulabschluss, mittlerer Reife sowie Abitur. Dabei achteten die Forscher auf eine gleichmäßige Verteilung nach Geschlecht, Wohnort, Schulform und Migrationserfahrungen.

Die Jugend als homogene Gruppe gibt es in der Studie nicht. Die Forscher unterscheiden zwischen verschiedenen Milieus: Dazu zählen Konservativ-Bürgerliche, Sozial-Ökologische, Erfolgs- und Lifestyle-Orientierte, Leistungs- und Familien-Orientierte, Spaß- und Szene-Orientierte, Freizeit- und Konsum-Orientierte Unterschicht und Jugendliche aus prekären Verhältnissen.

Zu den Partnern der Untersuchung gehören unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung.

Die komplette Studie ist als E-Book erhältlich

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erstellt am 26.Apr.2016 | 12:01 Uhr

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